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Wie gut ist der Lifestyle-Boom?

Heute kann man alles kaufen, sogar einen PanterWas bedeutet Lifestyle Boom, und wer profitiert davon? Es ist das Geschäftsmodell rund um neue Trends, hippe Produkte, Jetset-Leben und Überflieger. Der Trendsetter macht mit, der Hipster fördert diesen Boom, und dem Aussteiger kommt er auch gerade recht, denn er kann hier ganz Individualist sein, ohne mit Massenprodukten mitschwimmen zu müssen.

Lifestyle Stores gibt es nämlich wie Sand am Meer, und einige davon haben sich auf Aussteiger, Waldmenschen, Einsiedler, Prepper und Vorsorger spezialisiert. Es boomen neben den Shops auch die Lifestyle Messen, auf welchen der Individualist neue Produkte kennenlernt, welche ihn in seinem kleinen Schneckenhaus unterstützen.

Ich als geborener Nerd, habe einst eine Messe für Prepper besucht und dort die Roadbags kennengelernt. Sie sind praktisch, denn wenn man in Spanien, inmitten der dünn besiedelten Extrmadura am Strand übernachtet, ist ein simpler Schlafsack zu wenig, wenn man aufs Klo muss. Ich gebe zu, früher bin ich ins Meer gesprungen und habe es mitten in der Nacht mit meinen Naturalien beglückt, wenn ich dringend aufs Klo musste, weil weit und breit keine Infrastruktur zu sehen war. Heute nehme ich auf solchen Trips mein Roadbag mit und behellige die Natur nicht mit meinem Müll.

Wer profitiert vom Lifestyle Boom?

Es sind die Trendsetter, die Macher dieser Welt, die findigen Füchse unter den Lifestyle-Shops, welche vom Lifestyle Boom profitieren, denn sie integrieren ausgefallene Trends und Retro Produkte in ihr Sortiment und beherbergen eine Oase des Glücks für Hipsers, Hippies und Sonderlinge. Das Geschäft rund um Lifestyle, nachhaltiges und gesundes Leben, gute Produkte, Sharing und Recycling, umweltfreundliche Lebensweise und die Suche nach dem grossen Glück liegt im Trend. Inzwischen existieren öffentliche Kühlschränke, in die man seine nicht gebrauchten Lebensmittel stecken kann, welche dann von Menschen konsumiert werden, die damit etwas anfangen können. So boomen das Containern, das Food-Sharing und die kostenlose Weitergabe von unbenutzter Nahrung.

Es sind die Experten, teilweise auch selbst ernannten Spezialisten und Autodidakten, welche vom Lifestyle Boom profitieren. Wir neigen dazu, unser Leben durch Spezialisten, Berater, Programme und Expertentipps zu bereichern. Vieles davon ist gut, dient unserer Gesundheit, aber auf ein paar Dinge könnten wir auch verzichten und würden trotzdem überleben.

Niemand benötigt einen Experten für seine Freizeitgestaltung, denn jeder weiss, welche Hobbies und Interessen er verfolgt, und so muss niemand mehr über einen Expertenrat zu möglichen Interessen hingeführt werden, welche er auch aus Zeitschriften und Magazinen konsumieren kann. Trotzdem existieren Freizeitberater, die viel Geld verlangen, um in einem Gespräch zu erörtern, was uns gefällt, und was wir morgen tun könnten. Bitte, diese Dienstleistung ist etwas für Superreiche, die nicht mehr wissen, wohin mit ihrem Geld.

Anders sieht es mit einem Tierflüsterer aus. Es sind menschen, die sich mit Tieren gut verstehen, teilweise auch die Tiersprache erlernt haben und wissen, warum der Hund andauernd bellt, die Ziege lahmt und das Schwein stinkt. Man braucht sie, um die Psyche des Tieres zu erörtern, um gegebenenfalls durch eine Psychotherapie das geliebte Tier wieder glücklich zu machen, damit der Hund Männchen macht, die Ziege Gras frisst, nur das Schwein stinkt weiter, es liegt einfach in seiner Natur. Wussten Sie, dass Schweine sozial eingestellte, gesellschaftlich geprägte, kommunikative Tiere sind, welche miteinander, und nicht ohne einander glücklich sind? Sie brauchen ihr Ringelschwänzchen, um damit zu spielen, und wenn zu viele Schweine auf engstem Raum, ohne Streufutter zusammenstehen, beissen sie sich gegenseitig den Ringelschwanz ab. Das nennt man Mastviehzucht.

Wer macht mit beim Lifestyle Boom?

Der lange Hals der Giraffe boomtWenn wir beim Lifestyle-Boom mitmachen, sollten wir uns überlegen, was wir brauchen, was reiner Luxus ist, und was in unserem Leben überflüssig ist. Wenn Shops mit Rabatten, Limits und Sonderangeboten winken, sind wir mitten drin, kaufen das Zeug sofort, weil wir glauben, es sei limitiert, oder es sei am nächsten Tag nicht mehr vorhanden.

Als ich mir 3mal hintereinander die gleiche Teleshopping-Show ansah und jedes Mal mitgeteilt bekam, das Produkt sei bald ausverkauft, dachte ich, es handelt sich bestimmt um einen Fehler. Ich erkannte, dass man hier nur mit Limits und einem begrenzten Warenangebot spielte, um die Käufer zum Kauf zu drängen. Ein halbes Jahr später gab es die Produkte immer noch zum selben Preis, natürlich streng limitiert und sofort ausverkauft. Hier muss man sich überlegen, ob man das Zeug wirklich braucht, oder ob man es nur haben will, weil es bald nicht mehr erhältlich sein könnte.

Der Lifestyle Ernährungsberater boomt

Jedes Lebewesen weiss, wie es sich ernähren muss, nur der Mensch braucht einen Ernährungsberater. Wir wissen oft nicht, was gesundes Essen ist, weil wir aus einer enormen Vielfalt schöpfen können, wenn wir durch den Supermarkt schlendern. Und da in vielen Produkten versteckter Zucker und versteckte Fette enthalten sind, müssen wir uns beraten lassen.

Selbst ich bin schon auf Produkte hereingefallen, die mir eine schlanke Linie versprachen, aber als ich sie konsumierte, legte sich das versteckte Fett auf meine Hüften und begann zu wuchern. Ich kaufte einen Biojoghurt, der Aloevera, Granatapfel und Ananas beherbergte. Daneben begrub er Zucker, Aromen und Fette unter der Aloevera-Schicht. Ich frass vier Joghurts am Tag, denn ich genoss jeden einzelnen, sodass aus dem Essen ein regelrechtes Fressen wurde. Nach drei Wochen fühlte ich mich unwohl, mein Magen rumorte, mein Darm warf Blasen, irrtümlich gelagerte Gase steckten im Dickdarm fest, und ich wog zwei Kilos mehr als vorher. Gott sei Dank führte mein Lieblingsladen diesen Biojoghurt nicht lange im Sortiment, sonst hätte ich mich daran zu Tode gefressen. Ich könnte schwören, es sind immer die vorrangig leckeren Produkte, welche boomen, weil wir sie so gerne essen. Sie sind jedoch nicht gesund.

Der Lifestyle- und Modeberater boomt

Ein Lifestyle-Berater boomt, denn er stylt unser gesamtes Leben, sodass wir uns um nichts zu kümmern brauchen, ausser um uns selbst. Er koordiniert unsere persönlichen Termine, knüpft Kontakte auf unseren sozialen Plattformen, postet und chattet für uns, pflegt unsere Internetauftritte, sorgt für unser gutes Image, besorgt uns Lebensmittel, und er bespasst uns, falls uns langweilig ist, weil wir nichts mehr selber machen.

Als ich das Berufsbild des Lifestyle Beraters für mich entdeckte, dachte ich, ich werde einfach mein eigener Lifestyle-Coach, dann spare ich viel Geld. Seither pflege ich mein tief gesunkenes Image, chatte und poste auf den sozialen Netzwerken selber, pflege meinen schlechten Ruf und hoffe, es möge niemanden stören, dass ich seine Privatsphäre störe. Ich neige nämlich dazu, über Menschen zu schreiben, die mir entweder auf dem Herzen oder im Magen liegen, und wenn sich dann diese Leute im Internet entdecken, weil sie Ego-Googeln und nach sich selbst im Netz suchen, lesen sie alles, was ihr Ego begehrt. Nur meine eigenen Freunde suche ich mir nicht selbst aus, die sucht mein Social-Media-Berater für mich aus, damit ich nicht auf jeden dahergelaufenen Kerl hereinfalle, denn ich habe ein Händchen für Leute, die ein dickes Ego mit sich schleppen.

Neben dem Lifestyle-Coach boomt der Stylingberater. Jedes Lebewesen, sogar der bunteste, schrillste Vogel weiss, wie es sich stylen und kleiden soll, weil es nichts zum Anziehen hat. Der Mensch hat auch nichts zum Anziehen, obwohl er vor dem vollen Kleiderschrank steht. Und da wir uns in einer enormen Vielfalt an Klamotten und Mode befinden, brauchen wir einen Modeberater, der uns stilsicher und individuell kleidet. Er weiss, was zu uns passt, auch wenn wir in manchen Outfits aussehen, als ob wir aus dem Farbtopf gekrochen kämen.

Der Mode- und Stylingberater boomt deshalb, weil er inmitten tausender Styles, Designs und Farbkombinationen einen personalisierten, individuellen Style herauskramen muss, der die Persönlichkeit in den Fokus rückt. Hätten wir die Vielfalt an Klamotten, Fastfashion und Billigwaren nicht, müssten wir nicht aus dem Übervollen schöpfen und könnten entspannt unsere Freizeit geniessen. Ich würde ja versehentlich mein Geld einem Freizeittrainer hinterher werfen und hoffen, er möge mich bespassen.

Der Lifestyle-Shopping-Automat boomt

Sonnenbrillen aus dem Shopping-Automaten boomenEin trendig hipper Lifestyle Boom sind die Shopping-Automaten, welche man auch um Mitternacht bedienen kann. Wenn Sie sich als Händler für einen mobilen, dauerhaft geöffneten Shop aus dem Automaten entscheiden, entfällt der Nachteil der begrenzten Öffnungszeiten. Man ist heute mobil unterwegs, benötigt nicht unbedingt viel Beratung, denn die holt man sich aus dem Internet, aber man braucht jederzeit Zugriff auf das volle Sortiment, auch notfalls um Mitternacht. Und so spriessen die ersten Shoppingautomaten aus dem Boden des kommerziellen Geschehens.

Wo man früher höchstens seinen Kaffee konsumiert hat, kauft man heute die Ballerinas aus dem Ballerina Automaten. Und wenn Sie Ihren Computer zu Hause vergessen haben, drücken Sie sich einfach ein neues Netbook aus dem Automaten heraus, die persönlichen Daten holen Sie sich ohnehin aus dem Facebook Account oder aus der öffentlichen Cloud. Die Tablets boomen, und in den USA kann man sie bereits aus dem Automaten fischen, ohne dass man hierfür extra eine teure Markenware ansteuern muss.

Der Kunde liebt Flexibilität, und der Händler muss darauf achten, dass sein mobiler Shop jederzeit prall gefüllt ist und ordentlich gewartet wird. Hierzu zählen Sauberkeit bei Ernährung, Funktionstauglichkeit, ein bequemes Bezahlsystem mit Bargeld und Kreditkarte, und der mobile Shop muss ansprechend aussehen. Veraltete, versüffte Automaten steuert niemand an, denn sie symbolisieren höchstens die romantische Idylle eines verlassenen Bahnhofs, den man früher nutzte, um seinen Coffee to go in reinster Einsamkeit zu trinken, bevor man in den Zug stieg und davon fuhr.

Bio- und Ökoshops boomen

Ein nachhaltiger Lifestyle Boom sind Bio- und Ökoshops. Wenn wir einkaufen gehen, dann achten wir zuerst auf unser Wohl. Viele Menschen denken dabei an das Wohl ihrer Geldbörse. Ist das auch das Richtige für uns und unser Leben? Jetzt geht der Trend hin zu Öko Shopping. Wir kaufen deshalb lieber natürliche Lebensmittel, ökologische Produkte und Bioprodukte. Die Umwelt atmet langsam wieder auf.

Achten Sie einmal gezielt darauf, was Sie einkaufen. Welches Obst und Gemüse konsumieren Sie? Sind Ihre Frühstückseier von glücklichen Hennen aus biologischer Freilandhaltung? Wie sieht es in Ihrem Kleiderschrank aus? Kaufen Sie einmal bewusst natürliche Produkte ein. Sie werden merken, dass sich im Laufe der Zeit Ihr Körper und sogar Ihr Körpergeruch zum Positiven hin verändern.

Natürliche Substanzen lassen unsere Haut von innen und aussen leichter atmen. Genauso sieht es bei der Kleidung aus. Auf die Qualität der Kleidung kommt es an. Wenn die Naht am T-Shirt schon im Geschäft fast reisst, wie sieht das Teil nach dem ersten Besuch in der Waschmaschine aus? Auch manche Labels bieten nur den guten Namen und sonst nichts.

Wenn Sie sich als Händler für einen Bioladen entscheiden, liegen Sie perfekt im Trend der Zeit. Das Sortiment muss unverpackt sein, Obst und Gemüse dürfen nicht in Plastikfolie eingewickelt sein, die Tüten müssen aus Stoff oder Papier gefertigt sein, und die Bedienung muss über das Sortiment Bescheid wissen. Kunden, die sich für Bio entscheiden, möchten auch gerne mehr über die Produkte erfahren, wie und wo sie angebaut werden, welche Transportwege sie hinter sich haben, und wie nachhaltig sie produziert wurden. Jegliche Art von Chemie hat in einem Bioladen nichts verloren, und trotzdem muss er modern und anschaulich sein.

Ein Mühlrad in der Brotabteilung, ein Aquarium in der Fischabteilung, und kleine Bäume in der Obstabteilung sind beispielsweise gelungene Hingucker, die dem Kunden ein angenehmes Ambiente versprechen. Auch Vogelgezwitscher und Naturtöne bieten dem Bioladen einen einladenden Natur-Touch.

 


Elisabeth Putz

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