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Die narzisstische Mutter und ihre Macht

Die narzisstische Mutter ist wie eine TrauerweideEs gibt Narzissen, in deren näherer Umgebung keine weitere Pflanze gedeiht. Es gibt auch narzisstische Mütter, in deren Nähe kein Kind gedeiht. Die Anzeichen dafür, dass eine Mutter narzisstische Züge hat, sind jedoch nicht eindeutig erkennbar, weil es so viele sind und nur einige davon ausreichen, um dem Narzissmus zugeordnet zu werden. Beispiele für narzisstische Züge sind: Egoismus, übertriebener Schönheitsdrang, ständig im Mittelpunkt stehen zu müssen, Missgunst, sarkastische Äusserungen, ein Kind den anderen Kindern vorziehen und ein sogenanntes Goldkind daraus zu machen, den Kindern nichts gönnen, die eigenen Kinder öffentlich dehmütigen und klein halten, Krankheiten vortäuschen, mit dem eigenen Tod drohen, Perfektion von sich selbst und seinen Kindern verlangen, lügen um besser dazustehen.

Narzissmus ist eine Art Charaktereigenschaft, eine Persönlichkeitsstörung. Die weibliche Narzisstin neigt dazu, depressiv bis aggressiv zu sein, sich selber wertmindernd darzustellen, damit sie von anderen hochgehoben und aufgepeppelt wird, und sie kann sich auch durchaus zurückziehen, damit die anderen sich um sie scharren und sie ermutigen.

Als ich ein Kind war, schrieb ich gleich in der 1. Klasse den schulbesten Aufsatz und war mächtig stolz auf meine Leistung. Meine Mutter ging in die Schule und meinte zu meiner Lehrerin, sie sollte mir lieber nicht so gute Noten geben, die anderen Schüler hätten diese Noten verdient. Ich sass daneben und schnürte meine Schuhsenkel zu, aber als ich hörte, was meine Mutter zu meiner Lehrerin sagte, schnürte es mir auch gleichzeitig den Hals zu. Und als ich in der letzten Stufe der Grundschule auch noch lauter 1en mit nach Hause brachte, meinte meine Mutter, ich sollte meine Noten nicht jedem herzeigen, aus mir kann nichts werden, sie ist gestraft mit mir. Als eine meiner Freundinnen ihr Zeugnis mit richtig schlechten Noten herzeigte, meinte meine Mutter, aus dem Kind wird einmal etwas Grossartiges, weil aus gesunden Kindern immer etwas Tolles wird. Komisch, ich empfand mich nicht als krank. Ausser meinen aussergewöhnlichen, fast wxotischen Augen war alles in Ordnung mit mir.

Kinder narzisstischer Mütter haben wirklich kein leichtes Leben, denn sie werden lebenslang daran scheitern, ihre Mutter umzuprogrammieren, Liebe zu erbetteln oder geachtet zu werden. Man kann sich beruflich, kreativ, partnerschaftlich, sozial, in allen Bereichen des Lebens noch so anstrengen, einer narzisstischen Mutter wird man es nie rechtmachen, da Narzissmus nicht heilbar ist. Und so haben diese Kinder nur eine Chance, im Leben glücklich zu werden, von der eigenen Mutter Abstand zu halten, im Notfall den Kontakt einzuschränken oder ganz abzubrechen, und im Bewusstsein zu leben, dass das eigene Leben trotzdem gelingt, erfolgreich ist und man es selber geschafft hat, das Leben zu geniessen.

Als ich mir von meinem Taschengeld eine weisse Hose samt weissem Top kaufte, meinte meine Mutter, das dürfte ich nicht tragen, das darf nur ein Arztkind, oder wenigstens ein gesundes Kind tragen. Und schwups war die Kleidung im Ofen, verheizt, aber dafür hatten wir abends warmes Badewasser. Ich wusste, die Hose ist doch wertvoller als gedacht. Ich nabelte mich nach dieser Aktion ab, hortete meine Kleidung wie meinen exotischen Augapfel, stylte mich um, verliess mit 16 Jahren mein Elternhaus, wohnte in einem eigenen Zimmer in der Stadt, machte mein Abitur und ging nach Deutschland. Bitte, mein Vater unterstützte mich dabei. Trotzdem schleppte ich die Äusserungen meiner Mutter immer mit mir herum, und ich beschäftigte mich zunehmend mehr mit dem Leben, dem Feiern, dem aussergewöhnlichen Schein, als dass ich das reale Sein, mein Studium und meine Weiterbildung wahrnahm. Mir war es, als ob ich etwas nachholen musste, vielleicht meine Jugend. Im Grunde war ich pausenlos auf der Suche nach Liebe, seit ich denken kann.

Als ich an grünem Star erkrankte, weil meine exotischen Augen hierfür ein hohes Risiko beherbergten, meinte meine Mutter, jetzt geht endlich alles seine geordneten Wege, da sie glaubte, ich würde nach Hause kommen und mit ihr zusammen das Haus hüten. Ich entschied mich, mutterseelen alleine in die Schweiz zu fahren, liess mich operieren und lebte noch fünf Jahre im sehenden Zustand weiter, bis ich nach einer verunglückten Augenoperation erblindete. Jetzt war der richtige Moment gekommen. Meine Mutter glaubte, ich könnte als Blinde nicht leben und müsste endlich nach Hause kommen. Sie war fest davon überzeugt, dass mich mein Lebenspartner sofort verlassen würde. Ich entschied mich, alles Nötige zu erlernen, um als Blinde relativ gut zu leben, eröffnete eine neue Firma, arbeitete ab diesem Moment als Autorin und akzeptierte meine exotischen Augen. Meine Mutter sagte, es wäre besser, ich wäre tot als blind.

Wir haben einen innigen Telefonkontakt. Wenn sie ins Telefon hineinschreit und sagt, ich müsste endlich zur Vernunft kommen und zu ihr nach Hause gehen, schreie ich ins Telefon hinein, sie sollte doch endlich einmal neue Schuhe kaufen, sonst geht sie eines Tages barfuss. Die gesamte Nachbarschaft kommt in den Genuss, die tiefsinnigen Gespräche zwischen mir und meiner Mutter mitzulauschen, aber daran haben sich mittlerweile alle gewöhnt. Ich liebe meine Mutter, ich habe nur eine einzige Mutter, und ich werde sie immer lieben. Ich weiss aber auch, dass mein Herz einen dicken Mantel braucht, damit es nicht erfriert, wenn ich in ihrer Nähe bin. Wahrlich, eine Narzisse bringt jegliches Leben rund um sich herum zum Stillstand, da muss man das Weite suchen.

Ich habe unzählige solcher extravaganten Geschichten mit meiner Mutter erlebt. Sie holte mich einst mit Hilfe der Polizei aus dem Urlaub zurück, weil sie es nicht duldete, dass ich einen Partner an meiner Seite hatte. Sie sperrte mich einmal ein, zog mich aus einer Telefonzelle heraus, stopfte mich ins Auto, weil sie nicht wollte, dass ich fernab ihrer Kontrolle mein Studium begann. Sie entkabelte unser Telefon im Haus, wenn ich mit Freundinnen telefonierte. Sie bat andere Leute, mich im Auge zu behalten, auf mich aufzupassen, weil sie meinte, ich würde mein Leben nicht alleine meistern. Sie liess mich beschatten, vergraulte meine Freunde, versteckte meinen Reisepass, und sie schreckte nach meiner Volljährigkeit nicht zurück, mich wie ihr Eigentum zu behandeln. Bitte, so manch ein Mensch entkommt seiner eigenen Haut nicht, er bleibt für immer drin stecken, weil niemand aus seiner Haut kriechen kann. Vielleicht hatte meine Mutter selber schlimme Dinge erlebt, oder vielleicht wollte sie ganz andere Kinder haben? Fakt ist, jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich, und so sollte jeder Mensch auf sich achten, sich distanzieren, wenn Narzissten in seiner Nähe sind, denn nur so kann man dann auch sein Umfeld, seine Mitmenschen und sein eigenes Leben lieben.

Ich habe ein Mutterproblem

Eine Rose hat auch DornenIm Grunde bin ich, wenn ich mich nüchtern betrachte, ein Problemfall, ein reiner Katastrophenfall. In erster Linie leide ich unter Ärzten, die mich behandeln wollen, meine Abwehr spüren und mir deshalb nichts Gutes tun dürfen, weil ich ständig alles Gute ablehne. Schlichtweg, ich habe Angst vorm Arzt.

Neben meinem Arzt-Problem habe ich ein ausgewachsenes Mutterproblem, welches weit über die übliche Nabelschnur hinausreicht. Töchter und Mütter sind im Idealfall wie beste Freundinnen, oder sie sind verfeindete siamesische Zwillinge, die nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander leben können. Und so telefonierte ich täglich ein bis zweimal mit meiner Mutter, lautstark, auch für die Nachbarn hörbar, bis mein guter Ruf darunter litt und ich meine telefonischen Streitgespräche auf meinen Haarewaschtag reduzierte. Der Weg zur eigenen Mutter ist wie ein Canossagang, aber letztendlich befreit er uns von der symbolischen Nabelschnur, wenn man ihn tapfer beschreitet.

Als ich mich das letzte Mal wegen meines Mutterproblems psychologisch beraten liess, fragte ich den Psychotherapeuten: Wie löse ich am besten mein Mutterproblem? Der Therapeut meinte dann erschrocken: Das weiss ich doch nicht. Ich fragte, ob sich Mütter ändern, weil ich auf dieses elitäre Ereignis bereits warte, seit ich ordentlich sprechen und laufen kann. Er meinte: Nein, erfahrungsgemäss ändern sich alte Menschen nicht so schnell. Die Therapie fand Anklang bei mir. Eine ganze Stunde brauchte ich, um mein Mutterproblem zu lösen. Jetzt telefoniere ich mit ihr an meinem Hausputztag, putze das Haus selten und schliesse alle Fenster, damit mein Ruf nicht wieder in Gefahr gerät, wenn ich mit Mama lautstark diskutiere.

Manche Mütter sind egoistische Narzissten, und manche sind einfach nur Mütter, so wie meine. Sie bringt mich zur Verzweiflung, wenn sie sagt, ich solle mir eine warme Unterhose anziehen, weil man in den Stringtangas erfriert. Sie selbst trägt Schuhe mit Löchern, von denen sie sich aus nostalgischen Gründen nicht trennen kann, obwohl bereits der Schuhwurm drin wohnt. Wir sind wie Tag und Nacht, wie Sonne und Mond, und ich tue prinzipiell alles, was sie nicht mag, denn dann weiss ich, dass ich das Richtige tue.


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Elisabeth Putz

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