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Orthorexie - zwanghaft gesund essen

Tomaten vor den AugenUnter Orthorexia nervosa versteht man eine Essstörung, welche sich so äussert, dass die Leute nach gesunden Lebensmitteln gieren. Man mag es kaum glauben, dass es dieses Phänomen gibt, und wenn ich mich nicht selbst dabei ertappen würde, hätte ich gesagt, das ist purer Unsinn. Wie können gesunde Lebensmittel krank machen?

Es funktioniert bei mir folgendermassen, wenn ich nicht aufpasse. Ich begutachte jedes Produkt auf seine Tauglichkeit hin, auf eventuelle Inhaltsstoffe, die nicht natürlich sind, auf Bio Tauglichkeit. So habe ich bereits die gängigen Kaviar Sorten aussortiert, da bleibt dann nicht mehr viel übrig. Man kann so viele Nahrungsmittel weglassen, bis man unter Magersucht oder einseitiger Ernährung leidet.

Als ich nach langem Jammern über meine obligatorischen 5 kg Übergewicht eines Tages mein Traumgewicht von 47 kg erreicht hatte, war ich tot unglücklich darüber, denn mein Körper begann zu kränkeln. Ich ging in den Supermarkt und kaufte mir etwas Anständiges zu essen, damit ich nicht weiter vom Fleisch fiel. Nur von Obst und Gemüse alleine kann der Mensch nicht auf Dauer existieren, er übersäuert und überzuckert dabei.

Ich fing, als ich das Phänomen der Orthorexia nervosa entwickelte, an, mein Brot auf Knäckebrot zu reduzieren, Nudel wegzulassen, Kohlenhydrate wegzulassen, nur noch Gemüse zu essen, und selbst da zweifelte ich an der Bio Tauglichkeit. Da ich jedoch grundsätzlich gerne esse, immer Hunger verspüre, wäre diese Krankheit bei mir nahezu chancenlos, aber manchmal begebe ich mich auf diesen Trip, dann muss ich aufpassen.

Das Syndrom mit der Liebe zum Essen war nicht immer so, denn in meiner Hochblüte der gesunden Ernährung verzichtete ich trotz Hunger aufs Essen und dachte, ich schone meinen Körper vor zu viel ungesunder Nahrung, schütze ihn lieber vor Fett, Zucker und zu vielen Kohlenhydraten. Ich ignorierte meine Schwindelanfälle und war stolz auf mein Untergewicht. Ich ignorierte sogar die erschreckenden Blicke der Leute, wenn ich im Sommer mit meinem Knochengerüst durch die Stadt spazierte. Dafür war ich aber stolz, als mich ein Fotograf auf der Strasse ansprach, der mit mir Bilder machen wollte, weil mein Körper so ungewöhnlich schlank war. Schlimm fand ich nur, dass er mein Gesicht austauschen wollte.

Orthorexia nervosa im Alltag

Wenn ich andere Leute beim Einkaufen beobachte, so sehe ich Menschen, die das gleiche Problem haben wie ich. Sie schauen sich jedes Lebensmittel im Supermarkt genau an und überprüfen es auf eventuelle ungesunde Inhaltsstoffe, legen viele Nahrungsmittel wieder zurück und suchen weiter. Hier kann man das Phänomen der Orthorexia nervosa schön nachvollziehen, auch wenn diese Krankheit im Verborgenen bleibt, weil gesunde Ernährung als hipp gilt.

Ich hatte sogar Probleme bei der Milch, auch wenn ich ein genussreicher Milchtrinker bin. Ich stand im Supermarkt und prüfte die Inhaltsstoffe der Milch. Kalium, Calcium, Magnesium, aber zufrieden war ich immer noch nicht. Ich prüfte, wieviel von jedem Inhaltsstoff vorhanden war und verglich es mit anderen Milchsorten. Wissen Sie eigentlich, wieviel unnötige Zeit ich im Supermarkt mit der Prüfung der Lebensmittel verbrachte? Als ich schliesslich auf Sojamilch umsteigen wollte, die Qualität der Pflanzen und Böden überprüfen wollte, stand sogar vor mir endlich ein signalisierendes Stoppschild, denn man kann wahrlich nicht alles auf seine Biotauglichkeit überprüfen.

Man muss nicht überall zugreifen, hirnlos alles in seinen Einkaufswagen stopfen, was aus den Ladenregalen schreit. Man muss es aber auch nicht übertreiben, bis eine Art Zwang entsteht, der Zwang, sich möglichst gesund zu ernähren.

Manche Mütter haben sogar das Problem, ihre Kinder so vegan wie möglich zu ernähren, damit die Babys bloss keine ungesunden Nährstoffe zu sich nehmen. Die verzichten dann auf die wertvolle Muttermilch, steigen auf Bio-Sojamilch um und bemerken nicht, dass sie ihrem Baby damit mehr schaden als ihm Gutes zu tun. Wissenschaftler wissen aus langjähriger Erfahrung, dass Muttermilch das Beste fürs Baby ist.

Orthorexia nervosa in den Gesundheitsmedien

In den Medien hört, liest und sieht man kaum etwas von dem dahinvegetierenden, schleichenden Krankheitsbild der Orthorexia nervosa. Im Gegenteil, wir werden dazu animiert, uns gesund, quasi überdimensional gesund zu ernähren. Der Inbegriff der neuesten Gesundheit lautet vegane Ernährung, selbst wenn die Pflanze darunter leidet.

Da wir das Vorbild der gesunden Ernährung ständig vor uns haben, prägt sich der reduzierte, vegane Lebensstil in unsere Köpfe ein. Wir verzichten lieber auf Nahrung, als dass wir zu einem nicht ökologischen Produkt auf reinster Pflanzenbasis greifen. Die Konfektionsgrösse Size 0 ist damit gesichert, die notwendigen Körperfunktionen sind aber in Gefahr. Mit ausschliesslich Obst und Gemüse alleine kann sich der Körper übersäuern, und Krankheiten wie Osteoporose und Krebs können sich einschleichen.

Vegane Ernährung, das Achten auf Bioprodukte, die bewusste gesunde Ernährung, dies ist in einem gewissen Ausmass gut für unseren Körper, so lange, bis wir es übertreiben. Wenn wir nur noch Blumensalat aus dem eigenen Garten zu uns nehmen, weil wir keinem fremd produzierten Lebensmittel mehr trauen, verhungern wir im Winter. Glauben Sie mir, ich lernte Menschen kennen, die nahe an dieser stark rreduzierten Ernährungsgrenze dran waren.

Die Folgen von Orthorexia nervosa

Die Folgen dieser Krankheit bemerkt man erst viel zu spät, wenn überhaupt, denn ein Zwang entsteht schleichend. Ich schäme mich manchmal direkt, wenn ich wieder zwanghaft allen Inhaltsstoffen im Supermarkt hinterher laufe, die Lebensmittel pingeligst genau vergleiche und dann mit nichts aus dem Laden gehe, weil ich denke, eine Null-Diät würde meiner Gesundheit gut tun. Ich fühle mich manchmal so dick, dass ich tagelang auf dem Hometrainer verweilen könnte, ohne Nahrung, ohne Schlaf. Dieses Phänomen muss ich abstellen, aber es gelingt mir nicht immer.

Wenn ich Prominente sehe, die in Kinderklamotten hinein passen, fühle ich mich zu dick, dabei bin ich doch schlank genug. Einst lernte ich eine Ana kennen, mit der ich diesen gesunden Magerwahn auslebte. Sie war so einladend, zog mich förmlich in einem Onlineforum an wie die Motten das Licht. Ich dachte, wenn ich meinen Lebensmittelkonsum so reduziere, dass sich nichts Ungesundes mehr darin befindet, kann mein Körper ja nur gesünder und noch schlanker werden. In Wahrheit wurde ich dürr, so dünn, dass sogar mein schönes Dekollete verschwand, da mir die Tops nicht mehr passten und ich in der Kinderabteilung shoppen musste.

Heute weiss ich die Folgen von Orthorexia nervosa zu schätzen. Ich wiege regelmässig bis zu 5 kg zu viel und specke ab. Dies ist für meinen Körper gesünder, da er aus den Reserven schöpfen kann, und nicht vorzeitig schlapp macht. Heute bin ich froh, abspecken zu dürfen, denn zu dünn zu sein, macht mir Angst.

Die Folgen einer so überdurchschnittlichen gesunden Ernährung sind Magersucht, körperliche Schwächeanfälle, Herz-Kreislauf Erkrankungen, Schwindel, Herzrasen, Durchblutungsstörungen, Magenbeschwerden und vieles mehr. Wenn der Körper nicht ausreichend genug Nahrung zu sich nimmt, greift er auf die Substanz zurück und holt sich im äussersten Notfall die Reserven aus den Organen. Bitte, dann ist es oftmals zu spät, um rechtzeitig zu reagieren. Ich ernähre mich jetzt grösstenteils gesund, seit ich weiss, wie ich meinem Körper geschadet habe, aber ich übertreibe nur noch selten.


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Elisabeth Putz

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