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So machen Sie gute Selfies

Oben Ohne SelfieAls Selfie bezeichnet man genau genommen ein per Hand aufgenommenes Video oder geknipstes Foto von sich selber, ein Selbstporträt oder Selbstbildnis. Da die Videoplattformen boomen, geraten reine Bilder irgendwann in den Hintergrund und werden durch Videos ersetzt, denn jedes Handy kann heute filmen wie ein Profi. Auf YouTube boomen die Videos, gefolgt von My Video und Clipfish. Auf Facebook, Twitter und Instagram boomen die Fotos, wobei einige soziale Netzwerke sich speziellen Themen widmen, beispielsweise dem Thema Wohnen und Essen, Beauty und Mode.

Bereits im Jahr 1900 wurden Selbstporträts geschossen, als die Kodak Kamera auf den Markt kam. Man verwendete hierzu einen Spiegel als Hilfestellung. Als die Zeit des Selbstauslösers kam, wurden Selfies damit gemacht. Man wusste jedoch nie so genau, ob man wirklich gezielt auf dem Foto zu sehen war. Mein erstes Bild per Selbstauslöser zeigte nur meinen Hut und die Stirn, alles andere war im unteren Bildrand verschwunden. Im Jahr 2002 erschien in Australien in einem Internetforum das erste Selfie, weshalb diese Art von Ego-Fotos auch australischen Ursprungs entstammt.

Selfies werden auch themenbezogen mit anderen Namensbezeichnungen versehen. So gibt es Drelfies, Fotos von sich selber im besoffenen Zustand. Es gibt Belfies, Bilder vom eigenen Hintern, Welfies, Videos mit wellenförmigen Bewegungen wie ein Walfisch. Es gibt sogar Nudies, Ego Bilder vom eigenen nackten Körper. Bitte, letzteres würde ich nur ins hauseigene, intime Fotoalbum stecken, denn wir so etwas online stellt, ist bald so berühmt wie sein, ihm nacheilender, schlechter Ruf.

Das Wort Selfie ist derart populär geworden, dass es im Jahr 2012 sogar zum meist gesuchten Wort gewählt wurde, quasi zum Unwort des Jahres gekürt wurde. Zwei Drittel aller Frauen und etwas weniger Männer schiessen Selfies in allen Situationen und Varianten des Lebens, stellen diese online und lassen sie von Freunden und Kontakten bewerten. So ist ein neuer Fotomodell Markt entstanden, eine neue Prominenz. Es gibt Leute, die machen ihre Selfies gezielt mit Promis, erhoffen sich dadurch ein Stück Prominenz zu erhaschen und ernten viele likes und shares. Bitte, das Selfie selbst ist so berühmt, dass es als gängiges Wort ins Wörterbuch übernommen wurde.

Haben Sie heute schon ein Selfie von sich gemacht? Die Prominenten machen es uns ja täglich mehrmals vor, da muss man mithalten. Man hält die Kamera irgendwie vor das eigene Ich, macht ein kleines Foto oder Video von sich selber und stellt es auf YouTube, Facebook oder in ein beliebiges soziales Netzwerk. Bitte, man teilt ja sonst auch alles mit seinen Freunden, wieso dann nicht auch das verschlafene Gesicht am Morgen, unausgeschlafen und ungeschminkt.

Selfies vom eigenen Po, den eigenen Füssen, dem eigenen Gesicht, und auch Bilder der eigenen Brust, jawohl, die boomen derzeit. Gefolgt oder besser verfolgt werden sie von Hundevideos und Katzenvideos, die auf YouTube Hochsaison feiern. Mein Gesicht ist morgens nicht fotogen genug, aber ich übe schon fleissig für meinen ersten Po-Selfie-Auftritt, ein Schnappschuss direkt ins Schwarze hinein. Ich lasse einfach die Beleuchtung weg.

Hunde Selfies boomen

Der Hund steht im Mittelpunkt, wenn es nicht der eigene Po oder die eigene Brust sind. Neulich sah ich auf Twitter, dass ein Hund über 100 000 Follower besitzt. Bitte, sogar ein Hund verdient mehr Geld als ich, dachte ich, als ich mir die symbolischen Werbeeinnahmen dieses Hundes durch den Kopf rechnete. Wieviel Hundeeis könnte der Vierbeiner wohl an einem heissen Tag fressen, wenn er so reich ist? Und schon floss der finanziell sich lohnende Gedanke eines eigenen Hundes durch meinen Kopf, denn mit einem eigenen Hundevideo, einem Selfie von Hund und Frau Putz würde mein Twitter Account zum ersten Mal seit langer Zeit zum Leben erwachen.

Wenn man sich zu Selfie Zwecken einen Hund zulegt, bedeutet dies nicht nur Arbeit am eigenen Bild, sondern vor allem Arbeit mit der Tierpflege, denn der Hund will fressen, Gassi gehen und in seinem eigenen Kleiderschrank nach neuen Outfits suchen. Hunde, die auf Selfies glänzen, besitzen nicht nur ein glänzendes Fell, auch die glamouröse Hundejacke sieht entzückend aus. Sir Henry weiss dies zu schätzen.

Belfies - Selfies vom eigenen Po

Wenn man die Linie des guten Geschmacks überschreitet, schiesst man ein Bild vom eigenen Po. Wenn die beiden Pobacken erst einmal im Internet stehen und aus hunderten Bildschirmen und Smartphones lachen, weiss jeder, dass man entweder einen knackigen Po oder einen lahmen Po besitzt. Ich habe die meiste Zeit über, sitzend bedingt, einen Kartoffelpo, und wenn ich ihn brutal auftrainiere, bekommt er eine Apfelpo Form, hart wie eine Nuss. Jetzt weiss ich, warum ich den gewöhnungsbedürftigen Geschmack nicht überschreite und meinen Hintern in die Kamera halte.

Wer mit Po Bildern und Videos vom knusprigen Hintern Geld verdienen möchte, der kann wenn möglich, auf YouTube Pogymnastik anbieten. Die Fitness Videos boomen, wenn der Po in kreisenden, schwingenden und zuckenden Bewegungen im Internet wackelt. Die Besucherzahlen steigen rasant an, denn Pobacken weichen von der normalen Monotonie des Alltagsvideos ab. Wir sind voyeuristisch veranlagt, deshalb boomen Selfies, auf denen Tiere, Haut oder menschliche Körperteile zu sehen sind. Manchmal sind wir nicht nur wie Tiere, manchmal verhalten wir uns auch wie sie, nur mit dem Unterschied, dass sich Tiere nicht selber filmen.

Was passt auf ein Selfie drauf?

Selfies zeigen mit regelmässiger Routine das Gesicht eines Menschen, vergleichbar mit einem Portrait. Oftmals zeigen sie jedoch auch irgendein Körperteil, meist provokant, damit die Aufmerksamkeit der Leute geweckt wird und man auf Facebook ein Like dafür abbekommt. Auf so ein Selfie passt im Grunde auch nicht viel mehr drauf, da man mit der eigenen Hand die Kamera hält und der Arm nicht überlang ist.

Kennen Sie die Selfie-Stange? Man befestigt sie am Smartphone und besitzt automatisch einen längeren Arm, aber diese Stangen sind unhandlich, direkt gefährlich. Jetzt kam eine Digitalkamera auf den Markt, mit der lassen sich Selfies produzieren, auf denen man mehr als nur das Gesicht oder ein Körperteil sieht. Die Kamera lässt sich auf einem Stativ ausfahren, wie ein verlängerter Arm. Wie handlich oder unhandlich sie ist, weiss ich nicht, denn ich knipse nach wie vor nur Augen, Nase und Kussmund. Bitte, so ein Verlängerungsarm ist praktisch, denn damit kann man ohne akrobatische Verrenkungen zu machen, den Po samt seinen zwei Backen fotografieren, damit endlich jeder weiss, zu wem der Hintern gehört. Wahrlich, dem grenzenlosen Narzissmus sind keine Riegel mehr vorgeschoben, das Ego lebt.

Gefährliche Selfies

Die Selfie Kultur artet derart aus, dass man vor lauter Abwechslung nicht mehr weiss, wie man sich gekonnt in Szene setzt. So haben sich kreative Köpfe etwas brand Gefährliches einfallen lassen. Sie filmen sich dabei, wie sie in äusserst gefährlichen Situationen reagieren. Ein Mann schoss ein Selfie, während er sich über eine Autobahnbrücke lehnte, fast wäre er abgestürzt. Ein anderer filmte sich, während er auf dem Dach eines fahrenden Zuges balancierte. Wenn da ein unerwarteter Tunnel naht, ist das Video für die Katz.

Warum machen Leute Selfies in Situationen, in denen sie sterben könnten? Es ist die Gier nach noch mehr likes, shares und Follower im Internet. Man peppt damit seine online Präsenz auf. Das Ego ist unersättlich und schreit nach Situationen, die gefährlich sind. Dieser Boom nimmt irgendwann ein schreckliches Ende, denn Tote werden nicht mehr lebendig. Wer klickt dann noch aufs Selfie? Zu empfehlen sind solche Ego-Videos nicht.

Das geschmacklose Selfie

Im Internet findet man immer wieder Selfies von geschmacklosen Situationen, die nicht für die breite, belustigende Öffentlichkeit im Netz gedacht sind, und auch vollkommen ungeeignet für jegliche Art der Unterhaltung sind. So fand ich einst eine Unfallszene, in der ein Verletzter hilflos am Boden lag. Warum hilft man hier nicht? Warum schiesst man zuerst ein Foto, dreht ein Video und stellt dieses online? Rein moralisch ist dieser Akt bereits verwerflich, und rechtlich ist so etwas strafbar. Der Betroffene, das Unfallopfer, kann zivilrechtliche Schritte einleiten und Schadensersatz fordern. Wer glaubt, dass seine Spuren im Netz nicht mehr nachverfolgbar sind, der irrt gewaltig, denn heute kann man fast jeden User online entlarven.

Food-Selfies - das Essen fotografieren

Selfies, auf denen Nahrung und Essensszenen, Kochrezepte und fertige Gerichte zu finden sind, boomen ebenfalls. Sogenannte Food-Selfies sehen lecker aus und laden zum Mitessen ein. Man testet Lebensmittel und Restaurants, schiesst ein Bild davon oder filmt sich bei der Nahrungsaufnahme. Wer in einem Restaurant ein Foto vom kreativ gedeckten Tisch, vom Ambiente, oder gar vom lecker aussehenden Teller macht, kann mit empfindlichen Strafzahlungen rechnen.

Der Koch ist nämlich Eigentümer seines zubereiteten Menüs und könnte gegen so ein Selfie vorgehen. Der Lokalbesitzer ist Eigentümer seines Ambientes und besitzt somit die Bild- und Video-Rechte. Wer also einfach fremdes Eigentum als Selfie ins Internet lädt, kann sich unter Umständen strafbar machen. Zuerst fragen, am besten schriftlich, dann filmen, falls erlaubt, dann essen und über den satten Bauch streicheln.

Stirbt der Selfie-Stick aus?

Für manche Leute ist so ein Selfie-Stick überlebensnotwendig, während sich andere daran stören. Mit ihm kann man schöne Aufnahmen, Videos und Fotos schiessen, die man per Handy umgehend ins Netz stellt. Jetzt könnte der Stick durch eine Drohne, eine Selfie-Drohne ersetzt werden. Mit der Drohne lassen sich natürlich viel bessere Aufnahmen erzeugen, denn hier ist nicht einmal mehr der Nachbar beim Frühstücken sicher, wenn das Fenster offen ist. Mir ist mein Nachbar heilig, denn ich liebe den Hausfrieden, aber so eine Drohne schaut in jedes Loch hinein, sodass man richtige Paparazzi-Fotos schiessen könnte. Ich kaufe mir ein Handy zum Telefonieren, ohne Bildtelefon, verstecke mich im fensterlosen Bad und gehe erst wieder unter Leute, wenn ich schick genug dafür bin, denn wer weiss, welche Selfie-Drohne mich im Visier hat.

Wie macht man das perfekte Foto?

Früher brauchte man eine ganze Ausbildung für das perfekte Foto. Heute schiesst man Selfies mit dem Smartphone, bearbeitet sie mit einem internen Fotobearbeitungsprogramm direkt am Handy und lädt sie ins Internet hoch. Trotzdem gibt es einige Tipps, die man beachten sollte. Man sollte sich eher seitlich hinstellen, auf die Zehenspitzen stellen, die Arme knapp am Körper halten, das Kinn nicht so krass senken, die Augenbrauen möglichst entspannt halten und nicht übermässig grinsen, dann wird das Foto schmal, dann wirkt man nicht zu dick, und vor allem hat man dann keine Gesichtsfalten. Bei hellem Sonnenlicht sieht man jede Gesichtsfurche, bei Nebel ist das Gesicht eher glatter. Den Bauch sollte man einziehen, und die Brust hervorheben.

Fotografieren sollte man gerade, nicht von oben und nicht von unten, sonst wirkt man zu klein oder unförmig gross. Morgens sehen Fotos besser aus, weil das Licht stimmt. Vor allem sollte man warmes Licht verwenden. Mit einer Strumpfhose kaschiert man schlechte Beine, und mit Funktionsunterwäsche trimmt man einen zu dicken Körper schlanker. Vor allem darf man sich nicht in gekrümmter Haltung fotografieren lassen, sonst sieht man jede Speckfalte. Mit High-Heels streckt man das Bein, Sneakers hingegen machen das Bein kürzer. Ein Doppelkinn vermeidet man, wenn man nicht frontal, sondern von der Seite aus fotografiert, und ausserdem kommt es auf den richtigen Kamerawinkel an, der etwa in Augenhöhe liegen sollte. Ziehen Sie sich bitte eng am Körper liegende Kleidung an, denn mit einem Glockenkleid und breiter Hose sieht man dick aus. Die Farbwahl spielt eine grosse Rolle, da man im gedämpften Licht schlanker und im grellen weissen Licht dicker wirkt. Wer sich neben einer langstieligen, grossen Blume fotografieren lässt, wirkt schlanker. So gelingt das perfekte Foto.


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Elisabeth Putz

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