Der Ball oder auch Tanzball genannt, ist eine Tanzveranstaltung mit Musik, Essen und Trinken, feiner Gesellschaft und einem Motto. Ursprnglich diente eine Ballveranstaltung dazu, um heiratsf„hige Paare zusammenzubringen, um junge Damen und M„nner in die gehobene Gesellschaft der Erwachsenen einzufhren, um zu Sehen und Gesehen zu werden. Er diente sozusagen als Heiratsmarkt, da man ausserhalb des Tanzballs kaum Gelegenheit hatte, jemanden kennenzulernen, der es wrdig war, in den gehobenen Familienkreis aufgenommen zu werden.
Heute dient ein Tanzball dazu, um zu feiern, um in den Medien pr„sent zu sein, um gesch„ftliche Kontakte zu vertiefen, und um den Fasching ausklingen zu lassen. Die Debtantinnen sind jedoch heute noch ein Highlight, welches die pure Aufmerksamkeit auf sich zieht, denn die jungen Damen und Herren sehen bezaubernd in ihrem Balloutfit aus, w„hrend sie mit dem ersten Tanz und einer tollen Korreographie die Veranstaltung er”ffnen.
Ursprnglich nannte man den Ball einfach nur Tanz, was schlicht auf das Tanzen zurckzufhren ist. Aus dem Franz”sischen leitete sich das Wort Ball her, und bis heute spricht man vom Ball, wenn man eine Tanzveranstaltung der elit„ren, gehobenen Art meint. Der traditionelle Ball findet in einem sch”n geschmckten Ballsaal statt, wobei ™sterreich, insbesondere Wien zu den Hauptattraktionen z„hlt. Mehr als 400 gr”ssere B„lle finden j„hrlich in Wien statt.
Die Ballsaison beginnt offiziell im November, erlangt ihren H”hepunkt nach Silvester und dem Dreik”nigstag und endet am Faschingsdienstag, wobei die meisten B„lle zum Ende des Karnevals stattfinden.
Fast jeder Ball beherbergt eine geschlossene Gesellschaft, in die man nur durch eine Einladung oder mit einer Ballkarte gelangt. Karten fr den Wiener Opernball muss man schon lange im Voraus kaufen, sonst sind sie weg. Achtung, nicht jeder bekommt einfach so eine Karte fr den Wiener Opernball oder sonstige gehobene Ballveranstaltungen. Oftmals muss man sich mit mehrmaligen Spenden in diese elit„re Gesellschaft einkaufen, um irgendwann eine Pseudoeinladung zu erhalten. Die wichtige Prominenz darf den Ball jedoch kostenlos besuchen, da sie einen wesentlichen Teil zur gesellschaftlichen Wirtschaftlichkeit beitr„gt. Ich wusste es, die Welt ist ungerecht.
Auf einem Ball ben”tigt man die passende Ballkleidung, welche ursprnglich aus einem luxuri”sen, schwerem Ballkleid fr die Dame und einer traditionellen Uniform fr den Herrn bestand. Lockere Ballgesellschaften drfen durchaus im normalen Abendkleid und im Anzug erscheinen, wobei der Anzug dunkel sein sollte. Bei gehobenen B„llen ist ein Anzug unerwnscht, da hier nur der dunkle Smoking und der Frack in Frage kommen. Auch die gesellschaftlich gehobene Dame sollte niemals im kurzen Kleid erscheinen, sondern artgerecht ein bodenlanges Ballkleid tragen. Luftig lockere Tanzb„lle sind so offen, dass die Frau im Sommerkleid erscheinen darf, was jedoch die reinste Ausnahme darstellt.
Der Tanz steht im Mittelpunkt, deshalb sollte man tanzen lernen. Viele Tanzkurse bieten zudem Benimmregeln an, damit man nicht aus der Reihe tanzt, denn nichts bleibt besser im Ged„chtnis, als der schlechte Eindruck, den man hinterlassen k”nnte. Beim Wiener Opernball sollte man nicht nur den leichten Walzer, sondern auch den Linkswalzer beherrschen. Man darf als Mann keiner Frau einen Tanz verwehren, und man muss als Mann die Dame hofieren, sie begleiten, ihren Partner fr einen Tanz um Erlaubnis fragen, und niemals aufs Kleid treten.
Um zur gehobenen Ballgesellschaft zu geh”ren, muss man entweder prominent oder reich sein, vorzugsweise jedoch beides, denn damit lebt es sich besser. Der Normalverbraucher sieht sich die grossen Ballveranstaltungen im Fernsehen an, die Prominenz ist live dabei und feiert sich vorzugsweise selbst, auch wenn der Ball einem guten Zweck gewidmet ist.
Ich liebe es, gesehen zu werden, denn in den Tiefen meines Egos bin ich ein exhibitionistischer, eitler Pfau, der sich gerne mit gnstigen Federn schmckt, welche teuer aussehen. Ich habe es noch nicht geschafft, in die Creme de la Creme der Gesellschaft eingegliedert zu werden, aber ich be mich in gediegener Bescheidenheit und bewerbe mich j„hrlich fr Karten des elit„ren Neujahrskonzerts.
Die gehobene Gesellschaft verfgt ber elit„re Vernetzungen, ber viel Vitamin B wie Beziehungen, denn man kennt sich, bleibt vorwiegend unter sich und meidet den Fremdkontakt mit nicht standesgem„ssen Normalverbrauchern. Trotzdem w„chst diese Gesellschaft an, weil sich immer mehr finanziell gut betuchte Leute mit grosszgigen Spenden einkaufen. Sobald ich mein Penthouse bewohne, geh”re ich auch dazu, wenn ich das n”tige Kleingeld dafr locker mache. Bis dahin besuche ich den Wirtschaftsball in K”tschach-Mauthen.
Wir unterscheiden spezielle Balltypen, die entweder streng nach der Knigge feiern, oder eher locker und gelassen durch eine Ballnacht rauschen.
Wir unterscheiden den m„nnlichen und den weiblichen Balltyp, wobei ein Tanzball fr die Dame ein berauschendes Event sein kann, w„hrend sich der Mann denkt, hoffentlich ist der Abend bald vorbei. Ein Ball kann n„mlich in Stress ausarten, wenn man nicht tanzen will, und er kann zum Pflichtevent werden, wenn man l„stige gesellschaftliche Pflichten erfllen muss.
Der gehobene Ball passt zur gehobenen Gesellschaft, erfordert einen Hauch an Spiessigkeit, denn man sollte die Knigge im Schlaf beherrschen und die Benimmregeln auch anwenden. Die gehobene Creme de la Creme ist elit„r genug, um durch gute gesellschaftliche Vernetzungen dem Normalverbraucher die Stirn zu bieten und eventuelle gesetzliche Regeln kalt zu berschreiten, denn man kennt sich bestenfalls bis in die h”chsten politischen Kreise hinauf. Ich wusste es, man muss entweder in diese Gesellschaft reich einheiraten oder sich einkaufen, damit man das Leben im freien Fall geniessen kann, denn unten wartet ein weiches Auffangnetz auf einen, wenn man dazugeh”rt.
Der spiessige Ballgast leistet sich teuren Schmuck, teure Ballkleider, edle Ballschuhe und jede Gelegenheit, um auf tollen B„llen pr„sent zu sein. Bereits die Kinder von hochrangigen Gesellschaftstieren lernen frh, sich in die gehobene Ballgesellschaft einzureihen. Ich heirate den reichen ™lscheich aus meinem Traum, dann bin ich ebenfalls up to date.
Der lockere Ballgast bevorzugt die leichte Atmosph„re, scheut die strenge Knigge und tanzt auch im normalen Anzug oder im leichten Sommerkleid. Er zieht nicht unbedingt Smoking, Frack und bodenlanges Ballkleid mit Schleppe und teurem Schmuck an, sondern liebt es luftig locker. Die Dame kommt durchaus auch im kurzen Kleid, damit man ihre sch”n geschwungenen Beine sieht. In meinem knielangen Cocktailkleid kann ich durchaus mit der lockeren Ballgesellschaft mithalten.
Der Ballmuffel meidet Ballveranstaltungen, wo er nur kann. Er meidet den Tanz, steht gerne mit seinem Sektglas umher und baut darauf, dass er nicht zum Tanzen aufgefordert wird. Vorzugsweise ist dieser Ballmuffel m„nnlich, und so frchtet er sich nur vor der Damenwahl. Wenn jedoch ein weiblicher Ballmuffel in der gehobenen Gesellschaft sein Bestes gibt, muss die Dame immer auf der Flucht vor Tanzaufforderungen sein, sp„testens um Mitternacht ihre Migr„ne vort„uschen, und dann schnell nach Hause gehen, damit sie der Veranstaltung entkommt. B„lle k”nnen n„mlich bis 5:00 Uhr morgens andauern.
Auf einem Wirtschaftsball kann man im Anzug samt passendem Stecktuch erscheinen, oder man entscheidet sich fr die gehobenere Variante, den Smoking. Die Dame sollte im schlichten langen Abendkleid erscheinen, denn hier feiern sich die Unternehmer.
Ich sehe es bis heute als meine pers”nliche Pflicht an, ein paar Visitenkarten in meiner Klatschbag zu tragen, denn man weiss nie, welche Gesch„fte sich in so einer Ballnacht anbahnen. Wenn man in die Verlegenheit ger„t, eine wichtige Pers”nlichkeit nicht auf sich aufmerksam machen zu k”nnen, nur weil man keinen bleibenden Eindruck samt Adresse und Telefonnummer hinterl„sst, ist das fast so schlimm wie der Albtraum vom nicht bestandenen Abitur.
Auf einem Wirtschaftsball ist mir schon einiges ber den Weg gelaufen: M„nner im zu klein geratenen Smoking, Frauen im mausgrauen Bro-Outfit, unpassende Krawatten und Stecktcher, Frauen in Minirock und Bluse. Wenn man so richtig unpassend gekleidet ist, steht man entweder als Aussenseiter da, oder man bleibt unvergesslich im Ged„chtnis. Auf jeden Fall sind Wirtschaftsb„lle willkommene Ereignisse, um seinem Unternehmerdasein einen gehobenen Touch zu verleihen. Deshalb gehe ich so gerne hin.
Auf einen Sommerball kann man beruhigt in einem nicht so streng aufgezwungenen Outfit erscheinen, der Mann beispielsweise in Anzug, Hemd und Krawatte, die Frau im langen Sommerkleid, in Sandalen mit etwas h”heren Abs„tzen und mit dezentem Blumenschmuck. Man tr„gt leichte Farben, leichte Stoffe, helle Kleidung, denn der Sommer schreit nach Blten und Farbenpracht. Wer im Blumenkleid erscheint, sollte jedoch nicht vergessen, dass es sich trotzdem um einen Ball handelt.
Zur Fete Blanche kommt man in durchgehend weisser Kleidung, zur Fete Noir in ausschliesslich schwarzer Kleidung. Beide Veranstaltungen finden in ™sterreich, in K„rnten am W”rther See statt, kennzeichnen die gute Gesellschaft und stellen ein Medien-Event dar, auf dem man unbedingt pr„sent sein muss, wenn man etwas zu sagen hat. Getanzt wird im ausgelassenen Stil, denn die Tanzknigge w„re hier wahrlich fehl am Platz.
Ein weiterer Sommerball ist der Wiener Sommerball. Dort muss man unbedingt gewesen sein, wenn man sich in der Klatschpresse verewigt sehen m”chte, denn die Fete Imperiale ist wahrlich einen Besuch wert. Man findet dort Pferde mit vier Beinen, Pferde mit zwei Beinen, feiernde weibliche Sch”nheiten und widerwillig m„nnliche Dekorationen auf zwei Beinen. Da der Wiener Sommerball unter dem Motto der Lipizzaner Pferde steht, w„re es makaber, wenn man sich nachher eine Pferdeleberk„se-Semmel g”nnen wrde.