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Vernissage oder Finissage - Wo feiert man besser?

Sekt und H„ppchen fr die VernissageWas eine Vernissage ist, das wissen wir ja allgemein. Man geht hin, freut sich auf das leckere Buffet und den abgestandenen Sekt, aber man trinkt ihn trotzdem gerne, denn damit rutschen die Br”tchen einfach besser magenabw„rts und werden unterhaltsamer. Und wehe, das Buffet f„llt zu mager aus, dann gehen wir entt„uscht und hungrig nach Hause. Habe ich etwas vergessen? Ach ja, die Kunst, bitte sehen Sie sich die Kunst an, oder tun Sie so, als ob Sie ann„hernd daran interessiert w„ren, das putscht das Image des Knstlers auf, dann bleiben seine Nasenschleimh„ute l„nger in Takt, denn dann braucht er weniger von den sonstigen Hilfsmitteln, die sein inneres Image aufpeppen.

Ich ging ja unter anderem auf Vernissagen, um reiche Leute kennenzulernen. Da stand ich einmal volle drei Stunden mit einem gut aussehenden Herrn vor einem Stillleben und unterhielt mich ber jede kleinste Regung auf diesem Bild. Ich war schon ganz erregt vom Gespr„ch, bis ich bemerkte, dass der Herr aus dem selben Grund da war wie meiner es war, n„mlich um reiche Frauen kennenzulernen. Bitte, wir bemerkten unsere gegenseitige Geldgier noch rechtzeitig, denn ich vermute, wenn wir uns noch l„nger gegenseitig bearbeitet h„tten, w„ren wir vor dem Stillleben eingeschlafen.

So schliefen wir wenigstens im Bett, er in seinem und ich in meinem, denn wir hatten vor lauter finanzieller Absicht vergessen, die zwischenmenschliche Chemie zu testen. Naja, es kommt bestimmt eine andere Tante fr ihn, und fr mich ein rstiger Opa, der frher Bankdirektor war, dachte ich. šbrigens habe ich auf Vernissagen viele dieser Kunstbegeisterten kennengelernt, die ausschliesslich wegen der Atmosph„re kamen und von Kunst nichts verstanden, ich habe einen geschulten Blick dafr entworfen.

Bitte, was ist eine Finissage? Als ich das letzte Mal auf einer Finissage war, setzte ich mich mit meinem neu erworbenen goldenen Kostm von Zara direkt neben die Zwiebelbrote. Nein, bei diesem Geruch beisst niemand an, nicht einmal ein Vampir, dachte ich. Die Kunst, die ich mir zum Ziel mache, ist jene, dass ich mit weniger Geld so ein schillerndes Outfit finde, dass man versehentlich glaubt, ich h„tte mehr Geld. Da f„llt mir ein, damit komme ich dann wieder an Meinesgleichen, an Herren mit weniger Geld, welche auf der Suche nach Frauen mit mehr Geld sind. Was bin ich froh, dass ich meinen Lebenspartner habe, von Beruf Banker, fast wie Meinesgleichen, spiessig und arrogant. Jawohl, ich liebe es.

šbrigens, bei einer Finissage feiert man die Kunstausstellung zu Ende, weil man der festen šberzeugung ist, dass man noch nicht genug gefeiert hat. Finissagen laufen deshalb etwas kleiner, in einem intimeren, direkt famili„ren Rahmen ab. Zum Glck war ich bei meiner letzten Finissage so erk„ltet, dass ich die Zwiebelbrote erst eine Woche danach auf meiner Kleidung roch, obwohl sie im Wintergarten zur beidseitigen Belftung am offenen Fenster hing. Und wenn ich dies hier geschrieben habe, berkommt mich das schleichend leise Gefhl, meine letzte Finissage wird nicht meine letzte sein.

Wenn Sie demn„chst wieder einmal nichts Besseres zu tun haben, besuchen Sie eine Kunstausstellung und gehen Sie gleich zur Vernissage, zur Er”ffnung. Man geht da ja nicht ausschliesslich hin, weil man die Kunst sehen m”chte, sondern um zu sehen und gesehen zu werden. Deshalb werfen Sie sich bitte gleich in eine aufregende Abendgarderobe, denn die Robe muss stimmen.

Vielleicht ist die Presse anwesend und fotografiert genau Sie. Stellen Sie sich vor, Sie lachen in Ihrem ausgewaschenen Lieblingspullover aus der Tageszeitung heraus. Eine meiner ehemaligen Mitschlerinnen grinste aus den K”tschach-Mauthner Nachrichten mit einem zu eng gewordenen T-Shirt heraus. Ich dachte, sie tr„gt einen breiten schweinchenfarbenen Grtel, dabei war es bloss ihr Bauch, der unter dem T-Shirt herausblitzte.

Ich sage Ihnen, wenn die Oberteile zu eng werden, verlieren sie automatisch an L„nge, die werden krzer als man es m”chte. Wenn Sie, lieber Besucher, sich jetzt gut fr die Vernissage gestylt haben, kommen Sie bestimmt auch wegen dem Essen zur Veranstaltung. Bitte beeilen Sie sich und jonglieren nicht mit der Pnktlichkeit, denn wer unpnktlich erscheint, muss die Kunst mit leerem Magen ertragen.

Sie ahnen ja nicht, wie schnell so ein Buffet verspeist ist. Da kenne ich Leute, die greifen mehrmals hintereinander zu, wenn es etwas gratis zu futtern gibt. Ich kenne mich doch am besten! Planen Sie ein wenig Zeit ein, wenn Sie sich auf eine Vernissage begeben, denn Sie k”nnen nicht quer durchs Buffet schlendern, ein kurzes Hallo in die Menge werfen und mit vollem Magen die Veranstaltung wieder verlassen.

Das ist unh”flich. Sie fragen sich jetzt bestimmt, was nach dem Buffet noch Grossartiges folgen sollte? Denken Sie an die vielen Kontakte, die Sie auf so einer Er”ffnungsfeier knpfen und auffrischen k”nnen. Wenn ein ™sterreicher sagt, wir mssen uns unbedingt einmal treffen, k”nnen Sie sich beruhigt zurcklehnen, denn der Kaffeeklatsch kommt nie zu Stande. Aber wenigstens war man miteinander im Gespr„ch und hat seine Visitenkarten ausgetauscht.

Auf meinen Visitenkarten steht an erster Stelle meine Website, denn da soll das Laufpublikum hin, den Kaffee trinke ich gerne alleine, denn den trinken mir ohnehin gute Freunde morgens vor der Nase weg. Sichern Sie sich Kontakte, ich mache das sogar auf Xing, ohne grossartig zu kommunizieren. Neulich schrieb mir jemand, warum ich nichts Verbales hinterlasse, wenn ich Kontakte anstrebe. Nun, was will er lesen?

Miteinander in den Smalltalk zu verfallen, k”nnen wir immer noch, wenn wir uns gegenseitig kennengelernt haben und derjenige meine Website besucht hat. Kontakte kann man immer brauchen, deshalb scheuen Sie sich nicht, Menschen anzusprechen, auf Menschen zuzugehen, denn auf der Vernissage sollten Sie anders als bei Xing, doch den Mund aufmachen und ein W”rtchen sagen.

Und was kommt jetzt noch? Natrlich die Kunst an sich. Tun Sie wenigstens so, als wrde Ihnen die Ausstellung gefallen, denn das Buffet war ja auch lecker, zumindest war es gratis, und wenn man hungrig ist, schmeckt alles ein wenig besser. Wenn Sie jetzt regelm„ssig auf Vernissagen gehen, erweitern Sie Ihr Netzwerk und haben fr jedes Ihrer Projekte oder Probleme wenigstens eine Visitenkarte zur Hand. šbrigens k”nnen Sie sich ein Etui fr die gesammelten Visitenkarten zulegen, dann finden Sie alle wieder.

Die Finissage zum Weiterfeiern

Wenn eine Kunstausstellung er”ffnet wird, muss man sie auch wieder schliessen. Wenn Sie eine Schachtel Pralinen ”ffnen, essen Sie zuerst die besten und leckersten Pralinen heraus, schliessen die Schachtel wieder und denken selten an den Rest, der sich noch im Sch„chtelchen befindet. So ist es mit der Kunstausstellung. Wenn die Leckerh„ppchen der Kunstwerke den Besitzer gewechselt und ein neues Zuhause gefunden haben, muss dafr gesorgt werden, dass der Rest unter Umst„nden noch einen Liebhaber findet.

Wenn man ber 30 oder bittesch”n schon ber 40 Jahre alt ist, muss man auch auf die Oldie Parties gehen, damit man unter gnstigen Voraussetzungen, gegebenenfalls unter besonders schwacher Beleuchtung, einen neuen Lebenspartner erwischt. Es kann sich eben nicht jeder Mensch einen guten Sch”nheitschirurgen leisten, zumal heutzutage keine gravierenden Enthauptungen mehr vorgenommen werden, was aber glcklicherweise die šberlebenschancen erh”ht.

Lieber Besucher, gehen Sie doch bitte auch auf die Finissage, denn auch dort treffen Sie auf aufgeschlossene Kontakte und auf ein Buffet. Fr beides brauchen Sie nichts zu bezahlen. Gut, fr neue Kontakte bezahlen Sie vielleicht mit Zeit, die Ihnen fehlt, wenn die Kontakte l„stig werden, und frs Buffet bezahlen Sie mit einer Magenverstimmung, wenn es nicht lecker genug ausgefallen ist, aber alles ist gratis.

Die Finissage kann man auch dazu nutzen, um ein Schn„ppchen in der Kunst zu machen. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein gnstiges Bild, bevor der Knstler berhmt wird. Als ich noch Knstler vermittelte, sah ich mir die grossen, verstorbenen Knstler an. Eine meiner Knstlerinnen wollte auch diesen ganz besonderen Ruhm, aber dafr k”nnen wir sie ja wahrlich schlecht sterben lassen.

Heute hat Sie sich bereits einen kleinen Namen in der Kunstwelt gemacht, der immer gr”ssere Ausmasse annimmt, und ich besitze ein Bild von ihr. Lieber Besucher, Sie sehen schon, auch die Finissage ist ein wichtiges kulturelles Event und nicht nur der Rest vom guten Kuchen. Da f„llt mir ein, neulich ist ein Schokoladenhase von Ostern brig geblieben. Fragen Sie mich nicht, wie der berleben konnte, vermutlich muss er erst sterben, um berhmt zu werden. Den suche ich jetzt, damit ich ihm ein richtig tolles Denkmal aus reinster Berhmtheit setzen kann, wenn ich ihn verspeise.

Vernissagen und Finissagen ersetzen fast jeden Restaurant-Besuch

Lieber Besucher, wenn Sie gerade hungrig sind und ein wenig Durst mitgebracht haben, sparen Sie sich das teure Restaurant, denn bei der Vernissage gibt es das kulinarische Buffet mit gesellschaftlicher Unterhaltung. Wenn Sie dann noch hungrig sind, trinken Sie noch ein Glas Champagner, denn die darin enthaltenen Trauben stopfen unter anderem auch den Magen.

Und wenn Sie dann noch hungrig sind, feiern Sie auf der Finissage weiter, denn so eine Kunstausstellung muss ja auch mit Pauken und Trompeten beendet werden. Wer hinter den Journalisten her ist wie das schlechte Geld, der darf sich eine Vernissage nicht durch die Finger gehen lassen, denn hier lernt man immer wichtige Leute kennen.

Wenn Sie nicht gerade einen Kritiker oder Journalisten pers”nlich kennen lernen, begegnen Sie auf jeden Fall jemandem, der wieder jemanden aus den Medien kennt. Nur den Mund zur ungezwungenen Kommunikation mssen Sie noch selbst aufmachen.

Das Buffet auf Vernissagen liegt im Trend

Neulich war ich auf einer Vernissage und hielt automatisch nach dem Buffet Ausschau, denn auch das ist Kunst. Ich habe mich schon immer darber gewundert, dass das Buffet auf jeder Vernissage leer ist, bevor die Kunstwerke verkauft sind. Wenn man es autistisch genau nimmt, kommt man glatt auf die Idee, das Buffet w„re der Mittelpunkt einer Kunstausstellung. Kein Wunder rcken die Knstler immer in den seitlich so schwer erkennbaren Hintergrund, wenn sich das Buffet im Raum breit macht. Andererseits muss man direkt froh sein, wenn das Buffet leergegessen ist, denn dann sieht man auch den Knstler hinter den Schinkenr”llchen und den leckeren Lachsh„ppchen wieder.

Wie kann sich nun ein Knstler ins Rampenlicht stellen, um nicht hinter dem Buffet versehentlich vergessen oder noch schlimmer verspeist zu werden? Sind Sie zuf„llig Knstler? Dann haben Sie bereits bemerkt, dass ein bisschen malen und gestalten nicht ausreicht, um sich einen Namen der Unvergessenheit in die K”pfe der Menschen zu meisseln. Mit Hammer und Meissel alleine schaffen Sie zwar ein prunkvolles Kunstwerk, aber fr Ihren prunkvoll verzierten Namen ben”tigen Sie die Medien. Ich schw”re, jeder noch so kleinste Radiosender ist mehr wert als gar keine ™ffentlichkeit. Am Buffet tummeln sich die Journalisten, Galeristen und Interessenten. Der Knstler sollte hier die Chance nutzen, sich ein Glas Champagner schnappen, sich Mut antrinken und auf die Medienleute zugehen. Mit Introvertiertheit verblasst man nur im eigenen Atelier.

Einst vermarktete ich eine Knstlerin, die meinte, mein eingeladener Radiosender w„re zu klein. Auch gut, dachte ich, dann laden wir ihn eben wieder aus und er”ffnen die Kunstausstellung als Geheimtipp. Sie ahnen nicht, wie schnell die Knstlerin den kleinen Radiosender zu sch„tzen wusste.

 


Elisabeth Putz

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