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Wie trauert man richtig?

Jeder Mensch trauert individuell und unterschiedlich lange, da es ein Aufarbeitungsprozess der Seele ist. Die Trauer ist eine schlimme Herzensangelegenheit, bei welcher die Seele tief verletzt ist. Und damit unsere Seele wieder gesund ist, müssen wir trauern dürfen. Viele Menschen trauern nur kurz, oberflächlich, gehen dann zum geordneten Alltag über, und plötzlich, nach Jahren kommt die Trauer wieder hoch. Solche post-traumatischen Verhältnisse, Erfahrungen und Erlebnisse können uns krank machen, den Alltag auf den Kopf stellen, uns an eine Burnout-Klinik fesseln, oder sie können hilfreich sein, damit man den unsichtbaren, verdrängten, tief im Inneren sitzenden Schmerz endlich einmal behandelt und auskuriert.

Als mein Bruder starb, war ich 13. Ich durfte nicht trauern, weil dies für meine Familie eine Unsitte war. Ich musste funktionieren, musste einen Tag nach seinem Tod wieder zur Schule gehen, und einer meiner Brüder meinte, wenn ich jetzt heule und mich zurückziehe, schiebt man mich in die Psychiatrie ab, aus welcher ich nie wieder herauskommen würde. Ich schluckte meine Tränen hinunter, ging zur Schule, versuchte zu lernen, aber ich ertrug das Gelächter der anderen Schüler nicht. In den Pausen suchte ich Zuflucht am Klo, denn dort konnte ich leise in mich hineinheulen. Nach der Schule ging ich in den Wald und heulte weiter, aber meine Trauer durfte ich niemandem zeigen.

Mein Vater brach eines Tages zusammen und ging auf Kur. Und meine Mutter sagte zu mir: Warum bist nicht du gestorben, warum ist dein Bruder gestorben, er hatte das ganze Leben vor sich. Ich ging einkaufen, besorgte die Lebensmittel, stumpfte ab, erlor fast alle meine Frreunde, und ich war einsam. Und wenn man meine Familie und dessen Familienverhältnisse kennt, dann weiss man, das war ganz normal.

Die Leute gaben mir am Friedhof die Hand, kondulierten, umarmten meine Eltern, aber mich umarmte niemand. Nach drei Monaten kondulierten mir immer noch Leute, sogar durchs offene Autofenster, wenn ich im Wagen sass und auf meinen Vater wartete. Nach einem Jahr gewöhnte ich mir eine Art Galgenhumor an, der mich vor Schlimmerem bewahrte, beendete die Schule, ging aufs Gymnasium, verliess meinen Heimatort, so schnell ich konnte, und so schnell mich meine Füsse trugen, und ich kam nie wieder zurück, bis heute nicht. Hin und wieder besuche ich meinen Bruder am Familiengrab, in welchem bereits die nächsten Familienmitglieder liegen, aber ich durchschreite meinen Heimatort niemals mehr, nicht ohne meinen Anwalt.

Meine nicht ausgelebte Trauer begleitete mich durch mein Leben, bis jetzt, denn heute schreibe ich diesen iefen Schmerz nieder. Ich war eine ausgezeichnete Schülerin, hatte nur 1er im Zeugnis, bis zum Tod meines Bruders, danach sackte ich notenmässig ab, aber das kümmerte weder meine Familie, noch meine Lehrer. Ich machte trotzdem mein Abitur, auch wenn niemand daran glaubte, und ich ging dann meinen Weg. Das Verhältnis zu meiner Mutter und meinem Bruder ist bis heute instabil, kalt, kaum vorhanden, aber trotzdem telefoniere ich oft mit meiner Mutter, weil ich mich irgendwie schuldig fühle, wenn ich es nicht tun würde. Ich zeige ihr die kalte Schulter, lasse ihre Gemeinheiten gefühlskalt an mir abprallen und werfe ihr witzlose Galgensätze entgegen. Neulich meinte sie, aus meinem Cousin Bernd ist ein excellenter Arzt geworden, und aus mir ist nichts geworden. Daraufhin meinte ich, dass ich diese Tatsache in einer meiner nächsten Ratgeber berücksichtigen werde und darüber berichte.

An meinem Beispiel kann man schön sehen, dass auch Kinder und Jugendliche trauern müssen, dass man sie nicht vergessen darf. Wenn ein Kind nicht trauern darf, verkümmert seine Seele im Erwachsenenalter. Und wenn ein Erwachsener nicht trauern darf, kann er eines Tages nicht mehr heulen, wird zum Soziopathen, oder er rennt ständig am Leben vorbei.

Trauer ist eine individuelle Sache, und so sollte jeder so trauern dürfen, wie er es für richtig hält. Manche Leute trauern Jahre, manche sind mit ihrer Trauerarbeit innerhalb weniger Monate fertig. Und es kommt auch darauf an, ob man ein emotionaler oder ein sachlicher Mensch ist, denn die emotionalen Leute brauchen oft mehr Zuspruch.

Trauer im Internet

Ein etwas makaberes Thema ist die Trauer im Internet. Hierfür existieren Internetportale mit virtuellen Friedhöfen, die dazu dienen, von zu Hause aus die Toten zu besuchen und virtuelle Kerzen anzuzünden. Auch Onlineportale, auf denen sich Trauernde austauschen können, damit die Trauerarbeit leichter fällt, sind beliebt. Dies sind wahre Schätze im Internet, denn nicht jeder Mensch will in seiner tiefsten Trauer aus dem Haus gehen. Psychologische Beratungsportale sind auch interessant, denn hier bekommen Betroffene Hilfe. Oft ist die Traurigkeit so schwer zu ertragen, dass man Hilfe braucht, um alles zu überstehen, besonders dann, wenn nahe Angehörige, Kinder, Eltern, Geschwister, enge Freunde und Verwandte versterben.

Wie sieht es aber mit der öffentlichen Trauer auf sozialen Netzwerken aus? Hier übersteigt die Trauerarbeit eine Grenze des guten Geschmacks. Die sozialen Kontakte fühlen sich bedrängt, Kondulenzwünsche zu äussern, es ist alles sehr unpersönlich, und meiner Meinung nach gehört so ein intimes Thema nicht auf Facebook und Co gepostet.

Als ich immer wieder Leute entdeckte, die öffentlich den Tod von Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, dem Chef, sogar fernen Bekannten öffentlich zur Schau stellten und ihre Trauer auf dem Präsentierteller zeigten, wollte ich wissen, was dies für Leute sind. Psychologen sagen, es sind extrovertierte Menschen, die eine gewisse Geltungssucht haben, die Aufmerksamkeit wollen, und durch das Posting geniessen sie die Bemitleidung der Freunde. Manche leben die Kondulenzen richtig rituell aus, antworten auf jeden Kondulenzspruch und zeigen, wie traurig sie sind. Wenn man bedenkt, dass richtige Trauer ein tiefes Schmerzgefühl auslöst, fast wortlos macht, so könnte man die öffentliche Schau-Trauer in den sozialen Netzwerken förmlich als psychische Störung einordnen. Man nötigt hier virtuelle Freunde, Abonnenten und fremde Leser dazu, mitzutrauern, auch wenn man den Toten gar nicht gekannt hat. Eine Psychologin nannte dieses Phänomen Narzissmus. Ich denke, wenn man ehrlich trauert, teilt man seinen Schmerz mit wenigen engen Freunden offline, weil die wirklich traurige Seele öffentliche Posts verabscheut. Und trotzdem denke ich, dass auch die Extrovertierten einen Platz brauchen, um zu trauern. Vielleicht sollten sie jedoch ihre Trauerpostings nur den privaten Freunden im Netz zukommen lassen und nicht alles öffentlich posten.

Mit den Toten sprechen und gemeinsam trauern

Wie kann man mit Toten sprechen, mit geliebten Verstorbenen Kontakt aufnehmen, in Verbindung treten? Es gibt Hilfe, beispielsweise durch ein Medium. Hier muss man allerdings die Spreu vom Weizen trennen, da es Menschen gibt, die als Vermittlermedium arbeiten, jedoch keinerlei Kräfte besitzen, mit den Toten in Kontakt zu treten. Da zahlt man bloss Geld für ein Schauspiel. Es gibt spezielle Smartphones, die dem Verstorbenen mit ins Garb gegeben werden, und man kann mit speziellen Handy-Apps seine Lieben im Jenseits kontaktieren, ihnen die News des Tages erzählen oder sie am irdischen Leben teilhaben lassen. Wer Rituale liebt, für den gibt es spezielle Kontaktrituale, mit denen man die Toten spüren lernt.

Im Death-Cafe darf man trauern

Was ist ein Death-Cafe, und wer trifft sich dort? Es ist ein Kaffeehaus, in welchem sich Trauernde, Hinterbliebene, aber auch ganz unbeteiligte Menschen, die nicht viel mit Verstorbenen zu tun haben, weil sie noch niemanden bestatten mussten, weil in ihrem Leben noch keiner gestorben ist, treffen, um über den Tod zu diskutieren. Hier spricht man offen übers Sterben, über das mögliche Leben nach dem Tod, über die Bestattungsmöglichkeiten und Beerdigungsrituale. Jeder darf zu Wort kommen und sich über den Tod äussern.

Wir bekommen das Leben geschenkt, müssen uns durcharbeiten, durchkämpfen und es erleben oder es durchleben, und der Tod ist einerseits eine Bezahlmethode, denn man bezahlt mit dem Tod fürs Leben, oder er ist andererseits eine Erlösung, denn man wird vom Leben erlöst, je nachdem, wie man es auslegt. Leidende Menschen sehen im Tod oft eine Erlösung, besonders dann, wenn sie Sterbehilfe in Anspruch nehmen. Fröhliche Menschen sehen im Tod eine Bezahlung, denn sie hängen bis zur letzten Minute am irdischen Leben, welches ihnen nur als Leihgabe mitgegeben wurde, und alles Geliehene muss man eines Tages zurückgeben. Übrigens trifft der Tod alle Menschen, früher oder später, und es gibt Menschen, die gönnen anderen selbst im Jenseits keine Ruhe. Es ist nämlich schwierig, einem Mörder, einem Kriminellen, einem Straftäter ein gutes Leben nach dem Tod zu gönnen, wenn man einen Menschen an einen Mörder verloren hat, oder wenn der ärgste Erzfeind verstirbt. Und dennoch gibt es Gott sei Dank viele Menschen, die verzeihen und vergeben können. Sie gönnen jedem Menschen seinen Seelenfrieden, wenn er stirbt. Hass, Verurteilung und Ärger hat noch niemandem etwas Positives gebracht.

Über all diese Themen spricht man in einem Death Cafe, inmitten von Kaffee und Kuchen, mitten in einer ausgelassenen Kaffeehaus-Atmosphäre, welche doch sehr beklemmend wirkt, besonders dann, wenn man tief trauert. So ein Death-Cafe kann eine Seelenreinigung sein, denn in der Gemeinschaft trauert man leichter und ist nachher unbeschwerter. Die schweren Steine gleiten vom Herzen weg und öffnen uns die Tür zu einem neuen Bewusstsein. Man kann leichter loslassen, den Verstorbenen schneller gehen lassen. Übrigens sollte man die Toten wirklich ruhen lassen und nicht krampfhaft mit all seinen Gedanken festhalten. Wer an die Theorie des Lichts am Ende des Totentunnels glaubt, der weiss, dass unsere hartnäckigen, trüben Gedanken die Toten wie Zombies am Leben halten, weil sie nicht ins Licht gehen können. Wer an gar nichts glaubt, ist in der glücklichen Situation, den Tod besser zu akzeptieren, und wer an Gott glaubt, der ahnt, dass das Leben für die Hinterbliebenen weitergeht, weil der Verstorbene einfach schon einmal vorausgegangen ist und im Jenseits geduldig wartet. Auch dies ist eine individuelle Sache, die jeder Mensch für sich selber regeln muss.

Ob man so ein Death-Cafe als Geschmacklosigkeit abtun sollte, bezweifle ich, denn es hilft vielen Menschen, über das Sterben, den Tod, unsere Endlichkeit zu sprechen. Wer schweigend seine Trauer in sich hineinfrisst, beginnt vielleicht im realen Leben auch zu futtern und zu fressen, wird dick und unförmig, verliert den Halt im Leben, zieht sich zurück, igelt sich ein, verliert die Lebenslust und damit viele potentielle Freunde, Bekannte, Wegbegleiter. Er verliert quasi sein eigenes Leben. Und deshalb ist es oft besser, man trauert in der Gemeinschaft, findet Gleichgesinnte, offenherzige und tolerante Menschen, welche die Trauer auch zulassen, denn es gibt nichts Schlimmeres für einen Hinterbliebenen, als die Tatsache, entweder nicht trauern zu können, oder nicht trauern zu dürfen. Ohne ausgelebte Trauer stirbt man selber einen kleinen Tod, und damit ist jetzt nicht der nächtliche Schlaf gemeint, sondern das pure Leben, welches man verliert, wenn man sich nicht mehr freuen kann, weil man nicht getrauert hat.

Das Death-Cafe ist auch eine gute Location für Menschen, die sich mit ihrem eigenen Tod, mit dem Sterben allgemein beschäftigen. Man verliert in der Gemeinschaft die Angst vor dem Tod. Man hört andere Meinungen, erkennt mögliche Chancen, sein Leben besser zu nutzen, und man weiss, man stirbt nicht alleine, alle sterben irgendwann. Im Grunde geht es im Leben darum, das Beste aus seinem Alltag zu machen, das Leben auszukosten, es zu leben, denn wofür ist es uns sonst gegeben worden. Es ist meiner Meinung nach Unsinn, nicht sehr sinnvoll, sein Leben wegzuwerfen, sich einzuigeln und aggressiv bis ängstlich zu sein, den Menschen nicht zu vertrauen, überall das Schlechte zu sehen und nur noch auf sich selbst gestellt zu sein. Solche Menschen sind auch für die Umwelt, für die Mitmenschen schwer zu ertragen, obwohl sie Hilfe bräuchten, aber man distanziert sich von ihnen, weil man ihre Negativität nicht erträgt. Das Leben ist dafür da, gekostet zu werden, denn es schmeckt wie ein Stück vom grossen Kuchen, wie eine Tasse heisser Kaffee, dessen Duft die Nase betört, und so ist ein Death-Cafe ein Stück Leben, ein Tortenstück vom Leben, welches man auch in Zeiten der Trauer kosten darf.

Mit Toten sprechen

Wie tritt man mit Toten in Kontakt, und wie spricht man am besten mit ihnen? Das Neueste am Markt sind Handys, die man als Grabbeigabe in den Sarg des Verstorbenen legt, dann kann man bis zu drei Tagen noch mit dem jeweiligen Toten sprechen.

Einige Leute schwören auf ein Medium, durch welches der Verstorbene mit ihnen spricht. Sie legen oft viel Geld auf den Tisch, um in sogenannten spirituellen Sitzungen ihren Lieben nahe zu kommen. Man fühlt sich wohl, verstanden und geborgen, und so verdienen einige Gurus ihr Geld mit dem Kontakt zu Verstorbenen. Ob dies erstrebenswert ist, weiss ich nicht, denn meine Berufung ist es nicht. Aber es kommt immer darauf an, woran man glaubt, und es kommt darauf an, ob man sich seelisch wohl fühlt, denn Geld ist vergängliche Materie, die im Jenseits keinen Abnehmer mehr findet.

Schlimm wird es erst, wenn man das irdische Geld zum Fenster hinaus wirft, ohne einen Nutzen zu erzielen, dann hätte man es auch armen Leuten spenden können. Und man sollte sich nicht verschulden, um mit seinen Liebsten im Jenseits Kontakt aufzunehmen, denn unsere Seele ist sensibel und verfängt sich leicht in den Fängen der zahlreichen Gurus. Es kommt oft vor, dass man eine enge Bindung zu seinem Medium herstellt, und dann ist man bereit, alles Geld der Welt zu bezahlen.

Laut einer Umfrage hat jeder zweite Deutsche und mehr als die Hälfte der Österreicher Kontakt mit Verstorbenen. Wir glauben in gewisser Weise an das Jenseits, möchten mit unseren Liebsten über den Tod hinaus in Verbindung bleiben und bewältigen so unsere Trauerarbeit.

Mittlerweile gibt es, wie bereits oben erwähnt, ein Handy mit dem Draht ins Jenseits. Mit dem sogenannten himmlischen Handy kann man direkt mit den Verstorbenen telefonieren. Es wird in einer wasserdichten Box unterhalb der Erde in Sargnähe platziert, es hat bis zu einem Jahr Funkkontakt, und man kann damit bis zu 200 Stunden mit den Toten telefonieren. Durch eine spezielle Technik ist dies machbar, und einige Menschen haben damit bereits ihre grossen Verluste nach dem Tod eines nahen Angehörigen bewältigt.

Weiters existiert eine spezielle Handy-App, mit der man Kontakt zu Verstorbenen aufnehmen kann. Auch mit dieser Methode kann man über seinen seelischen Schmerz hinwegkommen. Mit Hilfe der App ist man ständig mit seinen verstorbenen Liebsten in Verbindung, kann ihnen die neuesten Trends, alle irdischen Sorgen, das weitere irdische Leben mitteilen, oder man hält sie politisch, kulturell und gesellschaftlich am Laufenden. Es gibt allerdings Esoteriker und Energetiker, die sagen, das sei nicht gut für die Verstorbenen, denn sie könnten ohnehin nur Schwingungen empfangen und wären überlastet mit der diesseitigen Welt im Jenseits. Bitte, wir wissen es nicht genau, und jeder Verstorbene ist so individuell, wie die Welten und Zwischenwelten eben sind.

Die meisten Leute nehmen laut einer Studie ein menschliches Medium in Anspruch, welches den Kontakt zum Jenseits herstellt. Hier sollte man jedoch vorsichtig sein, denn nicht alle spirituellen Seher und Heiler sind seriös. Manchmal bezahlt man einfach nur viel Geld, denn Trauerarbeit kann schnell zu einem Geschäftsmodell werden und wird dann gerne ausgenutzt. Im trauernden Zustand befindet sich ein Mensch im Ausnahmezustand, sodass er für vieles empfänglich ist. Der Kontakt zu Toten ist aber dennoch durchaus möglich, denn aus zahlreichen Erfahrungsberichten geht hervor, dass der Verstorbene selbst mit den Hinterbliebenen Kontakt aufgenommen hat. Oft muss man sich eben nach dem Tod noch so vieles sagen, wofür ein Leben nicht ausgereicht hat.

Wie trauern Buddhisten?

Im Buddhismus existieren Rituale, bei denen man den Toten sehr nahe kommt, und mental gesehen verarbeitet man hier seine Trauer auf plastische Art und Weise. Man schreibt das Geburtsdatum des Verstorbenen auf ein Blatt Papier, schreibt ein paar nette Gedanken, ein paar liebe Worte dazu, faltet das Papier zu einem Brief, verbrennt das Ganze, und die Asche verstreut man im Wasser, oder man vergräbt sie unter einem Baum. Bitte, es gibt Leute, die tragen die Asche auf den Friedhof und vergraben sie im Grab des geliebten toten Menschen. Und voila, laut buddhistischem Glauben ist damit die Verbindung zu den Toten hergestellt. Sie fühlen sich geehrt, beachtet, geliebt und gelobt. Und mit etwas Glück träumt man dann vom geliebten Menschen, vielleicht in den Wochen nach dem Ritual. Also wenn Sie mich fragen, lieber Besucher, so sieht die real greifbare Angelegenheit folgend aus: Man macht das Ritual, es sitzt somit im Unterbewusstsein fest, wenn man an seinen geliebten, verstorbenen Menschen denkt. Man beschäftigt sich damit, mit dem Toten in Verbindung zu treten, und der Wunsch manifestiert sich unbewusst so stark, dass man eine mögliche Begegnung mit dem Verstorbenen im Traum ausleben darf. Eine Frau erzählte, sie träumte nach so einem Ritual von ihrem verstorbenen Mann, der im Smoking vor ihr stand, zwei Champagnergläser in der Hand haltend, und es wurde dann ein schöner Abend im Traum.

Wie trauern die Mexikaner?

Während wir dem Tod skeptisch gegenüberstehen, ihn betrauern, weil er ein einziger Trauerfall ist und ihm in der Farbe schwarz begegnen, feiern die Mexikaner das Fest der Toten wirklich wie ein Fest. Sie verkleiden sich, essen gezuckerte Totenköpfe und Süssigkeiten, machen auf den Friedhöfen ein Picnic, singen und tanzen, weil sie die Toten verehren und in den Himmel begleiten, rein symbolisch gesehen. In Mexiko geniesst der Tod ein hohes Ansehen und wird nicht mit Traurigkeit versehen. Trotzdem dürfen wir nicht versehentlich glauben, dass Verstorbene bei den Hinterlassenen keine Spuren hinterlassen. Natürlich trauert man auch in Mexiko um seine verstorbenen Lieben, besonders, wenn das Ereignis noch nicht lange her ist und die Wunden der Seele erst heilen müssen. Trauer ist etwas Natürliches, denn es bewegt die Seele, die den Verlust eines Menschen erst verkraften und verarbeiten muss. Wenn ich jedoch an meine längst verstorbene Oma denke, dessen glatt schimmerndes Seidenhaar ich geerbt habe, so gönne ich ihr ein liebevolles, friedliches Plätzchen im Jenseits, werde sie immer in guter Erinnerung im Herzen behalten und wünsche ihr im neuen Leben, wo auch immer, alles Gute. Wenn ich jedoch an die Mutter denke, die vielleicht ein Kind verloren hat, so kann ich den tiefen Schmerz verstehen, hier ist der Tod ein einziges Meer an Traurigkeit, ein wahrer Trauerfall. Der Tod ist eine individuelle Angelegenheit, mit der jeder Mensch ein wenig anders umgeht. Gewiss ist nur, er kostet das Leben.

Grosse Trauer um die Queen

Als die Queen gestorben war, trauerten sämtliche Briten, die halbe Welt, alle Regierungen dieses Planeten, und gleichzeitig feierte man bereits die erste Blüte des neuen Königs. Wenn man sich die Energien des englischen Königshauses anschaut, so hat selbst in diesem Chaos alles seine Ordnung, auch wenn es von noch so viel Tradition begleitet wurde. Als Lady Diana starb, trauerte die gesamte Welt, und viele Leute können sich heute noch an damals erinnern. Ich sass gerade mit einer Käsesemmel vor dem Fernseher, als es damals geschah, und genau zu dem Zeitpunkt, als die Queen starb, sass ich ebenfalls mit einer Käsesemmel vor dem Fernseher. Natürlich ist dies Zufall, ich liebe Käsesemmel, aber wenn man hinter die energetischen Kulissen blickt, so hätte sich niemand vorstellen können, dass Camilla jemals als Frau von Charles Prinzess of Wales sein wird, und doch haben sich die natürlichen Energien durchgesetzt. Wenn zwei Menschen zusammengehören, finden sie zueinander, da können Welten dazwischenliegen. Und wenn zwei Menschen nicht von Natur aus zusammengehören, passieren Ereignisse, die zu Trennungen aller Art führen. Wenn man den Tod als positives Ereignis betrachtet, so beinhaltet er weiteres Leben, denn es entsteht eine gewisse Dynamik, wenn sich Generationen treffen, voneinander lernen, sich verabschieden und Platz für Neuerungen machen. Wenn wir das ewige Leben auf Erden anstreben, so streben wir damit auch einen gewissen Stillstand an, der nicht unbedingt gesund ist. Wenn man den Tod jedoch als negatives Ereignis betrachtet, so beinhaltet er Leid, Trauer, Verlust und Frust, was auch nicht unbedingt gesund ist. Trauer und Verabschiedung sind lebensnotwendig, um mit alten Gegebenheiten, mit der Vergangenheit, mit geliebten Menschen abzuschliessen, um sie ins Herz zu integrieren und den Tod zu akzeptieren. Ewige Trauer ist jedoch destruktiv und kann Menschen krank machen, zu Zwangshandlungen und Vereinsamung führen. Ich finde es gut, dass sich die Welt von der Queen verabschieden kann, denn so führen die Energien in eine positive Erneuerung.

Ein Mann heiratet eine Tote

Sie werden es kaum glauben, aber ein Mann hat seine tote Frau geheiratet. Sie lebten jahrelang in wilder Ehe vereint, und als sie starb, fiel ihm ein, sie jetzt unbedingt heiraten zu wollen. Vielleicht gibt es demnächst noch makabere Meldungen, aber mir würde diese hier schon reichen.

Wenn nun ein Mann seine tote Lebenspartnerin heiratet, hat sie doch keine Chance mehr, um Nein zu sagen. Womöglich ist ihre Seele ins Universum entschwunden und hat dort Kapitän Kirk getroffen, Sie wissen schon, den Kapitän vom Raumschiff Enterprise. Das Universum ist zwar unendlich, aber ob dort Bigamie erlaubt ist, weiss ich nicht.

Wenn man seinen toten Partner heiratet und er bereits im Sarg schlummert, muss man glatt improvisieren. Wie bitte verbringt man dann zusammen die Hochzeitsnacht? Im Sarg? Ich kann mir vorstellen, dass Menschen in tiefer Trauer um einen verlorenen und zutiefst geliebten Menschen nicht oder schwer nachvollziehbare Wege gehen. Der Mann, der seine Frau im toten Zustand heiratete, wollte vielleicht nicht Abschied nehmen und verarbeitete womöglich so seinen traumatisierten Zustand. Für ihn ist dies sein Seelenheil, für den Rest der Welt ist es eine derart makabere Angelegenheit, dass man nur noch die Hände über dem Kopf zusammenfalten kann und sich fragt: Wo ist Gott?

 


Elisabeth Putz

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