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Magerwahn - So bek„mpfen Sie Ihre Magersucht

Mager wie eine dnne KarotteDer Magerwahn ist ein Schlankheitsph„nomen, welches in den Medien breitgetreten wird, in den sozialen Netzwerken im Internet zur Schau gestellt wird, von der brillanten Medienwelt vorangetrieben wird, und dieses Ph„nomen kann gef„hrlich werden, wenn man es mit dem Abspecken bertreibt. Der Magerwahn betrifft besonders viele Frauen und vor allem junge M„dchen, weil sie einer Traumfigur nachjagen, die nicht natrlich ist und auch nicht gesund sein kann. Der Magerwahn mndet oft in die Magersucht, und die kann im Extremfall t”dlich sein.

Die Magersucht ist eine ernst zu nehmende Krankheit, denn wenn man erst einmal in dieser Sucht aufgeht, bemerkt man nicht mehr, wie der eigene K”rper leidet. Sie ist eine Krankheit der Psyche, und nicht nur eine Krankheit des K”rpers. Ich pers”nlich musste leider schon oft die Erfahrung machen, dass mich die Leute im richtig drren, so richtig mageren Zustand als sch”nes Model sahen, und wenn ich meinem Normalgewicht sehr nahe war, meinten die Leute, ich k”nnte ruhig etwas abnehmen.

Bitte, was ist das fr eine Gesellschaft, die Magermodels in Zeitschriften als Vorbilder zeigt, die Werbung fr den maskulinen, mager gehaltenen K”rperbau macht und m„nnliche Models bevorzugt, welche dann Mode fr Dessous pr„sentieren. Eine normalgewichtige Frau bekommt bei solchen Anblicken die Krise. Wahrlich, mich berkommt jedes mal die Angst, wenn ich mit einem Wurstbrot vor dem Fernseher sitze und mir eine Casting-Show fr Models anschaue. Bin ich denn immer zu dick?

Als ich einst krankheitsbedingt nach vier Vollnarkosen aus dem Krankenhaus kam, war ich derart abgemagert, dass ich bereits ein eingefallenes Gesicht hatte. Und genau in diesem Moment sprach mich eine Frau bewundernd an und fragte, was ich fr diese tolle Figur bloss mache. Ich meinte, das ist das Wunderwerk von vier Operationen unter Vollnarkose. Ich wollte nur noch nach Hause, essen, schlafen und wieder zu einem Gesicht mit gesunden roten B„ckchen kommen. Nicht immer kann man seine Figur bewusst beeinflussen, aber immer ”fter k”nnte man dafr sorgen, dass nicht zu viel Gewicht von uns schwindet, denn jedes Extrem ist ungesund.

Vielleicht l„uft in unseren K”pfen irgend etwas schief, wenn wir drre Figuren als sch”n betrachten, uns nur noch mit einem Hauch an veganer Nahrung ern„hren, damit das letzte Gramm Fett von uns schwindet und wir im Knochengerst dastehen. Der normale Veganer hat dann keine Chance mehr, seinen gesunden Lebensstil zu verteidigen, wenn pflanzliche Ern„hrung dazu dient, drre Wsten aus unserem K”rper zu machen. Ich bin ein Verfechter des gesunden Normalgewichts, weil ich selbst erleben musste, mit welchen Problemen man k„mpft, wenn man dem Magerwahn verf„llt.

Im Internet tummeln sich jetzt wieder magere und dstere Gestalten, die das Auge des Normalverbrauchers empfindlich st”ren k”nnten. Auf richtig gef„hrlichen Seiten suchen Leute, die extrem abnehmen m”chten, einen Zwilling, denn zu zweit ist die Magersucht einfach leichter zu ertragen. Die menschliche Psyche ist tckisch, denn sie strebt danach, perfekt sein zu wollen, Anerkennung zu ernten und bloss nicht verspottet oder verstossen zu werden. Wenn online Selfies dazu dienen, drre K”rper als Sch”nheitsideal zu pr„sentieren, strebt unsere Psyche danach, so sein zu wollen wie die anderen, welche auf Facebook geliked werden. Unsere Psyche will geliebt werden.

Was ist eigentlich noch gesund? Ich denke, wenn man sich in seinem K”rper wohlfhlt, wenn die Blutwerte und der Allgemeinzustand stimmen, dann ist man so gesund, dass man sich nicht t„glich um sein K”rpergewicht sorgen muss. Ein gesunder K”rper beherbergt auch ein gesundes Gewicht. šbrigens ist jeder Mensch verschieden gebaut. Deshalb kann man keine Verallgemeinerung anstreben und sagen, so und so muss man aussehen, damit man gesund wirkt.

Menschen mit einem stabilen, rstigen Knochenbau werden immer etwas robuster aussehen als Menschen mit einem zarten Knochenbau. Ich bin zierlich gebaut, sodass ich leicht in die Gefahr gerate, Fett abbauen zu wollen und dadurch versehentlich zu dnn werde. Umgekehrt kann es gef„hrlich werden, wenn robuste Menschen zierlich aussehen m”chten, denn dann hungern sie sich ab bis auf die Knochen.

Im Allgemeinen kann man aber grob gesehen folgendes sagen: Bei einer Gr”sse von 170 cm brauchen Sie ein Gewicht von ca.60 kg. Sie nehmen Ihre K”rpergr”sse und ziehen die Zahl 110 davon ab. Mit diesem Gewicht sind Sie optisch sch”n. Und genau dieses Gewicht sorgt fr ein gesundes Gefhl im K”rper. Immer wenn ich zu stark abnehme, mache ich einen Kurzurlaub in der Sssigkeitenabteilung im Supermarkt. Und wenn ich zu sehr zunehme, verschliesse ich die Schokolade in meinem kleinen Tresor und bef”rdere das schwere Teil auf meinen Kleiderschrank hinauf. Da berlege ich es mir grndlich, das Teil wieder herunter zu holen. Lieber Besucher, hungern l”st keine Probleme, denn davon bekommt man nur einen leeren Magen.

Der Anti-Di„ttag gegen den Magerwahn

Heute darf man Nudel essenDer internationale Anti-Di„ttag wurde von der britischen Buchautorin und Feministin Mary Evans Young zum offiziellen Tag des Essens erkl„rt. Er findet j„hrlich am 6. Mai statt und soll uns zeigen, dass wir wieder zurck zu einem Normalgewicht finden sollten. Die britische Frau litt selbst unter Magersucht, bek„mpfte jedoch ihre Krankheit und ging dann in verschiedene Talk Shows, um andere fr das Thema Anorexie zu sensibilisieren. Sie machte darauf aufmerksam, wie schnell Magersucht zum Tod fhren kann, wie Jugendliche an Selbstmord denken, wenn sie aus dem Magerwahn nicht mehr herauskommen, und wie schnell die Medien in die Magersucht fhren k”nnen. Wir werden n„mlich t„glich vom Schlankheitswahn geblendet, bis wir uns zu dick fhlen und zu einem Di„tprodukt greifen.

Der internationale Anti-Di„ttag soll uns zeigen, dass wir Dicke, šbergewichtige, Fettleibige nicht ausgrenzen sollen. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben, auf Liebe, auf Akzeptanz. Jeder Mensch hat das Recht auf seinen eigenen K”rper. Wir drfen uns nicht von Sch”nheitsidealen, von Sch”nheitswettbewerben hinreissen lassen, eine Di„t nach der anderen zu machen, bis wir in die Magersucht rutschen. Wir sollten uns lieber an all die Opfer erinnern, die aufgrund des Magerwahns an Anorexie gestorben sind.

Zahlreiche ungesunde Fotos von Prominenten in den sozialen Netzwerken machen es uns vor. Dnn wie ein Faden, die Konfektionsgr”sse Size Zero passt, aber fr den Normalverbraucher sind solche Models der reinste Horror. Viele Fotos werden mit einem Bildbearbeitungsprogramm auf dnn kaschiert, sodass wir glauben, wir mssten abnehmen. Dabei sehen manche Fotos so unrealistisch aus, dass niemand diese Figur mit normaler Ern„hrung erzielen kann.

Der Anti-Di„ttag ist etwas Besonderes

Der Anti-Di„ttag soll etwas Besonderes darstellen, er darf neben seiner Einzigartigkeit fr Akzeptanz aber auch nicht zur Gewohnheit im Alltag werden. Wer magerschtig ist, muss sich therapieren lassen, aber auch wer an šbergewicht leidet, ben”tigt Hilfe. Viele šbergewichtige leiden unter Krankheiten, weil niemand sich richtig um ihre gesunde Ern„hrung kmmert.

Dabei br„uchten wir dringend gesunde Pl„ne fr richtiges Essverhalten, damit bereits in den Schulen unsere Kinder lernen, wie sie mit ihrem K”rper gut umgehen mssen. Smoothies und ssse Getr„nke sind nicht gerade der Hit. Viel eher sollte die Werbung gestoppt werden, wenn sie verspricht, dass man mit einer Fruchtzucker-Ladung gesund bleibt. Unsere Kinder sind so wichtig fr unser Weiterleben, wir mssen vorsichtig mit der Ern„hrung sein, damit wir unser Normalgewicht, unser Wohlfhlgewicht, ein gesundes Gewicht erreichen und dieses auch beibehalten. Sowohl šbergewicht als auch Untergewicht k”nnen t”dlich enden.

Der Magerwahn in der Modewelt

Neulich wollte sich ein ohnehin zu dnn geratenes Model fr eine Modelinie einer Zeitschrift als Model zur Verfgung stellen, aber die Kleider waren zu eng. Jetzt konnte man aus den knochigen Hften nichts mehr entfernen, was nicht einem operativen Eingriff gleich kam, und trotzdem wurde das Model abgelehnt, weil es zu dick war.

Bitte, ich r„tsle heute noch, warum nicht einfach die Klamotten abgelehnt wurden, weil sie zu eng geschnitten waren? Und wo fand man jetzt das passende Model, wenn nicht in der Pathologie? Es wurde stattdessen ein androgynes Model gebucht, welches die neue Damenkollektion pr„sentierte.

Der Magerwahn in den Medien

Lieber Besucher, zu dick ist out, aber zu dnn ist eine Volkskrankheit, welche von den Medien vollends untersttzt wird. Haben Sie es auch schon mitverfolgt, wenn die Modeindustrie ihre drren Masse zur Schau stellt, die Medien glamour”s darber berichten, und wenn dann ein Model versehentlich an Magersucht stirbt und die Medien darber betroffen berichten? Wahrlich, es ist immer etwas los im Rundfunk und in der Presse, das muss man den Medien schon lassen, sie haben eine schweinchenartige Trffelnase, wenn es um packende Ereignisse geht.

Es msste glatt ein Umdenken in der Medienwelt stattfinden, welches gezielt normalgewichtigen Models den Vortritt l„sst. In Frankreich wollte man Magermodels verbieten, aber die Agenturen wehrten sich dagegen. Irgendwann ist die Zeit jedoch reif fr eine Modewelt, die uns nicht mehr krank macht, sondern uns so akzeptiert, wie wir sind. Es macht uns krank, wenn wir uns einen in Wasser getr„nkten Wattebausch in den Mund stecken, ihn dann schlucken, nur damit der Magen gefllt ist und wir keine Kalorien zu uns nehmen mssen. So kann der Magerwahn zum Tod fhren.

Der Magerwahn in der Werbung

Auch die Werbung lebt uns eine Art Magerwahn vor, der in die Magersucht fhren kann. Alle Produkte, die uns noch schlanker machen, signalisieren auch die pure Gesundheit. Dahinter verstecken sich oft berzuckerte, mit viel zu viel Fruchtzucker angereicherte Produkte und S„fte, die uns wiederum krank machen, wenn wir zum Diabetiker tendieren. Ich verfiel auch diesem Werbewahn.

Ich konsumierte nur noch die Schlankmacher, die gesunden Fitmacher, und dann war ich so satt davon, dass ich keine naturbelassene Nahrung mehr brauchte. Mein Insulinhaushalt geriet durcheinander. Ich nahm trotz dass ich wenig futterte zu, und ich wollte noch weniger essen. Die S„fte, Shakes, Drinks und Light Produkte aus der Werbung machten mich eher dicker als dnner. Mein Elektrolyt-Haushalt geriet in Gefahr, weil ich zu viel Wasser trank, um noch schlanker zu werden. Und pl”tzlich konnte mein K”rper kaum noch Nahrung aufnehmen, sodass ich ungewollt drr wie ein Grashalm wurde und Todesangst bekam. In der Notaufnahme im Krankenhaus fllte man erst einmal meine Elektrolyte auf, bevor man mich psychologisch betreute.

In der Werbung msste man ein Ampelsystem einfhren. Welche Models und Werbegesichter sind mit Bildbearbeitungsprogrammen so kaschiert worden, dass kein Normalmensch dieses dnne Aussehen erreichen kann? Welche Gesichter sind naturbelassen? Von rot bis grn msste der Verbraucher sehen k”nnen, wie bearbeitet ein Werbespot ist. Wir wrden dann gesndere Sch”nheitsideale vor Augen haben, und wir wrden uns nicht zu Tode hungern.

Ungesund abnehmen bis zur Magersucht

Dnn wie eine BarbieWer abnimmt und es damit bertreibt, landet im schlimmsten Fall in der Magersucht. Dies beginnt meist harmlos mit einer Di„t. Man verzichtet auf Mahlzeiten, fhlt sich abwechselnd mde und euphorisch, richtig high, m”chte diesen Zustand beibehalten und verzichtet immer ”fters auf wichtige Mahlzeiten. Hier beginnt der Teufelskreis.

Unsere Mitmenschen, Familie und Freunde mssen besser hinschauen und Warnhinweise erkennen, damit der Magerschtige nicht alleine gelassen wird. Die Selbstwahrnehmung ist gest”rt und man findet sich zu dick, selbst wenn man nur noch aus Haut und Knochen besteht und Probleme mit dem k”rpereigenen Wasserhaushalt bekommt. Magerschtige fhlen sich gut und leicht, wenn der Magen leer ist.

Oft essen Betroffene berm„ssig viel, bergeben sich nachher, nehmen eventuelle kaputte Z„hne aufgrund des bers„uerten Rckflusses der Nahrung in Kauf, ern„hren sich von in Wasser getr„nkter Watte, um das Hungergefhl zu vermeiden und kommen alleine aus dieser Situation nicht mehr heraus. Hier hilft nur noch professionelle Hilfe, eine ambulante oder station„re Behandlung, ein Ern„hrungsberater und ein strikter Essensplan, denn man muss wieder essen lernen.

Fhren Selfies zur Magersucht?

Wenn man sich die Selfies in den sozialen Netzwerken so ansieht, so entdeckt man nur sch”ne, durchtrainierte, sehr schlanke, fast schon dnne Menschen auf diesen Fotos. Kein Gramm zuviel verirrt sich aufs Bild. Wenn ich mir diese Selfies, auf Hochglanz getrimmt, ansehe, k”nnte ich glatt auf das n„chste Abendessen verzichten und mich mit meinem Di„tfrhstck begngen.

Gerade die Promis schiessen makellose Bilder von sich, sogar knapp nach der Schwangerschaft. Wie machen die das bloss? Wenn ich nicht so am Essen h„ngen wrde, w„re die Magersucht bei mir l„ngst Stammgast im K”rper. Ich finde, solche berdimensionierten Schlankheitsbilder sind Gift fr den normalen K”rper, denn jeder Mensch fhlt sich automatisch nicht schlank genug bei diesem Anblick. Wenn wir die Magersucht bek„mpfen m”chten, mssen wir umdenken, die Medienwelt umkrempeln, die sozialen Netzwerke umgestalten, und wir mssten Prominente als sch”n empfinden, welche nicht drr, sondern normalgewichtig sind.

F”rdert die Size Zero die Magersucht?

Kann die Konfektionsgr”sse Size Zero die Magersucht f”rdern? Ich denke schon, denn wenn man in kein Kleidungsstck mehr hinein passt, nur weil es so eng geschnitten ist, dass es bloss die Models mit Size Zero tragen k”nnen, hat man bald nichts mehr anzuziehen. Kein Mensch m”chte nur in die L„den gehen, die šbergr”ssen anbieten.

Als ich einst eine enge Hose anprobierte, passte sie mir nicht einmal in der Gr”sse Large. Die Hose wurde nicht breiter, nur l„nger. Welche drren Beine muss eine 180 cm grosse Frau wohl haben, wenn sie diese Hose tragen kann? W„hrend ich mich dies fragte, dachte ich an all diese schlanken Frauen, welche in die Hose passen, denn sonst wrde sie ja kaum als hippe Ware angepriesen werden. Und schon fhlte ich mich in meinem drren Zustand zu dick.

Size Zero kann krank machen. Neulich hat ein Hosenhersteller seine trendigste Konfektionsgr”sse pr„sentiert, die Konfektionsgr”sse xxxs. Wer passt da hinein, ausser Kinder, die zu schnell gewachsen sind? Ein Kleiderhersteller machte es dem Hosenhersteller nach, sodass die Frau keine Oberweite mehr haben darf. Und der neueste Schrei in Sachen Size Zero sind die Unigr”ssen, fr M„nner und Frauen gleich geschnittene, eng taillierte Klamotten, die fr androgyne Models geschnitten sind. Da passe ich nicht hinein, es sei denn, ich lasse mir eine Brustoperation verpassen. Wahrlich, zu kleine Konfektionsgr”ssen f”rdern den Magerwahn.

Orthorexia Nervosa - Eine Form der Magersucht

Sogar die Kakaobohnen mssen Bio seinUnter Orthorexia nervosa versteht man eine Essst”rung, welche sich so „ussert, dass die Leute nach gesunden Lebensmitteln gieren. Man mag es kaum glauben, dass es dieses Ph„nomen gibt, und wenn ich mich nicht selbst dabei ertappen wrde, h„tte ich gesagt, das ist purer Unsinn. Wie k”nnen gesunde Lebensmittel krank machen?

Es funktioniert bei mir folgendermassen, wenn ich nicht aufpasse. Ich begutachte jedes Produkt auf seine Tauglichkeit hin, auf eventuelle Inhaltsstoffe, die nicht natrlich sind, auf Bio Tauglichkeit. So habe ich bereits die g„ngigen Kaviar Sorten aussortiert, da bleibt dann nicht mehr viel brig. Man kann so viele Nahrungsmittel weglassen, bis man unter Magersucht oder einseitiger Ern„hrung leidet.

Als ich nach langem Jammern ber meine obligatorischen 5 kg šbergewicht eines Tages mein Traumgewicht von 47 kg erreicht hatte, war ich tot unglcklich darber, denn mein K”rper begann zu kr„nkeln. Ich ging in den Supermarkt und kaufte mir etwas Anst„ndiges zu essen, damit ich nicht weiter vom Fleisch fiel. Nur von Obst und Gemse alleine kann der Mensch nicht auf Dauer existieren, er bers„uert und berzuckert dabei.

Ich fing, als ich das Ph„nomen der Orthorexia nervosa entwickelte, an, mein Brot auf Kn„ckebrot zu reduzieren, Nudel wegzulassen, Kohlenhydrate wegzulassen, nur noch Gemse zu essen, und selbst da zweifelte ich an der Bio Tauglichkeit. Da ich jedoch grunds„tzlich gerne esse, immer Hunger verspre, w„re diese Krankheit bei mir nahezu chancenlos, aber manchmal begebe ich mich auf diesen Trip, dann muss ich aufpassen.

Das Syndrom mit der Liebe zum Essen war nicht immer so, denn in meiner Hochblte der gesunden Ern„hrung verzichtete ich trotz Hunger aufs Essen und dachte, ich schone meinen K”rper vor zu viel ungesunder Nahrung, schtze ihn lieber vor Fett, Zucker und zu vielen Kohlenhydraten. Ich ignorierte meine Schwindelanf„lle und war stolz auf mein Untergewicht. Ich ignorierte sogar die erschreckenden Blicke der Leute, wenn ich im Sommer mit meinem Knochengerst durch die Stadt spazierte. Dafr war ich aber stolz, als mich ein Fotograf auf der Strasse ansprach, der mit mir Bilder machen wollte, weil mein K”rper so ungew”hnlich schlank war. Schlimm fand ich nur, dass er mein Gesicht austauschen wollte.

Orthorexia nervosa im Alltag

Wenn ich andere Leute beim Einkaufen beobachte, so sehe ich Menschen, die das gleiche Problem haben wie ich. Sie schauen sich jedes Lebensmittel im Supermarkt genau an und berprfen es auf eventuelle ungesunde Inhaltsstoffe, legen viele Nahrungsmittel wieder zurck und suchen weiter. Hier kann man das Ph„nomen der Orthorexia nervosa sch”n nachvollziehen, auch wenn diese Krankheit im Verborgenen bleibt, weil gesunde Ern„hrung als hipp gilt.

Ich hatte sogar Probleme bei der Milch, auch wenn ich ein genussreicher Milchtrinker bin. Ich stand im Supermarkt und prfte die Inhaltsstoffe der Milch. Kalium, Calcium, Magnesium, aber zufrieden war ich immer noch nicht. Ich prfte, wieviel von jedem Inhaltsstoff vorhanden war und verglich es mit anderen Milchsorten. Wissen Sie eigentlich, wieviel unn”tige Zeit ich im Supermarkt mit der Prfung der Lebensmittel verbrachte? Als ich schliesslich auf Sojamilch umsteigen wollte, die Qualit„t der Pflanzen und B”den berprfen wollte, stand sogar vor mir endlich ein signalisierendes Stoppschild, denn man kann wahrlich nicht alles auf seine Biotauglichkeit berprfen.

Man muss nicht berall zugreifen, hirnlos alles in seinen Einkaufswagen stopfen, was aus den Ladenregalen schreit. Man muss es aber auch nicht bertreiben, bis eine Art Zwang entsteht, der Zwang, sich m”glichst gesund zu ern„hren.

Manche Mtter haben sogar das Problem, ihre Kinder so vegan wie m”glich zu ern„hren, damit die Babys bloss keine ungesunden N„hrstoffe zu sich nehmen. Die verzichten dann auf die wertvolle Muttermilch, steigen auf Bio-Sojamilch um und bemerken nicht, dass sie ihrem Baby damit mehr schaden als ihm Gutes zu tun. Wissenschaftler wissen aus langj„hriger Erfahrung, dass Muttermilch das Beste frs Baby ist.

Orthorexia nervosa in den Gesundheitsmedien

In den Medien h”rt, liest und sieht man kaum etwas von dem dahinvegetierenden, schleichenden Krankheitsbild der Orthorexia nervosa. Im Gegenteil, wir werden dazu animiert, uns gesund, quasi berdimensional gesund zu ern„hren. Der Inbegriff der neuesten Gesundheit lautet vegane Ern„hrung, selbst wenn die Pflanze darunter leidet.

Da wir das Vorbild der gesunden Ern„hrung st„ndig vor uns haben, pr„gt sich der reduzierte, vegane Lebensstil in unsere K”pfe ein. Wir verzichten lieber auf Nahrung, als dass wir zu einem nicht ”kologischen Produkt auf reinster Pflanzenbasis greifen. Die Konfektionsgr”sse Size 0 ist damit gesichert, die notwendigen K”rperfunktionen sind aber in Gefahr. Mit ausschliesslich Obst und Gemse alleine kann sich der K”rper bers„uern, und Krankheiten wie Osteoporose und Krebs k”nnen sich einschleichen.

Vegane Ern„hrung, das Achten auf Bioprodukte, die bewusste gesunde Ern„hrung, dies ist in einem gewissen Ausmass gut fr unseren K”rper, so lange, bis wir es bertreiben. Wenn wir nur noch Blumensalat aus dem eigenen Garten zu uns nehmen, weil wir keinem fremd produzierten Lebensmittel mehr trauen, verhungern wir im Winter. Glauben Sie mir, ich lernte Menschen kennen, die nahe an dieser stark rreduzierten Ern„hrungsgrenze dran waren.

Die Folgen von Orthorexia nervosa

Die Folgen dieser Krankheit bemerkt man erst viel zu sp„t, wenn berhaupt, denn ein Zwang entsteht schleichend. Ich sch„me mich manchmal direkt, wenn ich wieder zwanghaft allen Inhaltsstoffen im Supermarkt hinterher laufe, die Lebensmittel pingeligst genau vergleiche und dann mit nichts aus dem Laden gehe, weil ich denke, eine Null-Di„t wrde meiner Gesundheit gut tun. Ich fhle mich manchmal so dick, dass ich tagelang auf dem Hometrainer verweilen k”nnte, ohne Nahrung, ohne Schlaf. Dieses Ph„nomen muss ich abstellen, aber es gelingt mir nicht immer.

Wenn ich Prominente sehe, die in Kinderklamotten hinein passen, fhle ich mich zu dick, dabei bin ich doch schlank genug. Einst lernte ich eine Ana kennen, mit der ich diesen gesunden Magerwahn auslebte. Sie war so einladend, zog mich f”rmlich in einem Onlineforum an wie die Motten das Licht. Ich dachte, wenn ich meinen Lebensmittelkonsum so reduziere, dass sich nichts Ungesundes mehr darin befindet, kann mein K”rper ja nur gesnder und noch schlanker werden. In Wahrheit wurde ich drr, so dnn, dass sogar mein sch”nes Dekollete verschwand, da mir die Tops nicht mehr passten und ich in der Kinderabteilung shoppen musste.

Heute weiss ich die Folgen von Orthorexia nervosa zu sch„tzen. Ich wiege regelm„ssig bis zu 5 kg zu viel und specke ab. Dies ist fr meinen K”rper gesnder, da er aus den Reserven sch”pfen kann, und nicht vorzeitig schlapp macht. Heute bin ich froh, abspecken zu drfen, denn zu dnn zu sein, macht mir Angst.

Die Folgen einer so berdurchschnittlichen gesunden Ern„hrung sind Magersucht, k”rperliche Schw„cheanf„lle, Herz-Kreislauf Erkrankungen, Schwindel, Herzrasen, Durchblutungsst”rungen, Magenbeschwerden und vieles mehr. Wenn der K”rper nicht ausreichend genug Nahrung zu sich nimmt, greift er auf die Substanz zurck und holt sich im „ussersten Notfall die Reserven aus den Organen. Bitte, dann ist es oftmals zu sp„t, um rechtzeitig zu reagieren. Ich ern„hre mich jetzt gr”sstenteils gesund, seit ich weiss, wie ich meinem K”rper geschadet habe, aber ich bertreibe nur noch selten.

 


Elisabeth Putz

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