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Leben mit Blindheit oder Erblindung

Man muss das Thema Blindheit nicht unbedingt so sehen, als wäre das Leben vorbei, denn es gibt heute zahlreiche Hilfsmittel, mit denen man ein halbwegs glückliches Leben führen kann. Man muss ja nicht alles durch die Klobrille sehen, denn dann sieht man nur eine braune Masse, lauter Scheisse. Man kann das Leben beispielsweise auch durch die rosarote Brille sehen, oder mit zwei Glasaugen, dann entsteht entweder ein positiver Blümchenblick, oder ein glasklarer Durchblick, so sauber und rein, als käme er direkt aus dem Geschirrspüler heraus.

Ich bin aufgrund einer Augenerkrankung immer blinder geworden, bis ich vollständig erblindete. Eine meiner vielen Augenoperationen lief schief, und so trage ich zwei Glasaugen, aber die Farbe durfte ich mir wenigstens aussuchen. Anfangs machte ich in jedem Raum das Licht an, schaute in den Fernseher hinein und überprüfte mit Adlersaugen, ob das Geschirr wohl sauber geworden war. Ich vergass ständig, dass ich nichts mehr sehen konnte, und heute laufe ich noch teilweise aus dem Haus und bemerke erst am Parkplatz, dass ich meinen Blindenstock vergessen habe.

Ich hatte einige skurrile Begegnungen mit Menschen, die Blindheit als eine derart abnorme Angelegenheit einstuften, dass ich nicht wusste, ob ich schmunzeln oder weinen sollte. Einer meiner früheren Lehrer schrieb mir in einer E-Mail, dass ihn meine Erblindung betrübt macht. Ich bekomme immer Schuldgefühle in der Magengegend, wenn ich bloss aufgrund meiner puren Existenz Menschen betrübt, traurig oder deprimiert mache. Eine meiner Bekannten meinte, jetzt müsste ich in ein Blindenheim umziehen und mein Arbeitsleben aufgeben. Ich scheue den Zustand, vom Staat zu leben, und aus meinem mir hart erarbeiteten Penthouse ziehe ich ungern aus. Ein Bekannter sagte, jetzt würde mich mein Lebenspartner verlassen. Bitte, der Zustand trat nicht ein, denn mein Partner ist zäh und erträgt selbst meine 1000 verliebten Lauffeuer. Und meine Mutter sagte, es wäre besser, ich wäre tod als blind. Ich rufe sie seither nur noch an meinem Haarewaschtag an.

Sind Blinde auch nur Menschen? Es gibt Leute, die sehen ein Handicap als unüberwindbares Ereignis an, an welchem man zerbricht. Das muss nicht so sein, auch wenn ich viele Erblindete kenne, die wirklich an ihrem Handicap knabbern. Ich holte mir sogar einmal einen guten Psychiater, da ich bemerkte, ich werde nicht mehr als Frau wahrgenommen. In der U-Bahn bat man mir einen Sitzplatz anstatt eines Flirts an, und so wusste ich, der Blindenstock kann auch ein Hindernis sein. Ich peppte mich auf, trug extrovertierte, weiblich angehauchte Klamotten, mein Dekollete reichte bis in meine Brustmulde hinein, meine Röcke waren kurz und eng, knackig wie eine Presswurst, und trotzdem sah man keine Frau mehr in meinen ausladenden, der puren Peinlichkeit verfallenen Outfits. Der Psychiater meinte, das Make-Up würde noch fehlen, aber bitte, zum Schminken bin ich echt zu blöd. Heute trage ich wieder meine sachlich-kompakten, direkt zugeknöpften Kostüme und Hosenanzüge, denn wenn ich mich nicht sehe, hat dies auch Vorteile. Ich kann essen was ich will, ich nehme zu, ohne es zu bemerken.

Ich haderte sogar eine Weile mit meinem Leben, nämlich genau zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinen Gerichtsprozess gegen das Wiener AKH verlor, die Klage gegen meinen Augenarzt nicht fruchtete, ich immer noch blind war und begriff, dass anderen Patienten das gleiche Schicksal blühen könnte, weil ich zu dumm war, einen Gerichtsprozess durchzustehen. Ich wollte nicht mehr leben, dachte an die Worte meiner Mutter und erkundigte mich bei Dignitas über eine eventuelle Sterbehilfe. Wussten Sie, dass man da mehrere Psychotherapeuten braucht, um die Sterbetauglichkeit zu überprüfen, aber wenn es soweit ist, darf man sich sogar vorab noch einen schnellen Kaffee genehmigen, im Kreise seiner Lieben, bevor man sich entscheidet, aus dem Leben zu scheiden. Bitte, ich war dann doch nicht fürs Sterben geeignet, aber ich habe daraus gelernt. 99,9% der Ärzte sind sehr hilfreich, nur ganz wenige sind soziopathische Egoisten, die ein Menschenleben zerstören und sich nichts dabei denken. 99,9% der Mütter sind normal, nur meine hat den gleichen Dachschaden wie ich selber, und das liegt bestimmt in den familiären Genen. 99,9% des Lebens kann mittelprächtig bis prächtig ausfallen, man muss nur die Strassenseite wechseln und schon findet man einen sicheren Gehsteig ohne quer liegende E-Scooter, welche einem ein Beinchen stellen. Ich entschied mich, weiterzuleben und höre einfach nicht mehr hin, wenn mich Leute als lebensunfähig einstufen. Ich glaube, an einem Ohr höre ich deshalb ein wenig schlechter.

Was ist Blindheit?

Blindheit ist die vollständige Erblindung eines oder beider Augen. Rechtlich gesehen ist man ab ca. 10% Sehrestvermögen blind, obwohl viele Menschen diesen Zustand lange noch nicht als Erblindung wahrnehmen. Die rechtliche Lage variiert je nach Land und Gesundheitssystem. Auf jeden Fall ist man aufgrund einer Amaurose an beiden Augen stockblind, hat keinen verbleibenden Sehrest mehr, und hier ist die Gesetzeslage eindeutig, man gilt als blind.

Blinde und Erblindete bekommen je nach Land Blindengeld, welches man jedoch in einigen Ländern mühsam beantragen muss. Bitte, ein Amtsarzt ist immer frei. Und wer erblindet, hat die Möglichkeit, Hilfsmittel und Mobilitätstrainings zu beantragen, deren Kosten teilweise vom Staat übernommen werden. Auch dies ist von Land zu Land unterschiedlich.

Blindheit ist ein Zustand, den nicht viele Menschen als angenehm betrachten, und normal sehende Leute sagen oft, sie würden dies nicht aushalten, sie würden sich gleich umbringen. Das sind harte Worte, die ein Blinder kaum aushält, da er sich durch solch erniedrigende Worte degradiert fühlt. Blinde Menschen ertragen ihre Blindheit ganz gut, nehmen die Hilfsmittel zur Kenntnis, leben damit so gut wie sorgenfrei, und sie können genauso wie jeder Sehende die Welt wahrnehmen, nur ein wenig anders. Blindheit ist zwar schlimm, wenn man den Mangel im Leben sieht, sie kann aber auch positiv erlebt werden, wenn man trotz seiner Erblindung das Leben im Griff hat und sich am Leben erfreut.

Wie erträgt man die Blindheit?

Menschen, die sagen, ein blinder müsse sich ja glatt umbringen, weil er nichts sieht, die sind dumm, labil, einfältig und haben einen schrecklichen Charakter. Solche Menschen sind selber psychisch krank und brauchen mehr Hilfe von aussen als jeder Blinde. Trotzdem fallen diese negativen Worte oft auf fruchtbaren Boden, weil die menschliche Seele einen weichen Kern hat, der mit Worten alleine zerquetscht werden kann.

Wenn Menschen erblinden, bekommen manche von ihnen einen kleinen bis grösseren Schock. Manche bekommen Depressionen. Als ich plötzlich nichts mehr sah, setzte ich mich im Krankenhaus auf die Toilette und heulte. Vor der Toilette versammelten sich die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger. Nach einer Weile kam ich kurz aus dem Klohäuschen heraus und fragte, ob jemand aufs Klo muss. Kaum zu glauben, aber man setzte mich in einen Rollstuhl, obwohl ich an den Augen, und nicht an den Beinen operiert wurde. Ich verliess das Krankenhaus schlagartig, nahm einen Blindenstock in die Hand und verschwand, weil gehen konnte ich noch erstaunlich gut.

Viele Blinde und Sehbehinderte sehen den Mangel, aber glauben Sie mir, es ist günstiger, Sie sehen die Fülle, denn dann sind Sie gleich viel glücklicher. Mir sagte jemand, ich sollte aufgrund meiner Behinderung alles ganz langsam angehen. Um Himmels Willen, wenn ich nicht schnell wieder auf die Beine gekommen wäre, hätte ich in Deutschland Hartz 8 beantragen können, da das Hartz 4 nicht mehr ausgereicht hätte.

Knapp nach meiner Erblindung kämpfte ich mit Existenzproblemen, da ich meinen Buchhalter samt Angestellten bezahlen musste, wobei der Buchhalter auch mit Freibier zufrieden war. Mein halber Freundeskreis meinte, er probiert es jetzt einmal ohne mich, das sei wirtschaftlicher, nur mein ältester Geschäftspartner blieb mir treu. Meine Rücklagen hatten plötzlich Muskelschwund, weil ich Ausgaben hatte und die Einnahmen fehlten, und so musste ich mein Berufsfeld wechseln und von vorne anfangen. Bitte, ich habe bereits mit 13 Jahren schwimmen gelernt, als mein Bruder starb und ich aus der gewohnten Lebensbahn geworfen wurde, also gründete ich eine neue Firma und nahm meinen Buchhalter mit, weil der braucht nur Freibier. Schicksalshafte Verläufe tragen uns oft durchs Lebenswasser, ohne dass wir untergehen, denn alles, was uns nicht umbringt, macht uns stärker. Trotzdem gestehe ich, es gab Zeiten, in denen dachte ich, ich würde unter der Last meiner Erblindung zusammenbrechen, denn ich bin nicht die Stabilste. Immer wenn ich denke, mein Leben wäre zu hart, bilde ich mir ein, dass Blindheit nicht das Ende der Welt ist. Andere Leute tragen eine Zahnprothese, ein Kunstbein, Po-Implantate, Silikonbrüste, eine Perücke, Stroh im Kopf, und ich trage einen Blindenstock, der nicht viel frisst, weil er kein Hund ist.

Wenn ich über das Positive schreibe, fällt mir das Leben als Blinde nicht so schwer, dann verzeihe ich der krassen Realität, dass es sie gibt, denn die Realität ist so grausam, dass ich sie in manchen Momenten kaum ertrage.

Rehamassnahmen für Blinde und akut Erblindete

In fast jedem Land gibt es einen Blindenbund, Blindenverbände, Hilfswerke für Blinde und Sehbehinderte. Hier bekommt man Hilfe, kann sich die nötigen Hilfsmittel besorgen, lernt Gleichgesinnte kennen, und man kann sich sogar bei Bedarf in die Gemeinschaft integrieren. Ich bin als introvertierter, nicht ganz stabiler Einzelgänger bekannt, aber sogar ich besuche hin und wieder Veranstaltungen, welche der Blindenverband organisiert, da ich bemerkte, die Welt ist keine Arbeitsinsel, die einsam vor sich hintümpelt.

In vielen Ländern existieren ganze Rehabilitationszentren, in denen Blinde und Sehbehinderte einen neuen Beruf erlernen können und alles lernen, um sich tasterprobt durch die Welt zu greifen. Ich könnte schwören, Hände sind praktisch, wenn man nichts mehr sieht. Ich erlernte keinen neuen Beruf, weil ich meine Arbeit als Autorin gut leiden kann, und so lange ich damit Geld verdiene, knete ich keine Menschen durch, weil als Physiotherapeutin tauge ich nicht viel. Ich bin nicht feinfühlig genug, auch wenn man Blinden nachsagt, sie wären fingertechnisch sehr sensibel. Ich bin schon als Klotz zur Welt gekommen, und so erlernte ich nur das Tippen, eignete mir einen blindengerechten Arbeitsplatz an und schreibe für alles und für jeden, wenn die Provisionen stimmen..

Übrigens existieren hunderte extravagante bis nützliche Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte. Haben Sie sich schon an einen Sticker für Blinde oder eine Blindenschleife gewöhnt? Ich trage so etwas nicht, denn das passt optisch nicht zur Kleidung, dachte ich anfangs, als ich mich weigerte, blind zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie tragen ein rosarotes Kleid oder einen roten oder blauen Anzug und dazu die Blindenschleife mit den drei schwarzen Punkten. Damit können Sie am Köllner Karneval teilnehmen. Mittlerweile habe ich mich durchgerungen, hin und wieder einen Blindensticker zu tragen, damit die Leute wissen, dass ich nichts sehe, und nicht glauben, ich wäre nur chronisch betrunken.

Manche markieren Ihre Tasche mit einem Blindensticker, dann ist sozusagen die Tasche blind. Früher trug ich Handtaschen mit Innenbeleuchtung, damit ich meinen Krempel leichter fand, wenn er in der Tasche verschwand. Heute trage ich einen Blindensticker auf meiner Handtasche und erspare mir den Strom für die Innenbeleuchtung. Bei den enorm gestiegenen Strompreisen ist dies förmlich eine nützliche Sache.

Rehamassnahmen für Blinde sind wichtig, denn man lernt die Blindenschrift, das Geld zu erkennen, den Alltag leichter in den Griff zu bekommen, und man lernt, sein eigener Koch zu sein. Das Thema Kochen liegt mir einfach nicht. Ich koche sogar Nudel, um sie nachher einzufrieren, weil man weiss nie, wann man sie wieder braucht. Anfangs dachte ich, der Herd verzweifelt an mir, da ich Angst vor Hitze habe. Ich wollte schon Essen auf Rädern bestellen, wenn mein Partner auf Dienstreise war, aber ich entscheide mich heute noch für den Pizzaservice. Ich hatte schon zu meinen Studentenzeiten eine Putzfrau und eine Köchin, weil ich das richtige Studentenappartment wählte und begriff, ohne Haushalt ist das Leben angenehmer. Und so putze ich heute noch manchmal das Klo, ohne dass es sauber wird.

Das Leben mit Erblindung

Heute existieren Techniken, die es Blinden und Sehbehinderten erleichtern, ihren Alltag zu meistern. Die Schnalztechnik ist so ein Ding. Man schnalzt, und aufgrund des Echos weiss man, wo man sich befindet. Ich kann nicht schnalzen, aber ich habe es immerhin probiert. Einige Leute können mit dieser Technik sogar Radfahren und sich ohne Stock und Hund durch den Strassenverkehr bewegen, aber ich würde in die nächste Litfasssäule hineinlaufen, oder ich würde mich an der ersten Strassenlaterne anlehnen und fragen, ob da oben schon Licht brennt. Ich warte, bis die künstliche Intelligenz so weit fortgeschritten ist, mir optisches Sehvermögen zurückzugeben, in Form eines bionischen Auges. Vielleicht erhalte ich dann auch ein wenig künstliche Intelligenz, weil die hat mein Hirn bitter nötig.

Ich habe gehört, Geburtsblinde finden sich leichter im Leben zurecht als Leute, die mitten im sehenden Leben erblinden. Ich weiss nicht, ob ich dies so glauben kann, denn für mich war das Visuelle immer die erste Anlaufstelle. Ich würde meine optischen Sinneseindrücke stark vermissen. Ich bin ja heute noch ein optisch geprägter Mensch. Ich schalte den Fernseher ein und schaue mit meinen zwei Glasaugen auf den Bildschirm, und wehe, es steht jemand im Weg. Ich visiere heute noch alles an und schaue den Leuten beim Gespräch in die Augen. Bitte, seit ich blind bin, sind alle Menschen schön geworden, direkt makellos, denn den Sinn für innere Schönheit habe ich noch nicht entwickelt.

Eines Tages fuhr ich mit dem Taxi, der Taxilenker brachte mich ins falsche Gebäude, wir gingen wieder hinaus, ich bezahlte ihn, er meinte, er parkt nur kurz sein Taxi um, und weg war er. Da kam ein Mann von hinten an und meinte: Ich bring Sie um die Ecke. Ich erschrak, meinte, bitte nicht, ich will leben. Der Mann lachte, nahm meine Hand und meinte: Ich habe Sie gerade eben gesehen, sie waren im falschen Gebäude, ich bringe Sie ins Richtige, das steht gleich hier um die Ecke, der Taxifahrer ist schon weg.

Da ich ein unverbesserlicher Fehltreter bin, nahm ich eines Tages wieder ein Taxi, stieg ein, fuhr los, stieg wieder aus dem Taxi aus und befand mich mitten auf einer mir unbekannten Strasse. Als ich endlich begriff, dass mich der Taxilenker irgendwo abgesetzt hatte, weil er zu faul war, mich an die richtige Adresse zu bringen, orderte ich erneut ein Taxi. Ich fragte dann jeden Autofahrer, ob er wohl mein Taxi sei, und jeder wollte mich gleich mitnehmen, bis ich begriff, dass ich mitten auf dem Strassenstrich stand. Eindeutig, ich war fehl am Platz, ungeschminkt und ungeübt. Als mein Taxi endlich kam, fragte der Taxilenker, warum ich gerade hier arbeite. Bitte, ich arbeite nicht, ich faulenze.

Man muss Taxilenkern vertrauen können, man muss sich auf fremde Menschen verlassen, man ist dem Strassenverkehr und dem Alltag ausgesetzt. Bitte, da kann sogar der grösste Optimist einmal zu jammern beginnen. Trotzdem bin ich heute froh darüber, nur blind zu sein, denn ich hätte bei meiner Augenoperation auch sterben können.

So mobil wie früher bin ich nicht mehr. Ich benötige einen Shopping-Assistenten, damit meine Kleider zu mir passen. Ich kann ja nicht andauernd im roten Negligee herumlaufen. Ich muss mich auf den Modestil der anderen verlassen und hoffen, dass ich damit nicht wie ein verlassenes Ei mit Schale aussehe. Man wirft sich ja gelegentlich in Schale, wenn man top gestylt sein will.

Ich muss mich beim Arbeiten auf meine Mitarbeiter und Assistenten verlassen, denn Graphiken und Bilder kann ich nicht mehr selber prüfen. Ob das Design meiner Website tageslichttauglich ist, weiss ich nicht mehr. Aber ich lebe noch, Gott sei Dank.

Wie wichtig ist ein Mobilitätstraining?

Wenn Sie zufällig blind sind, brauchen Sie unbedingt ein Mobilitätstraining, denn Sie möchten ja ab jetzt nicht Ihr Leben in den eigenen vier Wänden verbringen. Als ich blond, ach ich meine, als ich blind wurde, gab es in ganz Kärnten nur einen einzigen Mobilitätstrainer, und siehe da, der hatte nie Zeit für mich, und das bei meinem Charme. Ich trat förmlich wie ein Honig am gleichen Fleck klebend auf der Stelle. Immer wenn er Zeit hat, habe ich keine, aber ich werde meine Mobilität schön brav erlernen, wenn die Zeit dafür reif ist. Bis dahin trete ich fleissig auf der Stelle.

Übrigens lernen Sie in einem Mobilitätstraining alles, was Sie für unterwegs brauchen können, denn Sie müssen ja auch einmal einkaufen gehen. Wenn Sie sich so tolpatschig anstellen wie ich, benötigen Sie natürlich etwas mehr Training.

Ich kann rechts und links kaum unterscheiden, habe eine komische Orientierung, manche Menschen behaupten, dieser Bereich schläft in meinem Gehirn, und wenn ich aus einem Geschäft herauskomme, gehe ich oft in die falsche Richtung. Aber selbst ich bin noch nie verloren gegangen, zumindest hat man mich immer wiedergefunden.

Das Blindenleitsystem für Blinde und Sehbehinderte

Übrigens testete ich mit meinen zwei Glasaugen neulich das Blindenleitsystem. Ich muss sagen, für einen vollblinden Menschen, der nicht einmal mehr hell von dunkel unterscheiden kann, ist so eine Regenrinne eine wahre Herausforderung. Als ich dann noch die Rolltreppe fand, gings nur noch bergauf. Mit dem Test machte ich darauf aufmerksam, dass man diese Regenrinnen und gepunkteten Streusselkuchen-Strassen für Blinde besser und intensiver ausbauen sollte, damit ich demnächst auch unbeschadet nach Hause komme.

In der Schweiz entwickelte ein Programmierer ein Navigationssystem für Blinde. Es mangelt noch an der Umsetzung und an den Strassenkarten, aber wenn dieser Artikel einige Zeit alt ist, gibt es bestimmt die ersten Navigationssysteme für Blinde, oder es gibt neue Augen gegen die Blindheit.

Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte

Wenn das Augenlicht erst einmal verloren gegangen ist, benötigt man gezielte Hilfsmittel, um gesund und unbeschadet durch die Welt zu gehen. Neulich wurde ein Blinder von einem Auto überfahren. Gesund ist das nicht, wenn ich dies mit meinem hängenden Galgenhumor ausdrücken darf. Und selbst ich habe Angst, aufgrund meines nicht vorhandenen Sehvermögens auf der Strasse übersehen zu werden. Ich hoffe jedes Mal, dass zuerst mein Blindenstock vom Auto überfahren wird, damit ich noch Zeit habe, zur rettenden Seite zu springen. Hoffentlich springe ich dann auf die richtige Seite.

Übrigens gibt es ein Navigationssystem für Blinde, welches bei den Firmen Baum und Transdanubia erhältlich ist. Die beiden Firmen kenne ich, deshalb kann ich sie empfehlen. Mit so einem Navigationssystem finde sogar ich den Weg nach Hause und in mein Lieblingsrestaurant hinein, damit ich nicht verhungere oder verloren gehe.

Sind Sie auch blind geworden? Das kann passieren, aber keine Panik, es gibt Schlimmeres. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden blond werden, beispielsweise im Kopf, dann würden Sie Stroh im Kopf tragen. Nun, mir ist es auch passiert, dass ich rein zufällig blind geworden bin, denn eine meiner Augenoperationen war wohl ein gar schicksalshafter Verlauf. Wenn ich heute an diese Augenoperation zurückdenke, vermute ich glatt, ich bin damals schon blond im Hirn gewesen, sonst wäre dies vermutlich nicht in diesem Ausmass passiert, denn ich trage heute zwei Glasaugen. Die Farbe durfte ich mir aussuchen, blau, das passt zu meinem blondierten Gehirn.

Jetzt trage ich meinen Blindenstock spazieren, oder besser gesagt, er trägt mich. Wenn man die Welt nur noch hören, riechen, schmecken und ertasten kann, braucht man Hilfsmittel für Blinde, damit man wenigstens noch erahnen kann, was man sehen könnte. Viele Menschen sehen in ihrer Blindheit den Mangel des Augenlichtes. Ich sage Ihnen, sehen Sie lieber die Fülle, denn immerhin können Sie noch riechen, schmecken, tasten und hören. Freuen Sie sich, dass Sie noch in Ruhe telefonieren können. Diese positive Einstellung zum Leben ist heute noch eine Herausforderung für mich, ich muss sie täglich neu erlernen, aber schreiben kann man ja gelegentlich darüber.

Blindenhund oder Blindenstock - Was ist besser?

Wer erblindet, steht vor einer mobilen Herausforderung, denn es verschwindet quasi die gesamte Umgebung optisch vor den Augen des Betroffenen. Man benötigt einen Blindenstock, im Idealfall gleich mehrere, falls einer kaputt geht, und man braucht verschiedene Stöcke für verschiedene Bedürfnisse. Wichtig ist der kleine Taststock für zu Hause, für innere Räume, denn damit kann man sich wunderbar fortbewegen und rollt niemanden über den Haufen. Wichtig ist auch noch der Blindenstock für draussen. Der Gehstock sollte lang sein, deshalb heisst der auch Langstock. Er sollte möglichst bis unter die Achseln reichen, denn man schwingt ihn hin und her, lässt ihn pendelnd vor sich am Boden gleiten, und deshalb darf er nicht zu kurz sein, sonst bemerkt man Hindernisse im Strassenverkehr viel zu spät.

Der herkömmliche Blindenstock ist weiss, passt nicht immer modisch zur Kleidung, aber er erfüllt seinen Zweck. Es gibt Blindenstöcke in allen Varianten und Längen, mit elektrostimulierenden und akustischen Sensoren, mit Rollen am unteren Ende, Teleskopstöcke, Faltstöcke, und es gibt Varianten, die sogar den Kopf schützen, damit man nicht versehentlich in eine Strassenlaterne hineinrennt.

Mit dem Stock sollte man möglichst bald professionell pendeln lernen. Man hält den Blindenstock so, dass man in die vorgesehene Schleife hineingreift, damit der Stock beim Gehen nicht verloren gehen kann. Man hält ihn so vor sich, dass der Zeigefinger auf dem Stock aufliegt, denn so kann man pendeln, ohne dass man einen Muskelkater in den Fingern bekommt. Man pendelt dann hin und her, der Blindenstock bleibt immer in der Mitte, damit man Hindernisse von vorne ansteuert und nicht seitlich rammt.

Der Blindenhund als treuer Begleiter

Ein Blindenhund ist für blinde Menschen zwar kein Ersatz für den Blindenstock, aber dafür eine bequeme Erweiterung der eigenen Mobilität. Er braucht artgerechtes Hundefutter, liebevolle Betreuung, genügend Auslauf, ein gutes Zuhause, und er muss gepflegt werden, denn die Fellpflege ist wichtig, damit das Tier nicht verwildert. Wer eine Hundeallergie hat oder keine Hunde mag, für den ist dieser Begleiter nicht die ideale Wahl. Wer jedoch gut mit seinem Blindenhund zurechtkommt, für den ist er sogar das Tor zur Aussenwelt, denn er knüpft auch unbewusst Kontakte zu anderen Leuten. Einsam ist man mit ihm nie.

Welcher Hund ist geeignet, um als Assistenzhund zu dienen? Der Königspudel ist beispielsweise ein geeigneter Blindenhund. Er ist ein absoluter Hüttenhund, ein Wachhund, ein ausgezeichneter Schwimmer, dessen Revier eigentlich der Wald ist. In der Stadt braucht er im Winter Hundeschuhe, damit seine Pfoten nicht vom Streusalz verwundet werden. Er ist sensibel und einfühlsam genug, um ihn als treuer Begleiter für Blinde und Sehbehinderte auszubilden. Ein Blindenhund bekommt nämlich eine spezielle Ausbildung, bevor er seinen Job als Hund antritt. Er muss einen Blinden im Alltag führen können, ihn auf Hindernisse aufmerksam machen, auf ihn aufpassen und ihm das Gefühl von Sicherheit im Alltag vermitteln. Wenn man mit seinem Blindenhund an der roten Ampel steht, an einer stark befahrenen Kreuzung, so weiss der Hund genau, wann er die Strasse überqueren darf. Ein Langstock alleine ist nicht so zuverlässig, denn ein Blinder hört nur, dass die akustische Ampel das Signal auf Grün gestellt hat, nicht aber, wenn sich ein Auto kurzfristig entscheidet, trotzdem in die Kreuzung hineinzufahren.

Der Hund kostet zwischen 30 000 und 35 000 Euro. Manche Länder übernehmen einen Teil der Anschaffungskosten, aber das ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen einen Teil der Kosten, in Österreich ist die Kostenübernahme nicht geregelt, da muss man sich an das Bundesministerium für Soziales wenden und lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Wie wichtig ist die Blindenschrift?

Die Blindenschrift ist eine spezielle, dreidimensionale, ertastbare Schrift, welche für blinde und stark sehbehinderte Menschen entworfen wurde, damit sie plasisch lesen lernen. Sie besteht aus einem ausgefeilten Punktesystem, wobei die verschiedenen Punkte-Aneinanderreihungen die Buschstaben, das Alphabet, und somit die Worte und Sätze ergeben. Man gleitet mit den Fingern über die Punkte und liest so den Text. Man braucht Fingerspitzengefühl, und hier liegen die Barrieren verborgen, denn spät Erblindete haben oft nicht diese Nervenintensität in den Fingern. Geburtsblinde Menschen, deren Fingerkuppen in Ordnung, also gesund sind, erlernen die Blindenschrift schneller als Menschen, die im Laufe ihres Lebens erblinden.

Heute ist die Blindenschrift immer noch wichtig, obwohl sie für viele Menschen kaum mehr Bedeutung findet, weil man durch die vielen digitalen Hilfsmittel und Screenreader alles vorgelesen bekommt, sogar die Zeitung, alles im Internet, jedes Buch. Es gibt viele Varianten des Vorlesens, eine Kamera, einen Stick, spezielle Geräte, spezielle Software, das Smartphone, etc. Und so braucht man die Blindenschrift im Alltag hete seltener.

Sie ist jedoch wichtig, denn Blinde müssen auch Verpackungsschriften, Medikamente, Alltagsdinge, Anleitungen, etc. diverse Geräte entziffern können, und besonders bei Medikamenten sind die Blindenbuchstaben wichtig. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass auf den Verpackungen auch die Blindenschrift verwendet wird, und dies ist bei Alltagsdingen eher selten der Fall.

Tag der Blindenschrift

Am 4. Januar ist der Tag der Blindenschrift, welche seit 1825 das Licht der Welt erblickt, selbst wenn man sie im Dunkeln lesen kann. Der Erfinder der Blindenschrift, Louis Braille, ein Franzose, hatte die Idee, durch Punkte, welche Erhöhungen auf weissem Papier bilden, mit dem Tastsinn die Schrift zu ertasten, und so lesen sich die Blinden heute noch mit den Fingern grösstenteils durch die Punktkombinationen hindurch. Zunehmend kann man sich aber auch von immer besser werdenden Vorlesegeräten alles gut portioniert vorlesen lassen, denn das macht den Alltag schnellebiger. Als ich nach einer Augenoperation plötzlich blind wurde, dachte ich mir, meine Finger hätten auch das Augenlicht verloren, denn ich konnte irgendwie kaum diese Erhöhungen ertasten. Der Schock sass tief, als ich erkannte, dass mein Gehirn zum ersten Mal nicht alleine die Arbeit übernehmen musste, sondern meine Hände. Und so beherrsche ich die Brailleschrift heute noch nicht ganz, kann mich jedoch wie ein Anfänger durch die Punkte graben. Übrigens liest man diese Schrift vorzugsweise mit dem Zeigefinger und dem Mittelfinger, ich habe jedoch schon Leute kennengelernt, die besitzen im kleinen Finger mehr Gefühl. Auf dem Weg zu mehr Toleranz sollten wir den Tag der Blindenschrift feiern, denn ich kämpfe dafür, dass Blinde wie Sehende in der Gesellschaft wahrgenommen werden, und nicht wie Leute, denen man distanziert begegnen muss. Einst erzählte mir jemand, er hätte gehört, von Blinden und vom Leben gezeichneten Menschen muss man sich in Acht nehmen. Seither nehme ich mich vor dieser Person in Acht, damit ich meine letzte Lebensfreude nicht verliere. Die Barrierefreiheit ist wichtig, wenn wir alle in einer Gesellschaft zusammenleben möchten.

Die Braille-Zeile zum Ertasten der Blindenschrift

Wer mit dem Computer arbeitet, mit elektronischen Geräten, der benötigt eine elektronische Braille-Zeile, mit welcher er den ausgegebenen Text auch manuell, per Hand lesen kann. Die Punkte auf dieser Spezialzeile heben und senken sich, je nachdem, welches Wort, welcher Satz angesteuert wird. Man kann damit Rechtschreibfehler vermeiden, neue Wörter auf ihre Richtigkeit überprüfen, denn man ertastet hiermit jeden einzelnen Buchstaben. Das Gehirn vergisst leicht, wie die Wörter aussehen, wenn man sie selten sieht, oder wenn man sie nicht täglich selber schreibt. Man muss schon sehr gut in Sachen Orthographie und Rechtschreibfehler sein, um nach einer Erblindung über Jahre hinweg noch eine gute Rechtschreibung aufrecht zu erhalten, ohne je die Wörter wiedergesehen oder ertastet zu haben. Mit Hilfe der Braille-Zeile gelingt es, seine Rechtschreibung zu trainieren, auch wenn heute im Alltag alles von den Screenreadern vorgelesen wird.

Screenreader - Lesegerät für Blinde und Sehbehinderte

Ein Screenreader kommt wortwörtlich aus dem Englischen und heisst grob übersetzt Vorlese Software, Sprachausgabe Software. Es ist ein Lesegerät in Form einer PC oder Handy Software, mit der Blinde und Sehbehinderte optische Elemente akustisch ausgeliefert bekommen. Neutral ausgedrückt ist ein Screenreader ein Vorlesegerät, mit dem man Text und Bilder in Sprache umgewandelt bekommt, mit dem man nichts selber lesen und sehen muss, da man alles häppchenweise für die Ohren präsentiert bekommt, ein Augenersatz eben.

Für Sehbehinderte lässt sich allerdings die Schriftgrösse durch eine virtuelle Lupe so vergrössern, dass man sie wie durch eine Lupe sehen kann. Bitte, das ist praktisch, denn so können auch Sehbehinderte Bilder noch optisch begreifen, wenn das Bild durch die vergrössernde Lupe angesehen wird. Für vollständig Erblindete kann man eine Braillezeile an den Computer anschliessen, damit man mit dem Screenreader auch die Blindenschrift, die Brailleschrift ertasten kann.

So eine Vorlese Software für Blinde und Sehbehinderte kann einiges. Man bedient den Screenreader mit der Tastatur des Computers, notfalls auch mit den Tasten und Feldern des Handys, wenn es sich um einen Screenreader für ein Smartphone handelt. Die Maus eines Computers ist überflüssig. Wenn man die kleinen Befehle, die man per Tastatur eingibt, erlernt hat, kann man die Sprachsoftware gut steuern. Man kann mit ihr Texte und Bilder bearbeiten, Exel-Tabellen erstellen, E-Mails schreiben, im Internet surfen, seinen gesamten Arbeitsplatz managen, auch wenn man als Blinder ein lausiger Graphiker wird, da alles Optische verschwindet

Im Grunde liest jeder Screenreader all das, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, von oben links nach unten rechts herunter. Sobald sich das Internet samt sozialen Netzwerken und Computersoftware jedoch weiterentwickelt, benötigt man auch eine neue Version des Screenreaders, da man sonst mit zunehmenden Einschränkungen rechnen muss. Die Technkik schläft nie.

Es gibt Open Source Screenreader und Profiprodukte, mit denen man sich alles vorlesen lassen kann. Die Software mit dem Namen Cobra wird von der Firma Baum Audio Data, und die Software Jaws von der Firma Transdanubia vertrieben. Weiters existieren noch die Screenreader: Emacspeak, Window Eye, dann noch der nvda, ein kostenloser Screenreader, und einige andere Produkte.

Blindensticker oder Blindenschleife - Was ist besser?

Eine Blindenschleife kennt jeder. Man trägt sie am Oberarm, sie lässt sich gut mit Hilfe eines Klettverschlusses öffnen, schliessen und indivuduell anpassen, und sie rutscht nicht, wenn man sie fest genug anbringt. Die Blindenschleife ist gelb und besitzt drei schwarze Punkte in besonderer Reihung. Und sie kennzeichnet jeden Sehbehinderten und Erblindeten, jeden blinden Menschen optimal, denn man sieht sofort, bereits aus der Ferne, hier bewegt sich ein Blinder. Genau das möchten viele Sehbehinderte nicht, und Menschen mit einer kleinen Sehschwäche finden es manchmal sogar diskriminierend, wenn man ihnen sagt, sie sollten doch bitte eine Blindenschleife tragen, damit man sie erkennt.

Es kommt auf die Gefahrenzone an. Auf der Strasse ist die Blindenschleife ideal, da sollte man sie tragen, besonders dann, wenn man alleine unterwegs ist. In Grossstädten sterben laufend blinde Menschen, weil sie übersehen werden, wenn sie sich einmal unkonzentriert im Strassenverkehr bewegen. Im Einkaufszentrum, besonders wenn man nicht alleine, sondern in Begleitung unterwegs ist, könnte man auf die Blindenschleife verzichten, denn da kann nicht so viel passieren. Im Park, auf der Liegewiese, in geschlossenen Räumen, auf einer Party, im Theater, in der Oper, da kann auch nicht viel passieren, wenn man in Begleitung eines Sehenden ist. Wenn man jedoch alleine durch den Bahnhof geht, ist die Blindenschleife wieder ideal, denn jeder weiss, da geht ein Blinder, und man bekommt auch rasch Hilfe.

Ich freue mich über jede Hilfe, kralle mich verzweifelt an jeder Hand fest, wenn ich unterwegs bin, da ich im Strassenverkehr und auch sonstwo eher vorsichtig bin. Ich trage jedoch selten eine Blindenschleife, weil sie im Sommer juckt, wenn sie direkt auf der nackten Haut liegt, und weil sie sich wie ein Fremdkörper anfühlt. Auf der Strasse und im Bahnhof, im Flughafengebäude, in öffentlichen Orten, wenn ich irgendwo alleine unterwegs bin, trage ich die Blindenschleife aber doch, weil ich nicht lebensmüde bin.

Ein Blindensticker ist dezent, kann wie eine Brosche aufgespicht werden, oder man klebt sich den Sticker auf die Handtasche, auf die Kleidung, auf den Mantel. Solche gelben Sticker mit drei Punkten in schwarz bekommt man in allen Grossen, von klein bis mittelgross und in Übergrösse. Die kleinen Sticker stören nicht, kennzeichnen einen Blinden aber dennoch. Trotzdem sagen viele Leute, so einen Sticker sieht man nicht, und besonders im Strassenverkehr ist er nicht so ideal, weil man damit gerne übersehen wird. Viele Blinde und vor allem Sehbehinderte bevorzugen den Sticker, weil sie sich damit nicht so drastisch stigmatisiert fühlen.

Der Blindensticker mit eingebauter Kamera

Ein Blindensticker ist eine dezente Alternative zur grosszügig am Arm liegenden Blindenschleife. Die drei schwarzen Punkte in gelbem Feld signalisieren, dass ein Mensch sehbehindert ist oder gar mit einer Amaurose, einer vollständigen Erblindung zu kämpfen hat. Der Sticker ist entweder wie eine Anstecknadel zu handhaben, oder selbstklebend. Die zweite Variante ist besser, da sie keine Löcher in der Kleidung hinterlässt. Man fühlt sich mit einem Blindensticker nicht gleich so stigmatisiert, und trotzdem bekommt man ständig Hilfe angeboten, weil der Sticker signalisiert, dass hier jemand mit einem Handicap unterwegs ist. Man erhält ihn in den Hilfsmittelshops bei den Blinden- und Sehbehinderten Verbänden, im Internet oder bei den Hilfsgemeinschaften für Blinde und Sehbehinderte.

Mittlerweile existiert sogar ein Blindensticker mit eingebauter Kamera. Damit lassen sich Videos aufnehmen, akustische Signale und ganze Gespräche aufnehmen, welche man anschliessend auf den PC, aufs Handy oder den Tablet übertragen und weiterverarbeiten kann. Bei uns sind heimlich gemachte Aufnahmen verboten, gelten bei Gericht leider nicht als Beweismittel, und man muss mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn man diese Technik trotzdem öffentlich anwendet. Für den privaten Gebrauch, zur Verinnerlichung eines wichtigen Gesprächs, kann er jedoch hilfreich sein. Man sollte seinen Gesprächspartner jedoch darüber in Kenntnis setzen, dass das Gespräch aufgezeichnet wird. Wenn Blinde beispielsweise beim Arzt oder im Krankenhaus ohne Begleitung ein Aufklärungsgespräch mitverfolgen, so fehlt der optische Eindruck, und hier ist eine Kamera von Vorteil.

Grosse Tastaturen für Blinde und Sehbehinderte

Der Arbeitsplatz am Computer ist eine individuelle Angelegenheit, wenn das Sehvermögen schwindet. Wenn die kleine herkömmliche Tastatur nicht ausreicht, muss eben eine grössere her. Die Tastaturen für Blinde und Sehbehinderte besitzen überdimensional grosse Tasten und sogar eingestanzte Buchstaben, die man mit viel Gefühl ertasten kann. Ich muss wohl Elefantenhände mit einer Art Elefantenhaut haben, denn so richtig kann ich meine Tasten auf der PC Tastatur nicht begreifen und ergreifen.

Auf jeden Fall sollten Sie tippen lernen, denn sonst sitzen Sie den ganzen Tag wie eine Schnecke vor Ihrer Schreibarbeit. Als ich von meinem Zweifinger Suchsystem, mit dem ich erstaunlich schnell war, umstieg auf das trendige Zehnfinger tippen, war ich erstmal überfordert. Ich dachte mir, das lerne ich in einem Tag, denn am nächsten Tag begann meine Arbeit wieder. In zehn Minuten prägte ich mir die Tastatur ein und legte los. Und dann wunderte ich mich, warum das mit dem Tippen so langsam und fehlerhaft voranging.

Mein Korrekturleser wollte den doppelten Stundenlohn haben wegen der hohen Fehlerquote. Für das stupide Üben hatte ich nie Zeit. Wenn ich als Sekretärin gearbeitet hätte, wäre ich bestimmt nur wegen meinem Charme, meiner gut erarbeiteten Oberweite und meinem Po genommen worden. Übrigens können Sie sich Ihre Blindentastatur mit Markierungspunkten bedienungsfreundlicher gestalten, damit Sie nicht immer die falschen Tasten verwenden.

Ich kaufte mir gleich dreidimensionale Sticker und klebte kleine Herzen, Sterne, Äpfel und Birnen auf meine Tastatur, damit ich nicht die Reihen und rechts mit links verwechselte. Heute, Jahre später, kann ich erst richtig tippen und korrigiere meine Texte selber, aber meine Finger sind trotzdem noch so unsensibel wie kleine Klötze.

Hilfsmittel zur Farberkennung für Blinde und Sehbehinderte

Blinde und stark Sehbehinderte benötigen ein Gerät zur Farberkennung, einen Milestone oder Colorino im trendigen Lifestyle Look. Sie möchten doch auch gut aussehen und modisch gekleidet sein. Als ich blind wurde, verschwanden die Farben in meinem Kleiderschrank. Ich habe die Angewohnheit, wenn mir ein Oberteil, ein Kleid oder ein Hosenanzug gefällt, kaufe ich das Teil in allen Farben, die ich bekommen kann.

Jetzt hatte ich ein kleines Problem, viele identische Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank. Ich konnte ja die Kleidung schlecht am Geruch erkennen, wenn doch alles mit Waschpulver gut gewaschen war. Da kaufte ich mir gleich einen Colorino. Damit strich ich mir auch gleich durchs Haar, damit ich sicher sein konnte, dass mir mein Friseur kein billiges Blond in die Haare gefärbt hatte, denn ich bin doch keine Semmel.

Schuhe mit Elektrostimulation für Blinde und Sehbehinderte

Neulich erzählte mir ein Arzt, er hat Schuhe für Blinde gefunden. In den USA werden diese blindengerechten Schuhe produziert und sorgen für mehr Mobilität im Alltag. Sie ersetzen jedoch nicht den Blindenstock, denn man benötigt dafür ein extra Navigationssystem, welches per Handy App am iPhone erhältlich ist.

Die Elektrostimulation liefert kleine elektrische Impulse ans Bein, wenn man in die falsche Richtung geht oder sich ein Hindernis im Weg befindet. Für mich sind diese Schuhe zwar interessant, aber das Design gefällt mir nicht. Ich liebe feminine High Heels, in denen ich nicht laufen kann, bevorzuge Sitzschuhe oder Liegeschuhe fürs Bett, mit extra hohen Absätzen. Im Grunde kann ich nur mit den elektrischen Impulsen der Blindenschuhe nicht umgehen, da mich diese Impulse stören. Der Stock tut schon sein Bestes an mir.

Weitere Hilfsmittel für blinde Menschen

Die sprechende Uhr für Blinde sagt uns immer an, welche Stunde gerade geschlagen hat. Die Modelle kann man sich in jedem Hilfsmittelshop kaufen. Ich kaufte mir gleich zwei Blindenuhren mit Wecker, liess mir aber beim Juwelier ein goldenes und ein silbernes Armband dazu anfertigen, denn manche Uhrenbänder sind gewöhnungsbedürftig.

Ein Gerät braucht der Blinde von heute unbedingt, das ist eine Anzeige für Flüssigkeiten. Stellen Sie sich vor, Sie giessen Wasser, Tee, Kaffee, Saft oder sonstige genussvolle Getränke in einen Behälter. Wie weiss man denn, wann das Wasser oben angekommen ist? Der Wasserstandsanzeiger weiss das genau. Ich habe einen erwischt, der zischt wie eine Schlange. Als ich den zum ersten Mal ausprobierte, erschrak ich, da ich nicht wusste, wie die Schlange in meine Kaffeetasse kam.

Es gibt für jeden Bereich im Leben Hilfsmittel für Blinde. Schauen Sie sich ruhig einmal um. Ach ja, Sie sehen ja nichts, na dann tasten Sie sich einfach einmal durch die Hilfsmittelabteilung in Ihrem Blindenbund. Sprechende Mikrowellen, Waschmaschinen, sprechende Kaffeemaschinen, ja nahezu jedes Haushaltsgerät kann man zum Sprechen bringen. Es ist nur eine Frage des Preises, denn die Geräte sind teuer. Ich habe mir meine Haushaltsgeräte und Küchengeräte so umgestaltet, dass ich si weiterhin blind bedienen kann. Die Waschmaschine bekam Markierungen, die Mikrowelle bediene ich mit der Start-Taste, und die Kaffeemaschine bedient mein Partner, denn wenn ich nach Gefühl dosiere, kann den Kaffee niemand trinken.

Sehen ohne Augen - nur mit dem Gehirn

Im Grunde sieht man mit dem Gehirn, da die Augen wie eine Kamera zur Aussenwelt agieren. Das Gesehene wird jedoch im Gehirn verarbeitet. Ein Blinder kann seine optische Kamera zur Aussenwelt zwar nicht mehr betätigen, er kann jedoch seine verbliebenen Sinnesorgane wie Haut, Ohren, Nase, Geschmackssinn, Tastsinn, Geruchssinn, dazu verwenden, um Bilder im Gehirn zu kreieren und sich das Gesehene vorzustellen. Mit Visualisierung und Imagination, mit verschiedensten Techniken wie beispielsweise der Schnalztechnik, lassen sich optische Bilder in akustische oder in imaginäre Bilder umwandeln. Mittels des Brainports kann man die Bildgebung sogar schmecken, da dieses Verfahren es zulässt, dass das Bild symbolisch gesehen auf der Zunge prickelt.

Das bionische Auge

Die Entwicklung des sogenannten bionischen Auges hat bis jetzt mehrere Forschungsstufen durchwandert. Zuerst entwickelte man einen Netzhaut-Chip, der die Netzhaut so stimulieren sollte, dass die Probanden Umrisse und grössere Gegenstände erkennen konnten und sich somit besser in fremder Umgebung orientieren konnten.

Das derzeit laufende Forschungsverfahren geht in die Richtung eines vollständigen Auges. Mit Hilfe des 3D-Drucks kann man Sinnesorgane, innere Organe, Gliedmaßen und ganze Körperteile ausdrucken. Sie erleichtern das Leben enorm und beheben eventuelle Handicaps. Das vollständige bionische Auge reagiert mittels elektromagnetischer Energie, elektronischer Energie und vermittelt dem Gehirn Lichteinflüsse, sodass ein Sehen wieder möglich wird. Spezielle, gut leitende Materialien werden für den 3D-Druck verwendet. Bisher konnte die Technik der bionischen Augen nur an Menschen ausprobiert werden, die vorher gesehen hatten und im Laufe des Lebens erblindeten. Für Geburtsblinde entwickelt man fortlaufend andere Methoden, da sie die Welt anders wahrnehmen als Sehende. Wenn das bionische Auge erst einmal vollständig ausgereift ist und als Ersatz für ein Glasauge eingesetzt werden kann, ist es möglich, dass Blinde und Sehbehinderte wieder ein normales Leben führen können, ohne mit einem Handicap konfrontiert zu werden.

Alternative Ansätze für Sehhilfen

  • Sehen mittels der Haut. Unsere Haut ist empfindlich, da gibt es Stellen, die man nur am Freikörperkulturstrand sehen darf, die sind am empfindlichsten, aber die sind auch vollkommen ungeeignet zum Sehen. Die Augen im Dekollete sind vorwiegend zum gesehen werden da. Und trotzdem bin ich der Meinung, dass man auch diese empfindlichen Stellen auf eventuelle Reizbarkeit austesten kann. Reizend sind sie ja schon mal. Stellen Sie sich all die Körperstellen vor, die nur der eigene Partner sehen darf.
  • Eine nächste Idee in der Augenforschung wäre, dass man unter das Glasauge einen Chip implantiert, oder eine Folie aufs Glasauge legen würde. Somit kämen Glasaugen und das nicht mehr vorhandene Auge im Hintergrund in Berührung. Die würden sich wunderbar ergänzen, nahezu liebkosen. Das wäre die beste und ästhetischste Lösung für das Sehen ohne Augen. Nachts kommen Glasaugen meistens auf den Nachttisch neben die dritten Zähne, da sieht man dann nichts. Ich wäre dann die Ausnahme, denn ich gebe meine Glasaugen fast nie heraus, die bleiben jahrelang an Ort und Stelle. Das liegt bestimmt daran, dass ich keine dritten Zähne besitze.
  • Weitere Vision: Die Folie am Rücken, da ist viel Fläche vorhanden, an der man reizvolle Punkte erwischen kann, die das Gehirn stimulieren. Natürlich wären dann die Bikinizeiten etwas eingeschränkt, aber einst erzählte mir doch glatt jemand, man kann sich auch einen hübschen Einteiler im Sommer anziehen. Haben Männer Ahnung von weiblicher Eitelkeit?
  • Die nächste Idee wäre ein Armband, welches eng am Handgelenk liegt. Ich würde mir dann eines mit Edelsteinen kaufen, oder doch lieber reich heiraten.
  • Liebe Augenforscher, haben Sie schon einmal an den Hals gedacht? Also ich habe meinen Hals für mich entdeckt, als ein vermenschlichter Vampir mich derart gebissen hatte, dass ich eine Woche lang mit einem Halstuch durch die Gegend lief und der ganzen Welt einen kleinen Schnupfen vorspielen musste. Diskretion und der Heiligenschein sind wichtig für eine oberflächlich funktionierende Gesellschaft. Am Hals sind extrem viele empfindliche Punkte, die das Gehirn stimulieren. Ich wollte schon immer ein edles Collier tragen, mit Diamanten besetzt. Hoffentlich wird daraus nicht einfach nur ein Hundehalsband mit meinem Namen drauf: Sponsor Elisabeth Putz, die mittlerweile auf vier Beinen kriecht. Jedenfalls könnte man den Hals zur optischen Stimulation nutzen und eine Kette als Augenersatz erfinden.
  • Eine verrückte Idee wären die Fusssohlen. Da könnte man förmlich auf seinen Augen laufen. Das wäre fast wie ein Herzschrittmacher, ein Hamster, der auf seinem Hamsterrad das Herz ankurbelt. Ich stelle mir gerade den Fitnesseffekt vor, wenn man laufen muss, um etwas zu Sehen. Wirklich, das ist eine gesunde Idee zum Sehen mit dem Gehirn.
  • Die Kopfhaut könnte man auch in die Augenforschung integrieren, denn die ist auch empfindlich. Wehe man reizt sie, dann lässt sie wie Rapunzel die Haare herunter. Mein Friseur sagt immer, man darf die Kopfhaut nicht reizen. Ich sage immer, Haare wachsen wieder nach.
  • Sinnesorgane wie die Zunge sind schon in der Probephase. Nun, die Augenforschung kommt auf viele verzweifelte Ideen, aber jedes Sinnesorgan erfüllt seinen Zweck und ist damit im Leben voll ausgelastet. Wir kennen die Langzeitfolgen nicht, wenn eines der kleinen Sinnesorgane das Sehen zusätzlich übernehmen soll. Ausserdem sieht der zwischenmenschliche Bereich arm aus, wenn die Zunge Sehen muss. Wie soll man dann noch seine kleine, im Hintergrund verschwindende Affäre küssen können? Andererseits, was muss man im dunklen Besenkämmerchen oder im Hotelzimmer noch grossartig sehen können? Ich wusste es immer schon, das Hotelzimmer und die Besenkammer sind wahrlich gefährliche Räume.
  • Eine neue Idee, welche die Pharmakonzerne bereichern würde, wäre die orale Sichtweise. Jetzt kommen Sie bitte nicht auf die Idee, dass dieses Phänomen etwas mit der Besenkammer zu tun hat. Ich meine damit Tabletten oder Kapseln, die wie die Pille eingenommen werden können. Gut, meine Pille klebt für alle sichtbar am Po, ich traue mich schon gar nicht mehr ins Schwimmbad. Vielleicht sollte ich doch einmal über einen schicken Einteiler wie in Omas Zeiten nachdenken. Auf die Idee mit dem Augenmedikament bin ich gekommen, weil ich wieder die Nahrungsergänzungsmittel Ocuvite Complete nehme. Als ich keine Augen mehr besass, dachte ich, jetzt bräuchte ich sie nicht mehr, aber als meine elendslangen und stolzen Fingernägel brüchig wurden, überlegte ich mir die Einnahme der Kapseln wieder. Als dann meine Kopfhaut verrückt spielte und ich meine Haare empfindlich schneiden lassen musste, nahm ich sie wieder.
  • Eine weitere Utopie wäre es, das Gehirn mittels eines Chips zu stimulieren. Auf die Idee kam ich, als ich mit meinen zwei Glasaugen Phantombilder sah, die bis heute als reine Phantomschmerzen anhalten. Voila, meine nicht vorhandenen Augen entwickelten wahrlich utopische Phantombilder. Ich sehe mir im Moment gerade imaginär Schneewittchen im Gehirn an. Ich weiss, den Film kann ich mir noch nicht aussuchen, denn ich würde mir auch lieber "Der Teufel trägt Prada" ansehen.

Sehen ohne Augen - Gehirn-stimulierende Materialien

Alle meine Ideen haben ein Ziel: Die Ästhetik steht im Vordergrund, denn wir wollen ja für ein bisschen Sehkraft nicht gleich den Körper optisch sichtbar so verunstalten, dass eine zweite Behinderung dabei heraus kommt. Alle Ideen beruhen darauf, dass man das Gehirn stimuliert, denn wir sehen ja mit unserem Gehirn. Wir müssen einen Kanal zur Aussenwelt schaffen, einen Augenersatz, eine sogenannte Kamera, die als aufgehende Sonne das Licht der Welt erblickt. Und so könnten folgende Materialien als Augenersatz dienen:

  • Metall, denn Metall leitet immer gut. Am besten Edelmetalle, denn Gold, Silber und Platin sehen edel aus.
  • Folien, denn darauf reagiert die Haut unbedingt und ausreichend zuverlässig.
  • Hautähnliche Substanzen, denn wenn uns andere Menschen anfassen, spüren wir das intensiver, als wenn wir uns selbst angrabschen. Kitzeln Sie sich einmal selbst. Lachen Sie dabei? Aber kitzeln Sie mich niemals, denn da treffen Sie bei mir auf einen empfindlichen Nerv.
  • Substanzen aus der Natur, denn in der Natur ist Leben. Gut, im Reagenzglas entsteht auch Leben, aber die Natur kann man niemals eins zu eins nachbauen. Etwas fehlt immer.

Sehen mit dem Gehirn

Man sieht ja mit dem Gehirn. Das Auge dient als Kanal, als Fotokamera, als leitungsfähiger Draht zwischen Aussenwelt und Gehirn. Wenn beispielsweise bei einer Augentfernung der Sehnerv abgeklemmt wird, können Phantombilder entstehen, weil das Gehirn glaubt, es sieht weiterhin.

So könnte man sein Unterbewusstsein nutzen, um das Gehirn zum Sehen zu bringen, wenn man vollständig erblindet. Mein Gehirn hatte sich an die schwindende Sehkraft fortwährend gewöhnt, als ich damals an grünem Star erkrankte, und so konnte ich mit 5% Sehkraft noch Bilder bearbeiten und am PC pixelgenau arbeiten.

Bewusst kann man sich sein Unterbewusstsein programmieren, alte Verhaltensmuster aussortieren, neue Lebensqualität einprägen und positiv denken. Auf Dauer werden jedoch diese Affirmationen und positiven Sätze, die man täglich mehrere hundert Mal vor sich hinspricht, langweilig, direkt anstrengend. Ein Blinder tut jedoch alles für seine wiederkehrende Sehkraft, wenn er einmal im Leben gesehen hat.

Kann man in seinem Unterbewusstsein das Gehirn so steuern, dass man damit ohne funktionierende Augen die Umwelt wieder sieht? Das Unterbewusstsein wird auch nur vom Gehirn gesteuert, da wir unbewusst doch alles irgendwie bewusst steuern. So könnten sich Unterbewusstsein und Gehirn gegenseitig beeinflussen.

Durch Visualisierung, Suggestion und reine Imagination entstehen ganze Welten im Kopf, die unser Denken und Handeln beeinflussen. Durch das Ressonanzgesetz zieht man dann all die Dinge und Gegebenheiten in sein Leben, die man ausstrahlt. Aber das Gehirn kann nur das wiedergeben, was es einmal gelernt hat, und so werden reale Bilder nur soweit visualisiert werden, wie sie mit gesunden Augen wahrgenommen werden. Neue reale Eindrücke entstehen nicht, wenn der Sehsinn fehlt.

Erfahrungen mit dem Sehen mittels Gehirn

Da ich blind geworden bin, habe ich aus Spass gesagt, dass ich mir ein Auge im Unterbewusstsein züchte. Ab diesem Moment haben sich einige Dinge in meinem Leben geändert. Seit ich sage, meine Augen sind vollkommen gesund, und ich sehe alles wunderbar, sind alle Menschen attraktiv und wunderschön geworden.

Ich habe mir überlegt, wenn man sich in seinem Unterbewusstsein alles vorstellen kann, was sich im Leben dann auch verwirklicht, dann kann ich mir auch ein gesundes Auge im Unterbewusstsein züchten, vielleicht auch zwei. Und so startete ich mein Augen Experiment. Wir werden sehen, wie sich die Sache entwickelt. Bei meinen letzten Augenoperationen war ich visuell gesehen schon direkt an der Grenze zum Limit, aber ich lebe ja ohnehin immer ein wenig nahe an der Grenze zum Grössenwahnsinn.

Auf jeden Fall dachte ich mir, ich könnte doch zu Hause bleiben, man bräuchte doch nur mein Auge in den Operationssaal schicken. Ab diesem Zeitpunkt kam mir die Wahnsinnsidee in den Kopf, ein Auge zu transplantieren. Was etwa die kleine Ratte dazu sagt, wenn eines Tages die ersten Experimente in dieser Richtung an ihr vollzogen werden? Wir sagen der Ratte lieber noch kein Wörtchen, sonst sucht sie das Weite. Übrigens wollte neulich der Maulwurf die Barbie heiraten, aber die Hochzeit kam nicht zu Stande, denn der Maulwurf fand mit Blindenstock und Blindenschleife nicht zum Traualtar.

Meine Mutter sagte, sie würde mir ein Auge spenden. Lieber nicht, sonst sehe ich womöglich die Welt mit ihren Augen, nein Danke, dann wäre bei mir zu Hause jeden Tag Regen und schlechtes Wetter. Das Auge ist ein wahrlich komplizierter Apparat, kein Wunder, dass hier die Natur bei vielen Menschen Fehler in der Produktion macht. Schon wegen der Kompliziertheit müsste man die Natur überlisten oder nachbauen können. Hoffentlich dauert es nur noch ein paar Jahrzehnte. Neulich träumte ich, dass mein Projekt für die Augenforschung Früchte trug, das erste Auge transplantiert wurde, aber ich bekam im Traum leider bereits meinen Nachruf in den Medien.

Naja, glücklicherweise wacht man aus solchen Träumen wieder auf und findet sich in der Realität wieder. Ich war zu diesem Zeitpunkt wie immer verliebt, denn ich schwanke von einer Verliebtheit in die nächste, sodass mir Alpträume nicht den süssen Schlaf rauben.

Jetzt habe ich mir über Monate hinweg in meinem Unterbewusstsein überlegt, wie ich wieder sehen könnte. Ich habe mir in meinem grenzenlosen Grössenwahn eingebildet, wieder zu sehen. Die Menschen in meiner Umgebung sind unheimlich schön und attraktiv geworden. Nun haben sich weitere Türen geöffnet. Ich liess mir nach reiflicher und wochenlanger, schmerzhafter Ãœberlegung mein letztes Auge entfernen.

Blind und hässlich, mit Schmerzen verziert, das wollte ich nicht sein, wenn ich die Wahl hatte, blind und schön zu sein. Eine schicke Brille kann Augen kaschieren, aber nicht ein schmerzverzerrtes Gesicht. Der Maulwurf will ja auch ständig die Barbie heiraten und arbeitet eifrig daraufhin. Ich besitze jetzt zwei blaue Glasaugen, und mein Augenprothetiker hatte jede Menge zu tun mit mir. Gut, wenigstens die Augenfarbe konnte ich mir aussuchen, denn mit zwei himmelblauen Augen wirkt der Augenaufschlag besser, wenn man seine Wünsche durchsetzen möchte.

Jetzt arbeitet mein Unterbewusstsein wieder fleissig auf das optimale Sehvermögen hin. Gut, ich habe Körperstellen an mir entdeckt, die so empfindlich sind, dass man sie zum Sehen bringen könnte. Sie kennen bestimmt die empfindlichen Stellen am Körper, die man zum Vibrieren bringen kann, wenn man weiss, wo und wie man sie anfassen muss. Ich vertiefe dieses heikle Thema ohnehin nicht, denn nachts schlafe ich meistens auf meiner Bettseite.

Muss man immer mit den Augen alleine sehen? Man sieht doch mit dem Gehirn, und da könnten die Augenforscher ansetzen und sich an die Arbeit machen. Im Unterbewusstsein kann man sich alles vorstellen, imaginär sehen lernen, aber die realen Augen kann kein Unterbewusstsein der Welt erschaffen, da kann man noch so bewusst oder unbewusst visualisieren. Und so bin ich nur zur Hälfte gescheitert, denn immerhin habe ich mir neue Lebensqualität mit dem Visualisieren erschaffen.

Wie sehen blinde Menschen?

Blinde Menschen sehen das Wesentliche, und trotzdem ist es schwer, als Blinder im Alltag schnell voranzukommen. Als ich blind geworden war, dachte ich mir, es gibt wahrlich nichts Schlimmeres, denn ich bin ein visueller, optisch eingestellter Mensch. Wenn man mitten im Leben erblindet, muss man vieles neu erlernen, sich umorientieren, und genau das war für mich fast unerträglich.

Blinde sehen mit den Ohren, mit Händen, mit der Nase, mit ihren Geschmacksnerven und mit dem siebten Sinn, wobei mir letzteres fehlt, denn ich bin wie ein Klotz im Leben. Genau diese Sinne könnte man in der Augenforschung nutzen, um für Blinde und besonders für Geburtsblinde mehr Lebensqualität zu sichern. Eine Augentransplantation, ein Kanal zur Aussenwelt, der mit dem Gehirn verbunden ist, lässt sich in naher Zukunft nicht so leicht für alle Blinden realisieren, aber technische Hilfsmittel könnten in der Forschung vorangetrieben werden.

Einige Menschen sind ja auch von Geburt an blind. Diese Menschen werden sich winden und wundern, wenn ihnen eines Tages das Augenlicht geschenkt werden sollte. Was fangen sie bloss mit den visuellen Reizen an? Da bekommt der Apfel in der Hand eine ganz andere Dimension. Die müssten wie Kleinkinder lernen, wie die Welt aussieht. Auf die Idee, dass man mit seinem optischen Sehen nichts anfangen könnte, brachte mich ein Experiment, welches an einem Geburtsblinden durchgeführt wurde. Durch eine neue Augenoperation bekam er sein Sehvermögen, und er konnte mit der optischen Welt zuerst gar nichts anfangen, war vollkommen überfordert damit. Ausserdem galt er ab diesem Zeitpunkt als gesund und musste sich neu in der Arbeitswelt orientieren.

Sehforschung für Blinde

Für Geburtsblinde würde ich persönlich andere Aspekte in der Augenforschung bevorzugen. Das Sehen mit dem inneren Auge, mit dem Gehirn alleine. Wir brauchen hier beispielsweise keinen visuellen Kanal zur Aussenwelt zu erschaffen, denn das wäre jetzt übertriebener Eifer. Geburtsblinde sehen mit ihren anderen Sinnesorganen. Hier könnte man beispielsweise die Ohren noch mehr sensibilisieren, den Tastsinn verstärken und die Mobilität verbessern. Die Schnalztechnik, mit der Blinde ihre Umwelt haargenau durch ein Zungenschnalzen wahrnehmen, ist beispielsweise eine hervorragende Möglichkeit, als Blinder alleine in unbekannten Gegenden unterwegs zu sein. Ein Blinder in den USA kann damit sogar Radfahren und sich wie ein Sehender orientieren.

Neulich erzählte ich einem Freund, dass ich gerne ein Gerät hätte, mit welchem Vollblinde alleine einkaufen gehen könnten. Dann könnte man durch eine Kamera die frischen Bananen ans Gehirn geliefert bekommen. Mein Freund schüttelte den Kopf und meinte, ich sollte weiterträumen. Er kann sich nicht vorstellen, alleine einkaufen zu gehen, da er fest davon überzeugt ist, dann zu lange zu brauchen. Und ich kann es mir doch vorstellen, weil ich gerne nach frischen Bananen greife. Irgendein Augenforscher könnte jetzt wahrlich endlich auf diese Idee reagieren und mich anrufen. Ich setze mich inzwischen neben mein Telefon und warte auf den Anruf. Lassen Sie mich bitte nicht verhungern, denn mein Telefon steht im Büro und dort gibt es keine Bananen.

Mehr Mobilität für Blinde

Blinde haben jetzt wahrlich schon eine grosse Auswahl an Hilfsmitteln, und doch sind viele Geräte nicht oder kaum bezahlbar und müssen noch verbessert werden. Die Farberkennung ist noch nicht sehr ausgereift, so weiss ich nie, welcher rote Schal wirklich zu einem meiner roten Hosenanzüge passt. Ein Farberkennungsgerät mit Stilberatung wäre hier ideal. Das menschliche Auge sieht wirklich alles, manchmal auch das, was es besser nicht sehen sollte.

Und so könnte man das Auge für Blinde durch Geräte ersetzen, die technisch sehen können und das Visuelle entweder verbal ausspucken oder durch Elektrostimulation ans Gehirn weiterleiten.

Wie wäre es mit einem guten Navigationssystem für Blinde, damit man zentimetergenau alles findet. Der vibrierende Blindenstock hilft uns, nicht immer gegen alle Gegenstände zu knallen, denn er meldet sich, wenn eine Sache im Weg steht.

Die vibrierende Armbanduhr würde beispielsweise in Räumen merklich voraussagen, wo jetzt der nächste Tisch und der stehende Sessel sich befinden. Da könnte man dann ohne Blindenstock in die Oper gehen. Zu meinem langen feuerroten Kleid passt mein weisser Blindenstock nur dann dazu, wenn ich meine weisse Perlenkette anziehe. Haben Sie etwa auch schon meine Tiefsinnigkeit unter meiner prallen Oberflächlichkeit entdeckt? Ja, ich setze mich auch für verbesserte Hilfsmittel für Sehbehinderte und Blinde ein, die mehr Lebensqualität bringen.

Übrigens, brauchen wir noch unbedingt einen Barcodeleser, denn am Markt befindet sich ein Gerät für 2000 Euro. Für dieses Taschengeld lasse ich mir einen persönlichen Assistenten vorbeikommen, der mir sämtliche Dosensuppen und CD Beschriftungen vorliest. Ein Barcodeleser ist wichtig, aber sogar die Geräte für den Handel kosten weniger. In meinem nächsten Leben werde ich Barcodeleser, ein Scanner für die Kassen im Supermarkt. Was für ein idealistischer Beruf, das passt zu mir.

Wenn Blinde die Ohren als Augen nutzen

Was bitte haben die Ohren mit den Augen zu tun? Nun, die Fledermaus weiss beispielsweise immer, wo sie sich befindet und in welche Haare sie fliegen muss. Das steuert sie mit den Ohren, denn die Fledermaus ist blind wie Paul der Maulwurf. In den USA hat sich ein Trainer darauf spezialisiert, mit einer ganz bestimmten Schnalztechnik die Ohren so zu schulen, dass sie förmlich zu Augen werden.

Der fährt sogar mit seinem Fahrrad durch den Wald. Nun, ich bevorzuge die möglichst stummen Varianten und möglichst unsichtbaren Elemente, um mich zu orientieren, denn ich möchte nicht nach meinem Wasserglas und meiner Kaffeetasse schnalzen müssen. Ich rede viel lieber um den heissen Brei herum. Die Schnalztechnik kann man erlernen und üben. Ich habe mir überlegt, diese Schnalztechnik vielleicht durch elektronische Reize auszutauschen. Die Elektrostimulation für das Ohr. In diese Richtung könnten sich Augenforscher auch orientieren.

Brainport - Sehen mit Zunge und Gehirn

Der Brainport, die neue Brille für Blinde, das neue Sehen ohne Augen. Können Sie sich vorstellen, mit Ihrer Zunge zu sehen? Ich rätsle noch, wie ich dann meinen Liebsten küsse, mich beim Essen artikuliere und meine verbal zappelnde Zunge zügle, wenn ich dann doch die Zunge als Augenersatz brauche. Trotzdem arbeiten Forscher an der Brainport Studie.

Ich möchte mich, wenn es möglich ist, als Probant diesem Team anschliessen, denn ich bringe wahrlich gute Voraussetzungen mit. Ich kann mir alles einbilden, habe ein gutes Visualisierungsvermögen, wenn ich beispielsweise meine Orangenschokolade so lange anvisiere, bis sie verschwindet, und ich bin blind. Einen besseren Probanden als mich findet man ja kaum. Wahrscheinlich werde ich aber eher die Forschung verschlafen und so einen Brainport erst nutzen, wenn er schon längst am Markt ist.

Der Brainport ist eine neue Erfindung in der Augenforschung. Er ermöglicht es Blinden mittels ihrer Zunge wieder ein wenig zu sehen. Auf der Zunge lutscht man eine Art Lolli, der Bilder ans Gehirn liefert. Mit einer Brille und einer kleinen Kamera ist dieser Lutschlolli verbunden.

Durch die Zungenstimulation kann der Blinde dann mit ein wenig Übung seine Umwelt wahrnehmen. Im Moment sieht man damit aus wie Puck die Stubenfliege, aber es gibt ja immer noch die Chance, dass diese Geräte kleiner und unsichtbarer werden. Man sieht ja nicht mit dem Auge alleine, sondern mit dem Gehirn. Die Augen sind ja nur der Lieferant für die Weltbilder, für alles, was wir sehen. Wenn die Augen nicht mehr funktionieren, muss eben ein anderes sensibles Sinnesorgan gefunden werden, womit man sehen kann. Im Moment werden die Bilder der Umwelt in schwarz weiss ausgegeben, aber neulich erarbeitete man sich damit auch Farbbilder.

Alternativen zum Brainport

Richtig brauchbare Alternativen zum Brainport existieren noch nicht sonderlich viele. Einige Forscher tüfteln an einem Chip, der ins Gehirn eingeschleusst wird, der die Augen ersetzen soll, aber dies ist wieder mit einem Eingriff in den Körper verbunden.

Ich habe mir überlegt, muss es denn eigentlich unbedingt die Zunge sein, mit der man das Hilfsmitel gegen die Blindheit steuert? Ich denke ja nur daran, dass dies beim Küssen stört. Vielleicht findet man ja ein anderes, versteckteres Körperteil, mit dem man seine Sehzellen im Gehirn anregen kann, vielleicht das Ohr? Und das Kabel vom Lolli zur Brille könnte man ja mit einer Art unsichtbarer WLAN Lösung kaschieren. Aber wie reagiert der Gehörsinn darauf, wenn das Ohr doppelte Leistung erbringen muss?

Was kostet der Brainport?

Derzeit kostet so ein Blindenstockersatz ungefähr elftausend Euro und ist noch in der Testphase, also nicht am freien Markt erhältlich. Bis es soweit ist, schwingen Sie bitte geduldig Ihren Blindenstock und laufen Sie nicht in die nächste offene Türe hinein, denn das tut dem Hirn nicht gut. Ich als waschechte Blinde habe bereits Erfahrungen mit halb offenen Türen gemacht, und nachher meine verbal zugespitzte Zunge geschwungen, um zu fluchen.

Der Brainport entwickelt sich ja ständig weiter. So kostet er, wenn ich diesen Artikel, diesen Bericht fertig geschrieben habe, vielleicht schon weniger. Fakt ist, erst wenn er zu einem erschwinglichen Preis erhältlich ist, kann ihn der normale Blinde nutzen, es sei denn, der Brainport wird von den Ländern, dem Staat, den sozialen Einrichtungen gefördert, wenn die Kosten gänzlich oder teilweise übernommen werden.

Sehen mit der Zunge im Test

Jetzt hat der erste Blinde wieder das Licht der Welt erblickt. Mit der Zungenstimulation, einem Chip und einer Brille kann er Gegenstände erkennen. Einmal hatte ich mit einem Augenarzt darüber gesprochen. Ich konnte mir damals nicht vorstellen, dass dies die Zukunft des Sehens werden könnte. Jetzt werde ich erst einmal Tee trinken und die Sache mit dem Sehen mittels der Zunge aussitzen.

Ich sitze gerne Sachen aus, denn viele Dinge regeln sich dann von ganz alleine. Was denken Sie lieber Besucher? Sind Sie zufällig blind und möchten Ihre Geschmacksnerven als neue Augen verwenden? Dann hätten Sie auch beim Essen genussvolle Augenblicke zu erwarten. Ich persönlich warte in dieser Sache noch ein wenig ab, denn meine überdimensionale Vision, die schon fast an den Grössenwahnsinn grenzt, ist eine Augentransplantation.

Dann lasse ich mich auf eine Liste für blaue Augen setzen, denn ich wollte schon immer blaue Augen haben. Manche Leute sagen, ich bräuchte bloss gegen einen Schrank zu laufen, und schon wäre die Sache mit meinen blauen Augen gelöst.

Wie wirkt sich der Sehapparat mittels Zunge, Brille und Chip auf das soziale Leben der Menschen aus? Ich bin beispielsweise ein eitler, etwas eingebildeter und arrogant angehauchter Mensch und könnte mich nur schwer an diese Brille gewöhnen. Ich trug ja schon früher, als ich noch etwas gesehen hatte, Kontaktlinsen, aus reiner Eitelkeit.

Heute achte ich noch peinlichst genau darauf, dass mein Blindenstock optisch zur Kleidung passt. Aber was will man denn von einem Menschen erwarten, dessen grösste Sorge vor seiner letzten Augenoperation war, dass die Haare nicht von einem Pflaster verschluckt werden, und der abgebrochene Fingernagel schnell wieder nachwächst?

Andererseits habe ich Menschen kennengelernt, die Ihre Augentropfen nicht genommen haben, weil ihre Wimpern buschiger wurden. Das wiederum fand ich so fahrlässig, dass es schon weh tat, denn es gibt nichts Besseres, als mit allen möglichen Therapien sein Sehvermögen zu retten. Wahrlich, Eitelkeit ist nur so lange sinnvoll, so lange sie an der richtigen Stelle angebracht wird, denn Eitelkeit kann auch weh tun.

Der Brainport und die Langzeit Auswirkungen auf die Zunge

Was sind die Langzeit Auswirkungen auf die Zunge, auf den Geschmackssinn, wenn der Brainport diese sensiblen Nerven zum Sehen nutzt? Ich habe mir nur kurz Gedanken darüber gemacht, wenn ein Sinnesorgan Teile eines anderen Sinnesorgans übernimmt, dann muss es mehr leisten, als nur seine Hauptaufgabe. Wenn man plötzlich seinen Geschmackssinn verliert, gehen damit Genuss und Lebensfreude verloren. Dann sieht man nicht optimal und leidet an Geschmacksverwirrung. Trotzdem, die Augenforschung ist damit einen Schritt weitergekommen, denn nun könnte man dieses Verfahren ja in andere Richtungen ausweiten und weiterforschen.

Und eine positive Idee ist das Sehen mit der Zunge schon. Immerhin, viele Blinde sehen darin ihre Chance, wieder sehen zu können. Besonders die kleine Gruppe von Blinden mit einer Amaurose könnte damit mehr Lebensqualität erreichen.

Ist der Brainport eine verrückte Vision?

Ob der Brainport in seiner jetzigen Form eine verrückte Vision ist, liegt im Auge des Betrachters. Wenn ich meinen grenzenlos ausschweifenden Sarkasmus bei Seite lasse, so ist diese Erfindung für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Mit zunehmender, langanhaltender Blindheit habe ich bemerkt, nichts ist besser, als wieder sehen zu können, da kann keine Eitelkeit der Welt mithalten.

Der Brainport ist im Grunde eine tolle Idee. Da würde das Sprichwort - Mir hängt die Zunge bis zum Hals heraus - eine ganz neue Dimension bekommen. Da würden manche Menschen ja mit ausgestreckter Zunge herum laufen. Wenn in einer ersten Langzeitforschung keine Gefahr für die Geschmacksnerven, für den Geschmackssinn besteht, dann bin ich dabei, dann probiere ich den Brainport offiziell aus.

 


Elisabeth Putz

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