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Wie lebt man mit Blindheit oder Erblindung?

Brille
Blindheit ist die vollständige Erblindung eines oder beider Augen. Rechtlich gesehen ist man ab ca. 10% Sehrestvermögen blind, obwohl viele Menschen diesen Zustand lange noch nicht als Erblindung wahrnehmen. Die rechtliche Lage variiert je nach Land und Gesundheitssystem.

Blindheit ist ein Zustand, den nicht viele Menschen als angenehm betrachten, und normal sehende Leute sagen oft, sie würden dies nicht aushalten, sie würden sich gleich umbringen. Das sind harte Worte, die ein Blinder kaum aushält, da er sich durch solch erniedrigende Worte degradiert fühlt. Blinde Menschen ertragen ihre Blindheit ganz gut, nehmen die Hilfsmittel zur Kenntnis, leben damit so gut wie sorgenfrei, und sie können genauso wie jeder Sehende die Welt wahrnehmen, nur ein wenig anders. Blindheit ist zwar schlimm, wenn man den Mangel im Leben sieht, sie kann aber auch positiv erlebt werden, wenn man trotz seiner Erblindung das Leben im Griff hat und sich am Leben erfreut.

Menschen, die sagen, ein blinder müsse sich ja glatt umbringen, weil er nichts sieht, die sind dumm, labil, einfältig und haben einen schrecklichen Charakter. Solche Menschen sind selber psychisch krank und brauchen mehr Hilfe von aussen als jeder Blinde.

Wenn Menschen erblinden, bekommen manche von ihnen einen kleinen bis grösseren Schock. Manche bekommen Depressionen. Als ich plötzlich nichts mehr sah, setzte ich mich im Krankenhaus auf die Toilette und heulte eine halbe Stunde lang. Vor der Toilette versammelten sich die Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger. Nach einer Weile kam ich kurz aus der Toilette heraus und fragte, ob jemand aufs Klo muss, dann heulte ich zu Ende und war fertig mit dem Abheulen. Ich erblindete plötzlich knapp nach einer Augenoperation.

Viele Blinde und Sehbehinderte sehen den Mangel, aber glauben Sie mir, es ist günstiger, Sie sehen die Fülle, denn dann sind Sie gleich viel glücklicher. Mir sagte jemand, ich sollte alles ganz langsam angehen. Um Himmels Willen, wenn ich nicht schnell wieder auf die Beine gekommen wäre, hätte ich in Deutschland Hartz 8 beantragen können, da das Hartz 4 nicht mehr ausgereicht hätte. Gott sei Dank lebe ich in Österreich, da ersparte ich mir diesen Weg.

Ich hatte ein Onlineportal samt Büro, Buchhalter und sonstige Kleinigkeiten zu bezahlen, meine private Krankenversicherung meinte, sie versucht es einmal ohne mich, denn das ist wirtschaftlicher, meine Geldreserven fürchteten sich schon davor, richtig aufgefressen zu werden, mein Leben musste weitergehen, und im Krankenhaus bot man mir einen Psychiater an.

Übrigens, auf den wartete ich vergebens, vielleicht sind die Österreicher in diesem Bereich sehr ausgelastet, denn einen Psychiater bekam ich nicht. Ich selbst sah nie den Mangel im Leben, aber für die Resilienzforschung bin ich zu schnell unterwegs, denn dafür konnte man mich noch nicht gewinnen. Lieber Besucher, nehmen Sie Ihre Blindheit nicht so tragisch, andere Menschen tragen eine Zahnprothese, und Sie tragen einen Blindenstock.

Wenn ich über das Positive schreibe, fällt mir das Leben als Blinde nicht so schwer, dann verzeihe ich der krassen Realität, dass es sie gibt, denn die Realität ist so grausam, dass ich sie kaum ertrage. Bitte, das ist die Wahrheit, die ich im Grunde nicht laut ausspreche, sonst fällt mir mein Leben noch schwerer. Wahrlich, als ich erblindete, bekam ich einen Schock, und bis heute bin ich noch ein wenig traumatisiert vom Krankenhaus, in welches ich sehend hineinging und blind wieder heraus kam.

Rehamassnahmen für Blinde und akut Erblindete

Haben Sie sich schon an einen Sticker für Blinde oder eine Blindenschleife gewöhnt? Ich trage so etwas nicht, denn das passt optisch nicht zur Kleidung, dachte ich anfangs, als ich mich weigerte, blind zu sein. Stellen Sie sich vor, Sie tragen ein rosarotes Kleid oder einen roten oder blauen Anzug und dazu die Blindenschleife mit den drei schwarzen Punkten. Damit können Sie am Köllner Karneval teilnehmen. Mittlerweile habe ich mich durchgerungen, hin und wieder einen Blindensticker zu tragen, damit die Leute wissen, dass ich nichts sehe, und nicht glauben, ich wäre nur chronisch betrunken.

Manche markieren Ihre Tasche mit einem Blindensticker, dann ist sozusagen die Tasche blind. Meine kleine Klatschbag war schon immer blind, und meine grossen Taschen hatte ich einst mit Lämpchen ausgestattet, damit ich mein halbes Leben da drin leichter wieder fand. Jetzt spare ich Strom, weil ich die Lampen in der Tasche nicht mehr brauche. Übrigens, Sie sollten über Rehamassnahmen nachdenken.

Informieren Sie sich beim Blindenbund. Ich hatte anfangs keine Zeit, sonst hätte mir mein Buchhalter die Hasenohren langgezogen, denn ich arbeitete drei Wochen nach meiner Erblindung schon wieder. Ich bin ein Workoholic und arbeitete sogar vom Krankenhaus aus, und wenn ich bei meinen Augenoperationen nicht unter Vollnarkose gelegt worden wäre, hätte ich vom Operationstisch aus gearbeitet. Das Arbeiten lenkte mich vom tief sitzenden Schock ab, so konnte ich knapp nach meiner Erblindung besser mit meinem Leben umgehen.

Trotzdem, Rehamassnahmen für Blinde sind wichtig, denn man lernt die Blindenschrift, das Geld zu erkennen, den Alltag leichter in den Griff zu bekommen, und man lernt, sein eigener Koch zu sein, aber Haushalt und Kochen lag mir wahrscheinlich noch nie, denn ich hatte schon als Studentin meine eigene Putzfrau. Probieren Sie es aus, in jedem Land gibt es Rehazentren für Blinde.

Das Leben mit Erblindung

Ich habe gehört, Geburtsblinde finden sich leichter im Leben zurecht als Leute, die mitten im sehenden Leben erblinden. Ich weiss nicht, ob ich dies so glauben kann, denn für mich war das Visuelle immer die erste Anlaufstelle, ich bin ja heute noch ein optisch geprägter Mensch. Ich schalte den Fernseher ein und schaue mit meinen zwei Glasaugen auf den Bildschirm, und wehe, es steht jemand im Weg. Ich visiere heute noch alles an und schaue den Leuten beim Gespräch in die Augen. Bitte, seit ich blind bin, sind alle Menschen schön geworden, direkt makellos, denn den Sinn für innere Schönheit habe ich noch nicht entwickelt, ich übe noch.

Eines Tages fuhr ich mit dem Taxi, der Taxilenker brachte mich ins falsche Gebäude, wir gingen wieder hinaus, ich bezahlte ihn, er meinte, er parkt nur kurz sein Taxi um, und weg war er. Da kam ein Mann von hinten an und meinte: Ich bring Sie um die Ecke. Ich erschrak, meinte, bitte nicht, ich will leben. Der Mann lachte, nahm meine Hand und meinte: Ich habe Sie gerade eben gesehen, sie waren im falschen Gebäude, ich bringe Sie ins Richtige, das steht gleich hier um die Ecke, der Taxifahrer ist schon weg.

Lieber Besucher, das Leben als blinder Mensch mit einer Amaurose an beiden Augen kann richtig grausam sein. Man muss Taxilenkern vertrauen können, man muss sich auf fremde Menschen verlassen, man ist dem Strassenverkehr und dem Alltag ausgesetzt. Bitte, da kann sogar der grösste Optimist einmal zu jammern beginnen. Trotzdem bin ich heute froh darüber, nur blind zu sein, denn ich hätte bei meiner Augenoperation auch sterben können.

So mobil wie früher bin ich nicht mehr. Ich benötige einen Shopping-Assistenten, damit meine Kleider zu mir passen. Ich kann ja nicht andauernd im roten Negligee herumlaufen. Ich muss mich auf den Modestil der anderen verlassen und hoffen, dass ich damit nicht wie ein verlassenes Ei mit Schale aussehe. Man wirft sich ja gelegentlich in Schale, wenn man top gestylt sein will.

Nach meiner Erblindung hatte ich das Problem, mich nicht mehr ganz als Frau zu fühlen. Und da kreuzte glatt ein Mann den Weg mit mir, der kränkte mich bis auf die Knochen. Das Verhältnis zwischen uns war ohnehin schwierig, und so bot ich ihm meine Freundschaft an. Er wollte die Freundschaft nicht und meinte, ich wäre ja blind, für ihn nicht erotisch genug. Bitte was hat Freundschaft mit Anziehungskraft zu tun?

Jedoch hat mich dieses Erlebnis geprägt, und ich musste mein kellertiefes Selbstbewusstsein wieder mühsam aufbauen. Heute, Jahre nach diesen erniedrigenden Worten, habe ich manchmal noch das Gefühl, behindert zu sein und nicht als Frau zu gelten. Wenn man glaubt, im Bus von einem Mann zum Kaffee eingeladen zu werden, und man bekommt stattdessen seinen Sitzplatz angeboten, dann kann es schon vorkommen, dass man seine Blindheit zum Teufel wünscht. Naja, vielleicht sieht der Mann nicht gut aus, das rettet alles.

Ich muss mich beim Arbeiten auf meine Mitarbeiter und Assistenten verlassen, denn Graphiken und Bilder kann ich nicht mehr selber prüfen. Ob das Design meiner Website tageslichttauglich ist, weiss ich nicht mehr. Aber ich lebe noch, Gott sei Dank.

Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte

Wenn das Augenlicht erst einmal verloren gegangen ist, benötigt man gezielte Hilfsmittel, um gesund und unbeschadet durch die Welt zu gehen. Neulich wurde ein Blinder von einem Auto überfahren. Gesund ist das nicht, wenn ich dies mit meinem hängenden Galgenhumor ausdrücken darf. Und selbst ich habe Angst, aufgrund meines nicht vorhandenen Sehvermögens auf der Strasse übersehen zu werden. Ich hoffe jedes Mal, dass zuerst mein Blindenstock vom Auto überfahren wird, damit ich noch Zeit habe, zur rettenden Seite zu springen. Hoffentlich springe ich dann auf die richtige Seite.

Übrigens gibt es ein Navigationssystem für Blinde, welches bei den Firmen Baum und Transdanubia erhältlich ist. Die beiden Firmen kenne ich, deshalb kann ich sie empfehlen. Mit so einem Navigationssystem finde sogar ich den Weg nach Hause und in mein Lieblingsrestaurant hinein, damit ich nicht verhungere oder verloren gehe.

Sind Sie auch blind geworden? Das kann passieren, aber keine Panik, es gibt Schlimmeres. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden blond werden, beispielsweise im Kopf, dann würden Sie Stroh im Kopf tragen. Nun, mir ist es auch passiert, dass ich rein zufällig blind geworden bin, denn eine meiner Augenoperationen war wohl ein gar schicksalshafter Verlauf. Wenn ich heute an diese Augenoperation zurückdenke, vermute ich glatt, ich bin damals schon blond im Hirn gewesen, sonst wäre dies vermutlich nicht in diesem Ausmass passiert, denn ich trage heute zwei Glasaugen. Die Farbe durfte ich mir aussuchen, blau, das passt zu meinem blondierten Gehirn.

Jetzt trage ich meinen Blindenstock spazieren, oder besser gesagt, er trägt mich. Wenn man die Welt nur noch hören, riechen, schmecken und ertasten kann, braucht man Hilfsmittel für Blinde, damit man wenigstens noch erahnen kann, was man sehen könnte. Viele Menschen sehen in ihrer Blindheit den Mangel des Augenlichtes. Ich sage Ihnen, sehen Sie lieber die Fülle, denn immerhin können Sie noch riechen, schmecken, tasten und hören. Freuen Sie sich, dass Sie noch in Ruhe telefonieren können. Diese positive Einstellung zum Leben ist heute noch eine Herausforderung für mich, ich muss sie täglich neu erlernen, aber schreiben kann man ja gelegentlich darüber.

Blindensticker - Jetzt mit eingebauter Kamera

Ein Blindensticker ist eine dezente Alternative zur grosszügig am Arm liegenden Blindenschleife. Die drei schwarzen Punkte in gelbem Feld signalisieren, dass ein Mensch sehbehindert ist oder gar mit einer Amaurose, einer vollständigen Erblindung zu kämpfen hat. Der Sticker ist entweder wie eine Anstecknadel zu handhaben, oder selbstklebend. Die zweite Variante ist besser, da sie keine Löcher in der Kleidung hinterlässt. Man fühlt sich mit einem Blindensticker nicht gleich so stigmatisiert, und trotzdem bekommt man ständig Hilfe angeboten, weil der Sticker signalisiert, dass hier jemand mit einem Handicap unterwegs ist. Man erhält ihn in den Hilfsmittelshops bei den Blinden- und Sehbehinderten Verbänden, im Internet oder bei den Hilfsgemeinschaften für Blinde und Sehbehinderte.

Mittlerweile existiert sogar ein Blindensticker mit eingebauter Kamera. Damit lassen sich Videos aufnehmen, akustische Signale und ganze Gespräche aufnehmen, welche man anschliessend auf den PC, aufs Handy oder den Tablet übertragen und weiterverarbeiten kann. Bei uns sind heimlich gemachte Aufnahmen verboten, gelten bei Gericht leider nicht als Beweismittel, und man muss mit empfindlichen Strafen rechnen, wenn man diese Technik trotzdem öffentlich anwendet. Für den privaten Gebrauch, zur Verinnerlichung eines wichtigen Gesprächs, kann er jedoch hilfreich sein. Man sollte seinen Gesprächspartner jedoch darüber in Kenntnis setzen, dass das Gespräch aufgezeichnet wird. Wenn Blinde beispielsweise beim Arzt oder im Krankenhaus ohne Begleitung ein Aufklärungsgespräch mitverfolgen, so fehlt der optische Eindruck, und hier ist eine Kamera von Vorteil.

Screenreader - Lesegerät für Blinde und Sehbehinderte

Ein Screenreader kommt wortwörtlich aus dem Englischen und heisst grob übersetzt Vorlese Software, Sprachausgabe Software. Es ist ein Lesegerät in Form einer PC oder Handy Software, mit der Blinde und Sehbehinderte optische Elemente akustisch ausgeliefert bekommen. Neutral ausgedrückt ist ein Screenreader ein Vorlesegerät, mit dem man Text und Bilder in Sprache umgewandelt bekommt, mit dem man nichts selber lesen und sehen muss, da man alles häppchenweise für die Ohren präsentiert bekommt, ein Augenersatz eben.

Für Sehbehinderte lässt sich allerdings die Schriftgrösse durch eine virtuelle Lupe so vergrössern, dass man sie wie durch eine Lupe sehen kann. Bitte, das ist praktisch, denn so können auch Sehbehinderte Bilder noch optisch begreifen, wenn das Bild durch die vergrössernde Lupe angesehen wird. Für vollständig Erblindete kann man eine Braillezeile an den Computer anschliessen, damit man mit dem Screenreader auch die Blindenschrift, die Brailleschrift ertasten kann.

So eine Vorlese Software für Blinde und Sehbehinderte kann einiges. Man bedient den Screenreader mit der Tastatur des Computers, notfalls auch mit den Tasten und Feldern des Handys, wenn es sich um einen Screenreader für ein Smartphone handelt. Die Maus eines Computers ist überflüssig. Wenn man die kleinen Befehle, die man per Tastatur eingibt, erlernt hat, kann man die Sprachsoftware gut steuern. Man kann mit ihr Texte und Bilder bearbeiten, Exel-Tabellen erstellen, E-Mails schreiben, im Internet surfen, seinen gesamten Arbeitsplatz managen, auch wenn man als Blinder ein lausiger Graphiker wird, da alles Optische verschwindet

Im Grunde liest jeder Screenreader all das, was auf dem Bildschirm angezeigt wird, von oben links nach unten rechts herunter. Sobald sich das Internet samt sozialen Netzwerken und Computersoftware jedoch weiterentwickelt, benötigt man auch eine neue Version des Screenreaders, da man sonst mit zunehmenden Einschränkungen rechnen muss. Die Technkik schläft nie.

Es gibt Open Source Screenreader und Profiprodukte, mit denen man sich alles vorlesen lassen kann. Die Software mit dem Namen Kobra wird von der Firma Baum Audio Data, und die Software Jaws von der Firma Transdanubia vertrieben. Weiters existieren noch die Screenreader: Emacspeak, Window Eye, dann noch der nvda, ein kostenloser Screenreader, und einige andere Produkte.

Tag der Blindenschrift

Am 4. Januar ist der Tag der Blindenschrift, welche seit 1825 das Licht der Welt erblickt, selbst wenn man sie im Dunkeln lesen kann. Der Erfinder der Blindenschrift, Louis Braille, ein Franzose, hatte die Idee, durch Punkte, welche Erhöhungen auf weissem Papier bilden, mit dem Tastsinn die Schrift zu ertasten, und so lesen sich die Blinden heute noch mit den Fingern grösstenteils durch die Punktkombinationen hindurch. Zunehmend kann man sich aber auch von immer besser werdenden Vorlesegeräten alles gut portioniert vorlesen lassen, denn das macht den Alltag schnellebiger. Als ich nach einer Augenoperation plötzlich blind wurde, dachte ich mir, meine Finger hätten auch das Augenlicht verloren, denn ich konnte irgendwie kaum diese Erhöhungen ertasten. Der Schock sass tief, als ich erkannte, dass mein Gehirn zum ersten Mal nicht alleine die Arbeit übernehmen musste, sondern meine Hände. Und so beherrsche ich die Brailleschrift heute noch nicht ganz, kann mich jedoch wie ein Anfänger durch die Punkte graben. Übrigens liest man diese Schrift vorzugsweise mit dem Zeigefinger und dem Mittelfinger, ich habe jedoch schon Leute kennengelernt, die besitzen im kleinen Finger mehr Gefühl. Auf dem Weg zu mehr Toleranz sollten wir den Tag der Blindenschrift feiern, denn ich kämpfe dafür, dass Blinde wie Sehende in der Gesellschaft wahrgenommen werden, und nicht wie Leute, denen man distanziert begegnen muss. Einst erzählte mir jemand, er hätte gehört, von Blinden und vom Leben gezeichneten Menschen muss man sich in Acht nehmen. Seither nehme ich mich vor dieser Person in Acht, damit ich meine letzte Lebensfreude nicht verliere. Die Barrierefreiheit ist wichtig, wenn wir alle in einer Gesellschaft zusammenleben möchten.

Grosse Tastaturen für Blinde und Sehbehinderte

Der Arbeitsplatz am Computer ist eine individuelle Angelegenheit, wenn das Sehvermögen schwindet. Wenn die kleine herkömmliche Tastatur nicht ausreicht, muss eben eine grössere her. Die Tastaturen für Blinde und Sehbehinderte besitzen überdimensional grosse Tasten und sogar eingestanzte Buchstaben, die man mit viel Gefühl ertasten kann. Ich muss wohl Elefantenhände mit einer Art Elefantenhaut haben, denn so richtig kann ich meine Tasten auf der PC Tastatur nicht begreifen und ergreifen.

Auf jeden Fall sollten Sie tippen lernen, denn sonst sitzen Sie den ganzen Tag wie eine Schnecke vor Ihrer Schreibarbeit. Als ich von meinem Zweifinger Suchsystem, mit dem ich erstaunlich schnell war, umstieg auf das trendige Zehnfinger tippen, war ich erstmal überfordert. Ich dachte mir, das lerne ich in einem Tag, denn am nächsten Tag begann meine Arbeit wieder. In zehn Minuten prägte ich mir die Tastatur ein und legte los. Und dann wunderte ich mich, warum das mit dem Tippen so langsam und fehlerhaft voranging.

Mein Korrekturleser wollte den doppelten Stundenlohn haben wegen der hohen Fehlerquote. Für das stupide Üben hatte ich nie Zeit. Wenn ich als Sekretärin gearbeitet hätte, wäre ich bestimmt nur wegen meinem Charme, meiner gut erarbeiteten Oberweite und meinem Po genommen worden. Übrigens können Sie sich Ihre Blindentastatur mit Markierungspunkten bedienungsfreundlicher gestalten, damit Sie nicht immer die falschen Tasten verwenden.

Ich kaufte mir gleich dreidimensionale Sticker und klebte kleine Herzen, Sterne, Äpfel und Birnen auf meine Tastatur, damit ich nicht die Reihen und rechts mit links verwechselte. Heute, Jahre später, kann ich erst richtig tippen und korrigiere meine Texte selber, aber meine Finger sind trotzdem noch so unsensibel wie kleine Klötze.

Blindenstock - sicher unterwegs trotz Sehverlust

Wer erblindet, steht vor einer mobilen Herausforderung, denn es verschwindet quasi die gesamte Umgebung optisch vor den Augen des Betroffenen. Man benötigt einen Blindenstock, im Idealfall gleich mehrere, falls einer kaputt geht, und man braucht verschiedene Stöcke für verschiedene Bedürfnisse. Wichtig ist der kleine Taststock für zu Hause, für innere Räume, denn damit kann man sich wunderbar fortbewegen und rollt niemanden über den Haufen. Wichtig ist auch noch der Blindenstock für draussen. Der Gehstock sollte lang sein, deshalb heisst der auch Langstock. Er sollte möglichst bis unter die Achseln reichen, denn man schwingt ihn hin und her, lässt ihn pendelnd vor sich am Boden gleiten, und deshalb darf er nicht zu kurz sein, sonst bemerkt man Hindernisse im Strassenverkehr viel zu spät.

Der herkömmliche Blindenstock ist weiss, passt nicht immer modisch zur Kleidung, aber er erfüllt seinen Zweck. Es gibt Blindenstöcke in allen Varianten und Längen, mit elektrostimulierenden und akustischen Sensoren, mit Rollen am unteren Ende, Teleskopstöcke, Faltstöcke, und es gibt Varianten, die sogar den Kopf schützen, damit man nicht versehentlich in eine Strassenlaterne hineinrennt.

Mit dem Stock sollte man möglichst bald professionell pendeln lernen. Man hält den Blindenstock so, dass man in die vorgesehene Schleife hineingreift, damit der Stock beim Gehen nicht verloren gehen kann. Man hält ihn so vor sich, dass der Zeigefinger auf dem Stock aufliegt, denn so kann man pendeln, ohne dass man einen Muskelkater in den Fingern bekommt. Man pendelt dann hin und her, der Blindenstock bleibt immer in der Mitte, damit man Hindernisse von vorne ansteuert und nicht seitlich rammt.

Der Blindenhund als treuer Begleiter

Ein Blindenhund ist für blinde Menschen zwar kein Ersatz für den Blindenstock, aber dafür eine bequeme Erweiterung der eigenen Mobilität. Er braucht artgerechtes Hundefutter, liebevolle Betreuung, genügend Auslauf, ein gutes Zuhause, und er muss gepflegt werden, denn die Fellpflege ist wichtig, damit das Tier nicht verwildert. Wer eine Hundeallergie hat oder keine Hunde mag, für den ist dieser Begleiter nicht die ideale Wahl. Wer jedoch gut mit seinem Blindenhund zurechtkommt, für den ist er sogar das Tor zur Aussenwelt, denn er knüpft auch unbewusst Kontakte zu anderen Leuten. Einsam ist man mit ihm nie.

Welcher Hund ist geeignet, um als Assistenzhund zu dienen? Der Königspudel ist beispielsweise ein geeigneter Blindenhund. Er ist ein absoluter Hüttenhund, ein Wachhund, ein ausgezeichneter Schwimmer, dessen Revier eigentlich der Wald ist. In der Stadt braucht er im Winter Hundeschuhe, damit seine Pfoten nicht vom Streusalz verwundet werden. Er ist sensibel und einfühlsam genug, um ihn als treuer Begleiter für Blinde und Sehbehinderte auszubilden. Ein Blindenhund bekommt nämlich eine spezielle Ausbildung, bevor er seinen Job als Hund antritt. Er muss einen Blinden im Alltag führen können, ihn auf Hindernisse aufmerksam machen, auf ihn aufpassen und ihm das Gefühl von Sicherheit im Alltag vermitteln. Wenn man mit seinem Blindenhund an der roten Ampel steht, an einer stark befahrenen Kreuzung, so weiss der Hund genau, wann er die Strasse überqueren darf. Ein Langstock alleine ist nicht so zuverlässig, denn ein Blinder hört nur, dass die akustische Ampel das Signal auf Grün gestellt hat, nicht aber, wenn sich ein Auto kurzfristig entscheidet, trotzdem in die Kreuzung hineinzufahren.

Der Hund kostet zwischen 30 000 und 35 000 Euro. Manche Länder übernehmen einen Teil der Anschaffungskosten, aber das ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen einen Teil der Kosten, in Österreich ist die Kostenübernahme nicht geregelt, da muss man sich an das Bundesministerium für Soziales wenden und lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Hilfsmittel zur Farberkennung für Blinde und Sehbehinderte

Blinde und stark Sehbehinderte benötigen ein Gerät zur Farberkennung, einen Milestone oder Colorino im trendigen Lifestyle Look. Sie möchten doch auch gut aussehen und modisch gekleidet sein. Als ich blind wurde, verschwanden die Farben in meinem Kleiderschrank. Ich habe die Angewohnheit, wenn mir ein Oberteil, ein Kleid oder ein Hosenanzug gefällt, kaufe ich das Teil in allen Farben, die ich bekommen kann.

Jetzt hatte ich ein kleines Problem, viele identische Kleidungsstücke in meinem Kleiderschrank. Ich konnte ja die Kleidung schlecht am Geruch erkennen, wenn doch alles mit Waschpulver gut gewaschen war. Da kaufte ich mir gleich einen Colorino. Damit strich ich mir auch gleich durchs Haar, damit ich sicher sein konnte, dass mir mein Friseur kein billiges Blond in die Haare gefärbt hatte, denn ich bin doch keine Semmel.

Schuhe mit Elektrostimulation für Blinde und Sehbehinderte

Neulich erzählte mir ein Arzt, er hat Schuhe für Blinde gefunden. In den USA werden diese blindengerechten Schuhe produziert und sorgen für mehr Mobilität im Alltag. Sie ersetzen jedoch nicht den Blindenstock, denn man benötigt dafür ein extra Navigationssystem, welches per Handy App am iPhone erhältlich ist.

Die Elektrostimulation liefert kleine elektrische Impulse ans Bein, wenn man in die falsche Richtung geht oder sich ein Hindernis im Weg befindet. Für mich sind diese Schuhe zwar interessant, aber das Design gefällt mir nicht. Ich liebe feminine High Heels, in denen ich nicht laufen kann, bevorzuge Sitzschuhe oder Liegeschuhe fürs Bett, mit extra hohen Absätzen. Im Grunde kann ich nur mit den elektrischen Impulsen der Blindenschuhe nicht umgehen, da mich diese Impulse stören. Der Stock tut schon sein Bestes an mir.

Mobilitätstraining für Blinde und Sehbehinderte

Wenn Sie zufällig blind sind, brauchen Sie unbedingt ein Mobilitätstraining, denn Sie möchten ja ab jetzt nicht Ihr Leben in den eigenen vier Wänden verbringen. Als ich blond, ach ich meine, als ich blind wurde, gab es in ganz Kärnten nur einen einzigen Mobilitätstrainer, und siehe da, der hatte nie Zeit für mich, und das bei meinem Charme. Ich trat förmlich wie ein Honig am gleichen Fleck klebend auf der Stelle. Immer wenn er Zeit hat, habe ich keine, aber ich werde meine Mobilität schön brav erlernen, wenn die Zeit dafür reif ist. Bis dahin trete ich fleissig auf der Stelle.

Übrigens lernen Sie in einem Mobilitätstraining alles, was Sie für unterwegs brauchen können, denn Sie müssen ja auch einmal einkaufen gehen. Wenn Sie sich so tolpatschig anstellen wie ich, benötigen Sie natürlich etwas mehr Training.

Ich kann rechts und links kaum unterscheiden, habe eine komische Orientierung, manche Menschen behaupten, dieser Bereich schläft in meinem Gehirn, und wenn ich aus einem Geschäft herauskomme, gehe ich oft in die falsche Richtung. Aber selbst ich bin noch nie verloren gegangen, zumindest hat man mich immer wiedergefunden.

Das Blindenleitsystem für Blinde und Sehbehinderte

Übrigens testete ich mit meinen zwei Glasaugen neulich das Blindenleitsystem. Ich muss sagen, für einen vollblinden Menschen, der nicht einmal mehr hell von dunkel unterscheiden kann, ist so eine Regenrinne eine wahre Herausforderung. Als ich dann noch die Rolltreppe fand, gings nur noch bergauf. Mit dem Test machte ich darauf aufmerksam, dass man diese Regenrinnen und gepunkteten Streusselkuchen-Strassen für Blinde besser und intensiver ausbauen sollte, damit ich demnächst auch unbeschadet nach Hause komme.

Weitere Hilfsmittel für Blinde und Sehbehinderte

In der Schweiz entwickelte ein Programmierer ein Navigationssystem für Blinde. Es mangelt noch an der Umsetzung und an den Strassenkarten, aber wenn dieser Artikel einige Zeit alt ist, gibt es bestimmt die ersten Navigationssysteme für Blinde, oder es gibt neue Augen gegen die Blindheit.

Die sprechende Uhr für Blinde sagt uns immer an, welche Stunde gerade geschlagen hat. Die Modelle kann man sich in jedem Hilfsmittelshop kaufen. Ich kaufte mir gleich zwei Blindenuhren mit Wecker, liess mir aber beim Juwelier ein goldenes und ein silbernes Armband dazu anfertigen, denn manche Uhrenbänder sind gewöhnungsbedürftig.

Ein Gerät braucht der Blinde von heute unbedingt, das ist eine Anzeige für Flüssigkeiten. Stellen Sie sich vor, Sie giessen Wasser, Tee, Kaffee, Saft oder sonstige genussvolle Getränke in einen Behälter. Wie weiss man denn, wann das Wasser oben angekommen ist? Der Wasserstandsanzeiger weiss das genau. Ich habe einen erwischt, der zischt wie eine Schlange. Als ich den zum ersten Mal ausprobierte, erschrak ich, da ich nicht wusste, wie die Schlange in meine Kaffeetasse kam.

Es gibt für jeden Bereich im Leben Hilfsmittel für Blinde. Schauen Sie sich ruhig einmal um. Ach ja, Sie sehen ja nichts, na dann tasten Sie sich einfach einmal durch die Hilfsmittelabteilung in Ihrem Blindenbund. Sprechende Mikrowellen, Waschmaschinen, sprechende Kaffeemaschinen, ja nahezu jedes Haushaltsgerät kann man zum Sprechen bringen. Es ist nur eine Frage des Preises, denn die Geräte sind teuer. Ich habe mir meine Haushaltsgeräte und Küchengeräte so umgestaltet, dass ich si weiterhin blind bedienen kann. Die Waschmaschine bekam Markierungen, die Mikrowelle bediene ich mit der Start-Taste, und die Kaffeemaschine bedient mein Partner, denn wenn ich nach Gefühl dosiere, kann den Kaffee niemand trinken.


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Elisabeth Putz

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