Ein Aussteiger ist jemand, der dem normalen gesellschaftlichen Leben den Rcken kehrt, sich aus dem Alltagsleben zurckzieht, vielleicht im Wald lebt, sich sein eigenes Holzhaus samt kompostierbarer Toilette baut, und dann geniesst er sein Dasein. Er ern„hrt sich aus der Natur und lebt in und von ihr, nur wenn er ein wenig Zucker ben”tigt, sucht er den Konsum des Lebens auf und betritt einen Supermarkt. Er entsagt jeglichem Konsum, jeglicher geregelter Arbeit, scheut feste Arbeitszeiten, und er liegt lieber in der Sonne, weil dies angenehmer fr seine Seele ist.
Ein Aussteiger ist ein Eremit, wenn er sich fr ein Leben als Einsiedler entscheidet. Manche Eremiten sind so stumm, dass sie sich vor ihrer eigenen Stimme erschrecken, wenn sie hin und wieder laut sprechen. Wer im Wald lebt und sich von Kr„utern ern„hrt, lernt viel ber die heilende Wirkung der Heilkr„uter, ber die Kr„uterkunde selbst, aber er k”nnte vereinsamen, wenn er nicht stabil genug ist. Und so sind Eremiten wohl die strengste Form des Aussteigers.
Wie wird man ein waschechter Aussteiger? Man braucht hierfr ein wenig Mut, eine Portion Selbstbewusstsein, und man braucht Geld, denn nur wenige Aussteiger schaffen es ohne Geld durchs Leben zu kommen. Besonders am Anfang braucht man Geld, weil man sich von den irdischen Gtern nicht so schnell trennen kann. Die Seele ben”tigt ihre Zeit, um umzuschalten, und auch der K”rper muss seinen hausinternen Schalter umlegen. Ein echter Aussteiger geniesst sein Leben, unabh„ngig von Reichtum, Ruhm und Anerkennung. Er liebt die Ruhe, zieht sich aus dem Hamsterrad des Alltags zurck, und er hinterl„sst manchmal auch ein Loch, denn der Rckzug hinterl„sst Leute, die weiterhin im Hamsterrad radeln.
Einer meiner „ltesten Freunde beschloss, seine Firmen aufzugeben, sich ziemlich stark zurckzuziehen und nur noch fr sich und seine Familie zu leben. Er baute pl”tzlich seinen eigenen Biotop an, zchtete Gemse im Garten, umarmte B„ume, suchte im Wald nach Wildkr„utern, berlebte einen Zeckenbiss inklusive Borellose und Nervensch„digung, und heute fermentiert er immer noch sein eigenes Gemse. Bitte, wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er noch. Ich habe hin und wieder Kontakt zu ihm, und erstaunlicherweise sieht er viel jnger aus als er ist. Ich dachte immer, er liebt seine Firmen, geniesst die Extrovertiertheit und lebt durch sein Charisma. Ich h„tte schw”ren k”nnen, er entschl„ft eines Tages am Schreibtisch, aber so kann man sich irren.
Wer als Aussteiger durch die Welt gehen will, der braucht Mlltonnen, denn man will sich ja auch hin und wieder mit Konsumgtern versorgen. Containern heisst dieses Ph„nomen, und immer mehr junge Leute steigen in die Mlltonnen und holen wertvolle, noch gut erhaltene, auf keinen Fall abgelaufene Lebensmittel heraus. Wir werfen im Hamsterrad viel zu viel Mll weg, der eigentlich nicht als Mll gelten sollte. Aussteiger leben nachhaltig, bewusst, achtsam, und sie entmllen die Welt, indem sie davon leben. Wer das Containern fr sich entdeckt hat, braucht im Grunde kein Geld mehr, denn man findet alles in den prall gefllten Mlltonnen. Auch kann man auf ”ffentlichen Pl„tzen den „lteren oder „rmeren Menschen etwas zur Seite legen, was man selber nicht braucht. So k”nnen wir alle friedlich nebeneinander, miteinander, voneinander leben.
Viele Aussteiger leben am Land, im Wald, auf saftigen Wiesen, wo sie sich gr”sstenteils selbst ern„hren k”nnen. Sie leben in Schlafs„cken, neben sauberen Quellen, oder sie bereiten ihr Trinkwasser selber auf. Der Wald bietet Schutz, wenn der beste Freund ein Baum ist, den man regelm„ssig umarmen kann, um Oxitocin zu tanken. Oxitocin ist ein Kuschelhormon, und es gibt Aussteiger, die leben die naturgegebene Liebe aus, den ™kosex, indem sie sich selbst in der Natur, mit Hilfe der Natur lieben. Wind und Wetter bringen sie zum H”hepunkt, und eine selbsternannte Hexe aus den USA gibt sogar Seminare zu diesem Thema. Bitte, da bl„st der Wind nicht nur durch die Kopfhaare, sondern auch durch die Schamhaare.
Haben Sie vor, ein Aussteiger zu werden? Vergessen Sie Ihren PC und den Internetanschluss nicht, um der ganzen Welt von Ihrem Leben ohne Wasser und Strom zu berichten. Das natrliche Leben ist die freie Sicht auf ungem„hte Wiesen und Felder, wenn man darin sein Nachtlager ausbreitet. Es ist das einfache Leben als Aussteiger, ungebleichte Klamotten aus Leinen und Biobaumwolle zu tragen, sich vom Mll der Wegwerfgesellschaft zu ern„hren, umweltbewusst zu leben, den gesellschaftlichen Zwang im Hamsterrad zu verlassen, oder einfach auszuwandern.
Sie k”nnen auch zum Trendsetter werden, wenn Sie Aussteiger sein m”chten. Am besten, Sie melden sich in einer Fernsehshow fr Auswanderer an und ziehen ans Ende der Welt, mitten durch den Elfenwald, hinter die Wolken unserer Zeit. Konny Reimann hat es uns bereits vorgelebt, als er Konny Island grndete und sich in Texas einen individuellen Lebensstil aufbaute. Immerhin, er fhlt sich wohl in Kanada, mitten unter den Fischen und Konservendosen.
Man muss nicht gleich zum absoluten Aussteiger werden, es geht auch gem„ssigter. Der etwas gem„ssigte natrliche Lebensstil ist jener, der nachhaltig ausgepr„gt ist. Nachhaltig lebt man, wenn man Bioprodukte anstatt Chemie verwendet, wenn man Stromfresser vermeidet, auf die Umwelt achtet, den Klimaschutz untersttzt und mit Mensch, Tier und Pflanzenwelt schonend umgeht. Wir sollten Plastik vermeiden, industrielle Waren so gut es geht meiden, extreme Lifestyle-Sportarten wie Autorennen und Motorsport meiden, und wir k”nnten anfangen, viele Dinge selber anzubauen, zu tauschen anstatt alles zu kaufen, auf zu viele Klamotten zu verzichten und nicht um jeden Preis mit dem Privatjet von A nach B zu kommen. All das ist natrlich.