Wie feilscht man erfolgreich? Man braucht ein gutes Mundwerk fr die richtige Dosierung der sprachlich gew„hlten Worte, denn das Handeln ist eine hoch kar„tige Kunst der zwischenmenschlichen Kommunikation. Man braucht eine Portion Selbstbewusstsein, damit man sich traut, den Preis herunterzuhandeln. Man braucht Charme und Stil, Charisma und Ausstrahlung, damit man sympathisch genug rberkommt und einen guten Preis aushandeln kann. Und man ben”tigt Feingefhl, damit man keine unversch„mt niedrigen Preise verlangt. Verhandlungsgeschick ist Profisache. Wir bekommen Waren gnstiger, wenn wir sympathisch wirken, l„cheln, einen niedrigeren Preis erfragen und uns dann mit dem Verk„ufer in einer Art Flirt-Gespr„ch wiederfinden. So entstehen auch lose Kontakte, denn man lernt sich kennen und erinnert sich das n„chste Mal an den Kunden.
Viele Leute feilschen auf M„rkten und Flohm„rkten, weil dies hier zum guten Ton geh”rt. Beim Feilschen kommen die Leute verbal ins Gespr„ch. Man kommt sich n„her, unterh„lt sich miteinander, Sympathien werden ausgetauscht, und oft flirtet man auch so intensiv miteinander, dass der obligatorische Kaffee danach nicht fehlt. Besonders die Sdl„nder feilschen auf Teufel komm raus und sind beleidigt, mindestens entt„uscht, wenn ein khler, sachlich-kompakter Kopf eine Ware zum Normalpreis kauft und wieder weggeht. Hier ist kein ordentliches Gespr„ch zu Stande gekommen, und das nervt einen Sdl„nder. Heute rcken die Menschen aber sozial und gesellschaftlich gesehen so eng zusammen, dass wir uns alle den gleichen Stil, die gleichen Angewohnheiten, und somit auch das gleiche Handeln, Kaufen und Verkaufen angew”hnen. Und so feilscht man heute selbst in den heissesten L„ndern nur noch selten, weil wir von den sozialen Medien virtuell so gepr„gt sind, dass wir niemandem mehr zu nahe treten, ohne eine Me-To Debatte auszul”sen, denn die grosse Distanz geh”rt heute zum guten Ton in der Gesellschaft.
Nicht alle Menschen halten sich an die n”tige Distanz, manche feilschen unversch„mt frech. Waren, die bereits mit satten Rabatten winken, k”nnten durch das richtige Feilschen noch billiger werden, was wir am folgenden Beispiel sehen k”nnen. Eine junge Frau kommt in ein Lederwarengesch„ft und m”chte einen Mantel kaufen, der ihr ein wenig zu teuer ist. Der Ledermantel ist bereits reduziert, aber der Verk„ufer macht einen seri”sen und freundlichen Eindruck. Die junge Frau beginnt ein kleines Gespr„ch mit dem Verk„ufer, den sogenannten Smalltalk. Sie h„lt den Mantel in der Hand, bewundert ihn und sagt, dass sie nur ein begrenztes Budget fr den Mantel zur Verfgung hat. Dann fragt sie den Verk„ufer, was er fr sie tun kann. Sie schweigt, bis der Verk„ufer den ohnehin reduzierten Mantel noch etwas billiger hergibt.
Lieber Besucher, fragen Sie, was der Verk„ufer fr Sie tun kann, schweigen Sie im richtigen Moment, zwinkern Sie gekonnt mit den Wimpern, denn es kommt auch auf den Augenaufschlag, den verfhrerischen Blick an, stellen Sie beim Feilschen offene Fragen, himmeln Sie das Verkaufspersonal dezent an, machen Sie Komplimente ber die Qualit„t der Ware und warten Sie ab, was der Verk„ufer sagt.
Offene Fragen lassen viele Antworten zu, sodass der Verk„ufer nicht an das Ja oder Nein denkt, sondern an eine Antwort, die er auf die offene Frage hin geben k”nnte. Sie sehen, wenn Sie gut verhandeln, erfolgreich feilschen, dann bekommen Sie den gewnschten Rabatt. Das Geschlecht spielt zwar auch eine Rolle, und es ist immer hilfreich, wenn man charmante Gespr„che fhren kann, aber ausschlaggebend fr den Rabatt ist eine diskrete und unaufdringliche Preisverhandlung. Direkt nach dem Preisnachlass zu fragen ist, als ob man mit der Tr ins Haus f„llt und den Trstock versehentlich gleich mitnimmt.
Verk„ufer lernen, dass sie bei Anfragen nach Preisnachl„ssen grunds„tzlich nein sagen, sie lernen aber kaum, wie sie auf offene Gespr„che mit versteckten Preisverhandlungen reagieren sollen, und sie lernen fast nie, wie sie auf das Schweigen im richtigen Moment reagieren k”nnen.