Der immaterielle Luxus von Zeit und Lebensqualit„t hat sich endlich bei uns niedergelassen. Man widmet seine Zeit der Familie, den Freunden, den Hobbies, der puren Entspannung. Man konsumiert handgefertigte Dinge, man g”nnt sich Zeit fr sich selber. Die Luxuslimousine und der schnelle Urlaub im Luxushotel sind nicht so wichtig wie der Urlaub bei Freunden, das eigene Zuhause, ein sicheres, umweltfreundliches Auto, das soziale Leben in der Gemeinschaft. Zeit ist Geld, und Geld ist Luxus, und der echte, naturbelassene Diamant ist immer noch besser als der knstlich produzierte Edelstein.
In Mitten der Diamanten entwickelt sich zunehmend auch der kleine Luxus, denn der Mittelstand ist zufrieden und kann sich heute viel leisten, auch wenn immer wieder die Existenz des Mittelstandes bedroht ist. Heute leben viele Leute mit kleinen Luxusgtern, die zu Alltagsgtern geworden sind, zufrieden und glcklich. Der Seelenluxus boomt, denn materiell ist man quasi rundum abgesichert. Ausserdem wurde neulich die Handtasche mit integrierter Schliessanlage entworfen, damit man nicht so viel Geld ausgibt und seine Zeit den wesentlichen Dingen des Lebens widmet.
Der Weltfrieden, die Abschaffung der Hungersnot in armen L„ndern, eine intakte Partnerschaft, gute Freunde, viel Gesundheit, ein entschleunigter Lebensstil, die Natur und ihr Reichtum, die natrlichen Ressourcen der Meere, Seen, Berge und T„ler, all dies ist immaterieller Luxus, den man sch„tzen und pflegen sollte. Trotzdem fhlen wir uns immer nur dann reich, wenn andere „rmer sind, sonst haben wir ja keine Vergleichsobjekte zur Verfgung, die uns reich erscheinen lassen.
Es gibt tats„chlich Leute, die bewundern die Sch„tze der Natur, leben achtsam und bewusst, schtzen diese Sch„tze und erfreuen sich am Gemse, welches sie im eigenen Garten gezchtet haben. Sie pflcken Wildblumen, essen Wildkr„uter, trinken Quellwasser und leben abseits vom ach so hoch gesch„tzten materiellen Luxus.
Geistiger Luxus ist der Reichtum im Kopf und geh”rt dem immateriellen Wohlstand an. Man fhrt gute Gespr„che, man verbringt einen Nachmittag mit guten Freunden, und man sortiert die Energievampire aus, welche bloss Zeitr„uber sind und keine positive Energie liefern.
Glck und Zufriedenheit, Freude und Anerkennung, ein grosses Herz und eine stolze Seele, die Gleichheit aller Menschen, leben in einer intakten, friedlichen, multikulturellen Gesellschaft, ein gesundes, gutes Leben, eine saubere Umwelt, Entspannung und Entschleunigung, eine liebe Familie, all das ist geistiger Luxus.
Wie wichtig ist Luxus, und wie gerecht ist er verteilt? Wenn man vom ethisch moralischem Standpunkt ausgeht, so ist Luxus fr die Reichen und Superreichen berwichtig, selbst wenn sie das Luxusleben als ein Ding oder Unding der puren Normalit„t einstufen, w„hrend sie es geniessen. Fr Arme und Bettelarme ist Luxus hingegen nicht so wichtig, weil er erstens unerschwinglich scheint, und zweitens das nackte šberleben wichtiger ist als Prunk und Protz. Erst wenn man seine Grundbedrfnsse wie essen und wohnen, kleiden und berleben im Griff hat, wird eventueller Luxus wichtig, denn dann rckt er im gnstigsten Fall endlich in eine vorstellbare Dimension, die man Reichweite nennt. Und erst wenn Luxus in Reichweite, griffbereit ist, bekommt er eine gewisse Wichtigkeit im Leben.
Bei der Wichtigkeit des Luxus stehen Ethik und Moral im Mittelpunkt, und dadurch auch zwangsweise im Weg, denn moralisch gesehen mssten wir alle gleich sein, gleich viel Geld haben und die gleichen Chancen im Leben bekommen. Dies ist jedoch nur im M„rchen gew„hrleistet. W„hrend sich die Reichen alles leisten k”nnen, fragt man sich, ob so manches Luxusleben ethisch und moralisch nicht verwerflich ist. Moralisch gesehen ist das Verspeisen von seltenen Delikatessen, deren Aussterben naht, deren šberleben bedroht ist, verwerflich, und ethisch gesehen sind Luxusbabys, die man sich aufgrund von Genmanipulation zchtet, sogenannte Designerbabys, perfekte Wunschbabys ein No-Go und verstossen gegen jede medizinische Ethik. Trotzdem existieren diese Ph„nomene des menschlichen Daseins, wenn man sich sonst schon keine Dekadenz g”nnt.
Luxus ist wichtig frs Ego, frs Prestige, frs gute Image, denn wer viel hat, der kann auch viel geben, vorausgesetzt er will es auch, denn das Geben ist und war immer schon eine schwierige Angelegenheit, w„hrend das Nehmen keine Probleme darstellt. Man nimmt, was man bekommt, und man gibt nur gerne, wenn tausend Scheinwerfer unz„hliger Kameras aufs eigene Gesicht gerichtet sind und man vom Geben grosszgig berichten darf. Ich untersttze hin und wieder caritative Einrichtungen, und ich gebe offen zu, es umschmeichelt mein Ego, zumindest dann, wenn ein kleines Dankesch”n zurckkommt. Das Rampenlicht habe ich bisher nur bedingt gebraucht, denn meine Seele h„lt nicht viel vom elit„ren Scheinwerferstrahl, aber wenn ich in den Zugzwang gerate, ber das gute Tun zu berichten, tue ich es, damit ich andere motiviere, auch Gutes zu tun.
Wer gibt, erzeugt dadurch automatisch ein gutes Image, da kommt man nicht dagegen an. Und wer nimmt, gilt zwangsweise als arm, oder man stuft ihn als geizig ein, je nachdem, wie reich er ist. Und so schwelgen wir lieber im Luxus, um Prestige, Image, Ego und das Selbstwertgefhl zu fttern, sehen Geld als wichtig an, denn arm wird man unter ungnstigen Umst„nden von ganz alleine, nur den Reichtum muss man sich hart erarbeiten, falls man nicht geerbt hat, aber selbst beim Erben muss zuvor jemand sterben.