Zum Lgen muss man geboren sein, aber Studien zeigen, dass man besser lgt, wenn man intelligent und strukturiert zugleich ist. Der kreative Knstler, der immer wieder zwischen den Welten schwebt, wird nicht langfristig gut lgen k”nnen, da er sich seine zusammengereimten Geschichten schwer merken kann, wenn er den Kopf voller Dinge hat. Der sachlich bezogene Mensch, der sogar sein Gehirn gut strukturiert, seine Gedanken gebndelt im Griff hat, wird besser lgen, denn er weiss nach langer Zeit, was er damals gesagt hat. Und der Soziopath lgt ohne rot zu werden, denn es liegt ihm einfach im Blut.
Man lgt perfekt, wenn die Geschichte glaubwrdig und real genug ist, wenn man sie so erz„hlt, dass sie als wahrheitsgetreu eingestuft wird, und wenn man auf zu viele Details verzichtet. Wer gut lgt, fasst sich kurz, ein schlechter Lgner baut seine erfundenen Geschichten grosszgig aus, und wenn eine erfundene Story zu viele Details beinhaltet, k”nnen diese Details nicht immer wiedergegeben werden, oder man gibt sie verkehrt wieder, weil man sich an die Einzelheiten, welche man erlogen hat, nicht mehr erinnert. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern. Dieser Satz stammt vorwiegend von unehrlichen Leuten, die einst etwas gesagt haben, was nicht stimmt, oder die sich permanent ins richtige Licht rcken wollen und sp„ter etwas ganz anderes behaupten, wohinter sie ebenfalls wieder so felsenfest stehen, dass man es ihnen glaubt.
Die Lge ist wie eine Seuche, eine Art Pandemie, welche sich t„glich durch unser Leben bohrt. Manche Leute lgen aufgrund ihres Egos und produzieren Sockenpuppenlgen, welche ihr Ego aufpeppen. Andere lgen aus Scham, aus Angst, aus Nichtigkeit, aus Prahlerei, oder man lgt einfach, um den anderen Menschen nicht zu beleidigen, zu kr„nken oder zu verletzen. Die wahrhaftige Wahrheit wrden wir wahrscheinlich nicht aushalten, denn wenn der Mensch vollst„ndig, auch gedanklich transparent werden wrde, w„re er nackt bis auf die Knochen und wrde sich bis auf die Knochen blamieren. Wir wrden dann nicht mehr miteinander, sondern eher nebeneinander leben, vereinsamen, verrckt werden oder an uns selbst zu Grunde gehen. Mittlerweile ist die utopische Technik so weit fortgeschritten, dass man mit Hilfe einer Datenbrille erkennen kann, ob jemand lgt oder die Wahrheit sagt. Unsere Augenbewegungen und die Vergr”sserung der Pupillen verraten uns. Durch genaue Pupillenmessungen w„re dann keinerlei Lge mehr m”glich, und das wrde unseren Alltag empfindlich einschr„nken. Wer sagt, er hat noch nie gelogen, der lgt gerade. Wir lgen online und offline, im Internet, per E-Mail, am Telefon, und von Angesicht zu Angesicht wird am meisten gelogen, weil die Menschen so schlecht darin sind, die Wahrheit zu erkennen. Unsere Sinne sind n„mlich naturgem„ss so ausgerichtet, dass sie berleben k”nnen und sich vermehren. So sind wir vordergrndig auf die Paarung, das Kinder-bekommen, die Nahrungsaufnahme und das nackte šberleben ausgerichtet. Bitte, dem Steinzeit-Mensch reichte es vollkommen aus.
Bis jetzt dachte man sich, ein Kind wrde erst ab dem 5. Lebensjahr zu lgen anfangen, aber neue Studien haben ergeben, dass Kleinkinder ab 2 Jahren bereits lgen k”nnen. Je mehr und je intensiver ein Mensch lgt, desto intelligenter ist er, und Kinder, die lgen, k”nnten es laut neuesten Studien im Leben weit bringen. Bitte, da habe ich Glck mit der Wahrheit, ich bin nur Autorin geworden, obwohl ich in der Volksschule bereits beim Einschulungstermin gelogen hatte. Unsere Lehrerin fragte, wie unsere Familienverh„ltnisse aussehen und jeder musste erz„hlen, welche Familie er zu Hause hatte. Ich dachte, es geht niemanden etwas an, in welchen dessastr”sen Familienverh„ltnissen ich lebe, und so meinte ich, ich h„tte eine liebe Schwester, noch liebere Eltern und wrde in einer herzlichen Umgebung aufwachsen. Meine Lehrerin schaute in ein offenes Buch und sagte, das stimmt nicht, ich sollte die Wahrheit sagen, denn sie wsste, dass ich keine Schwester h„tte. Ich sagte: Verdammt, unsere Familienverh„ltnisse gehen niemanden etwas an, aber ich habe viel zu alte Brder, die mir meine Schokolade wegnehmen, Eltern, die nie zu Hause sind, einen Fernseher, der mir alles beibringt und eine Oma, die regelm„ssig einschl„ft, wenn sie auf mich aufpasst. Die Lehrerin schickte mich zum Schulpsychologen, weil sie glaubte, etwas stimmt mit mir nicht, aber aus mir unerkl„rlichen Grnden habe ich mich doch entwickelt. Wenn Kinder lgen, erhoffen sie sich einen Vorteil, oder sie lgen aus Scham, aber sie wollen damit niemanden schaden. Erst im Erwachsenenalter schaden wir mit manchen Lgen unserer Umwelt, wenn wir zum Nachteil unserer Mitmenschen die Wahrheit zurechtrcken. Bitte, heute gebe ich mir wenigstens Mhe, niemanden zu schaden, und manchmal gelingt es mir auch.
Du sollst nicht lgen, lautet ein obligatorisches Gebot. Wer h„lt sich heute dran? Jeder, der sagt, er h„tte in seinem Leben noch nie gelogen, lgt in diesem Moment, denn auch kleine Notlgen und nicht ernst gemeinte Schmeicheleinheiten sind genaugenommen Lgen. Betrug geh”rt zu unserer rasant wachsenden Wirtschaft dazu, denn wer zu langsam w„chst, k”nnte den Weltanschluss verlieren. Mir kommen die Tr„nen, wenn ich an diesen ethischen Verfall denke, aber da ich es nicht verhindern kann, dass Menschen lgen, akzeptiere ich es und schweige lieber, als dass ich lge und behaupte, die Lge sei schlecht.
Studien haben jetzt belegt, dass man besser lgt, wenn man dringend aufs Klo muss. Beim Mssen muss man das Mssen angestrengt zurckhalten, und dies erfordert Disziplin. Dadurch werden im Gehirn disziplinierte Verfahren angestrengt, welche es auch erm”glichen, strukturiert zu lgen. Ich denke, so manch ein kompetenter, sachlich und korrekt erscheinender Zeuge muss im Gerichtssaal dringend aufs Klo, w„hrend er seine Aussage t„tigt, da bin ich mir fast sicher.Entspannter wirkt man natrlich, wenn man nicht aufs Klo muss, wenn man nicht lgt, auch wenn man hier versehentlich als zu emotional eingestuft wird, wenn man seinen wahren Gefhlen freien Lauf l„sst.
Lgen kann man enttarnen, wenn man sich gengend Informationen einholt, die glaubwrdig erscheinen. Viele Leute glauben anderen Leuten alles, was sie sagen. Menschen mit einem Doktortitel, einem h”heren akademischen Grad, in einer anspruchsvollen Position, in einem ehrwrdigen Beruf glaubt man ohnehin mehr, ohne es zu berprfen, als einem Normalverbraucher. Und so ist manchmal einfach nur die soziale und berufliche Position ausschlaggebend, um ungeniert zu lgen, weil es niemand berprft.
Einen Lgner kann man mit einem geschulten Blick auch an seiner Mimik, Gestik und K”rperhaltung entlarven. Wer lgt, ist oft nerv”s und spielt an irgendeinem Gegenstand herum, zwirbelt in den Haaren umher, weil die Finger Ablenkung brauchen, oder er kann den Blick nicht halten und schweift andauernd durch den Raum.
Auch die Stimme und Stimmlage kann dafr sorgen, ob man als Lgner enttarnt wird. Eine zittrige, zu hohe, zu aufgeregte Stimme k”nnte eine Lge beinhalten. Der sachlich kompakte Ton k”nnte die Wahrheit sagen. Und der zus„tzliche permanente Augenaufschlag, der zum Zwinkern einl„dt, k”nnte auch eine Lge beinhalten.
Die K”rpertemperatur des Lgners steigt an, denn man ist besch„mt, wenn man sich seiner Lge bewusst ist. Manche Menschen werden rot, richten ihren Blick auf einen Gegenstand oder senken den Blick, und manche Menschen verraten sich im n„chsten Satz selber, wenn man mehrfach nachbohrt oder nachfragt. Eine Lge hasst es, wenn nachgeforscht wird, denn sie kann sich nur aufrecht erhalten, wenn niemand nach Hintergrundinformationen sucht.
Die Lge ist eine Unwahrheit, eine Aussage oder eine non verbale Geste, von der der Lgner weiss, dass sie nicht den Tatsachen entspricht. Aber wer definiert Wahrheit? Es sind die Menschen, die pr„sente Dinge wahrnehmen, fr wahr halten und daran glauben. So kann die Lge auch als Wahrheit eingestuft werden, wenn man an sie glaubt. Die meisten Menschen sind der Meinung, dass eine Lge etwas Schlechtes, Charakterloses ist, dass man nicht lgen soll, dass die Lge eine Snde ist, und wir meiden die ewigen Lgner, wenn wir sie enttarnen. Trotzdem werden wir in manchen F„llen gerne belogen, weil wir die Wahrheit kaum ertragen. Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss. Oft ist das Leben leichter, wenn wir lgen, oder wenn wir nur das glauben, was wir glauben wollen. Manche Lgen sind so charmant, dass man sie einfach glauben will.
Man lgt aus den verschiedensten Grnden, aus Prestige, aus Anerkennung, wegen des guten Images, welches man aufrecht erhalten will, aus reinster H”flichkeit, aus Angst vor Entt„uschung, aus Verlust„ngsten, aus Angst vor Strafe, oder weil man sich interessant machen m”chte. Man lgt bewusst und auch unbewusst, aus Eitelkeit oder aus Charme, aus einer Unsicherheit heraus, aus Not und aus einer Schutzfunktion heraus. Man lgt, um geliebt zu werden.
Es existiert sogar der Zustand, dass man seinen Partner anlgt, wenn man fremdgeht, damit die Beziehung nicht leidet. Stellen Sie sich vor, jeder wrde jederzeit die Wahrheit sagen, jeden Seitensprung beichten und seinem Partner sagen, er h„tte mehr Spass mit anderen. Wir w„ren verletzt, entt„uscht und wrden uns zurckziehen. Als mir mein Ex-Freund einst gestand, dass ich nur unterer Durchschnitt in Sachen Optik und Aussehen w„re, war ich derart gekr„nkt, sodass ich mich von ihm trennte, damit er eine bessere Frau finden konnte. Ich liess mir die Haare blond f„rben, damit ich wenigstens dem Durchschnitt entspreche.
Die Notlge soll einen selber oder andere vor einem m”glichen Schaden schtzen, die bewusste, aus egoistischen Grnden heraus entstandene Lge dient dem eigenen Ego und sorgt dafr, dass eine Fassade aufrecht erhalten wird, damit man gut dasteht. Die soziale Lge verwendet man, um Harmonie in der Gesellschaft aufrecht zu erhalten, um niemanden zu kr„nken oder zu entt„uschen. Und die zwanghafte Lge hat man nicht unter Kontrolle, wenn man eine Pers”nlichkeitsst”rung entwickelt hat. Man lgt seine Mutter an, um freier leben zu k”nnen. Man lgt den Chef an, um krank zu feiern, selbst wenn man gesund ist. Und man lgt, weil man eben lgt, damit die Geschichte einfach interessanter klingt. Bitte, sogar am Sterbebett haben Leute noch gelogen, und wenn es ums Erbe geht, lgt man sogar die Familie an. Aber nirgends wird so viel gelogen wie bei Gericht.
Im Alltag lgen wir so oft, dass es uns nicht immer bewusst ist. Der Nachbar tr„gt ein h„ssliches Sakko, die Nachbarin tr„gt einen gew”hnungsbedrftigen Haarschnitt und der Kollege im Bro hat K”rpergeruch. Aber wir sagen, Herr Nachbar tr„gt ein tolles Sakko, welches wir ebenfalls gerne h„tten. Die Nachbarin hat tolle Haare, die wrden wir auch gerne haben. Und wir ”ffnen im Bro das Fenster, weil uns zu heiss ist, selbst wenn es draussen wintert. Diese H”flichkeitslgen tragen uns sanft durch den Alltag, weil wir geliebt werden wollen und Streit meiden, weil wir unsere Mitmenschen nicht verletzen m”chten.
Manche Menschen tragen eine Lebenslge mit sich herum, welche sie nicht einmal dem Pfarrer beichten. Ein Mann fhrte ber 21 Jahre hindurch ein Doppelleben mit zwei Familien samt Ehefrauen und Kindern. Erst als er nach einem Unfall bewusstlos ins Krankenhaus kam, lernten sich die nichts ahnenden Familien kennen. Er selber litt an einer Amnesie und kannte pl”tzlich keine seiner Familien. Und eine betagte Frau beichtete erst am Sterbebett ihrer Tochter, dass der Onkel im Grunde der Vater ist, weil sie mit dem eigenen Bruder eine heimliche Aff„re hatte. Bitte, manche Lebenslgen sind es wert, nicht entlarvt zu werden, und manche Lgen sollte man lieber mit ins Grab nehmen.
Soziopathen und Psychopathen lgen besonders gut, da sie die emotionale Ebene im Gehirn ausblenden, die nur geringfgigst vorhanden ist. Bei Gericht wird besonders oft gelogen, habe ich geh”rt. Das liegt daran, dass man entweder jemanden schtzen will oder einer Strafe entgehen m”chte, da Straftaten das Leben besonders schwer beeintr„chtigen, wenn man dafr gerade stehen muss.
In der Politik wird hin und wieder gelogen, in der Wirtschaft und in der Finanzwelt auch, und in der Werbung wird mit der Lge eine Art T„uschung erzeugt, damit der Konsument berzeugt ist und das Produkt kauft. Der eigene oder der gemeinschaftliche Vorteil liegen hier klar auf der Hand, und jeder sollte zuerst Fakten prfen, bevor er wahllos alles glaubt, was jemand sagt.