Shoppingqueen ist ein TV Format, bei dem es um Mode und den Einkauf eines Outfits geht. Das Format ist so einfach gestrickt, dass man nebenher so einiges erledigen kann, ohne etwas zu vers„umen. Trotzdem bleibt man wie ein Sargnagel vor dem Fernseher kleben, wenn man den Kandidaten beim Shoppen zuschaut, denn das Sendeformat hat etwas Magisches an sich.
Eine Woche hindurch gehen 5 Frauen abwechselnd shoppen und mssen ein Outfit finden, welches zu einem bestimmten Motto passt. Jeden Tag gibt eine der Kandidatinnen ihr Bestes und verzweifelt, wenn sie nichts Passendes zum Anziehen findet.
T„glich stellt sich eine der 5 Kandidatinnen samt Wohnung und Familie vor, wobei der Fokus der Pr„sentation auf den Kleiderschrank und den Schuhschrank gelegt werden. Nichts in der Wohnung ist heilig genug, um nicht gefilmt zu werden, und so sieht man, wie die Leute leben. So manch eine Kandidatin besitzt ein eigenes Ankleidezimmer, einen begehbaren Kleiderschrank. Bitte, da frisst einem der Neid, wenn man sieht, wie die Reichen klamottentechnisch dinieren.
W„hrend eine Kandidatin shoppen geht, schauen sich die anderen 4 Leute ihre Wohnung an, probieren ihre Klamotten, ziehen ihre Schuhe an und amsieren sich. Wenn man bedenkt, dass dies mit der eigenen Wohnung passiert, so berlegt man es sich zweimal, sich zu bewerben, weil nicht jeder liebt es, wenn fremde Leute im eigenen W„scheschrank nach Unterw„sche st”bern und sich ber den geblmten Alltags-BH lustig machen.
500 Euro und vier Stunden Zeit, das ist der Einsatz, der jeder Kandidatin zur Verfgung steht. Davon muss man sich ein Outfit, Accessoires und ein Styling samt Haarschnitt und Make-Up kaufen. Da wird das Geld bereits beim Anschauen knapp, und so kaufen sich die Leute billige Fast-Fashion und hoffen, das Zeug sieht teuer aus. Die Shoppingbegleitung, die jede Kandidatin mitnehmen darf, muss darauf achten, dass das Outfit zum Motto passt, und dass nicht zu viel Geld ausgegeben wird, sonst kann man den Friseur nicht mehr bezahlen.
Im Grossen und Ganzen pr„sentieren sich die Kandidatinnen auf einem extra fr sie angelegten Laufsteg, zeigen, was sie geshoppt haben und lassen sich von den jeweils 4 anderen Kandidatinnen bewerten. 10 Punkte kann man vergeben, 1 Punkt sollte man vergeben, wenn man geizig genug ist, und die meisten Leute vergeben zwischen 5 und 9 Punkten, selten jedoch 10 Punkte. Man will ja selber gewinnen, da darf man mit den Punkten nicht so freizgig sein.
Am Ende der Woche kommt Stardesigner und Modemacher Guido Maria Kretschmer ins Spiel. Er bewertet die Kandidatinnen professionell, macht Verbesserungsvorschl„ge, erntet Lob und Aufmerksamkeit und kr”nt die w”chentliche Shoppingqueen. Mit diesem simplen TV Format erreicht man tausende Frauenherzen, aber ob man damit nachhaltig zum umweltfreundlichen Konsum beitr„gt, weiss ich nicht so genau. Wenn man sich zu einem bestimmten Motto irgendwelche billigen Klamotten samt noch billigerem Schmuck gekauft hat, legt man das Zeug nach einer Woche in den Schrank und entsorgt es mit dem n„chsten Hausmll.
Das Problem liegt darin, dass man Punkte abgezogen bekommt, wenn beispielsweise die Handtasche, der Schmuck, Ring und Kette, ein Grtel etc. fehlen. Die Kandidatinnen bewerten selten das stimmige Outfit, sondern meckern, wenn ein Accessoire zu wenig am K”rper klimpert. Hier kann man sich dann kaum etwas Hochwertiges leisten, ohne zu verlieren, denn mit 500 Euro kommt man nicht detailliert von Kopf bis Fuss in jeden Laden. Der Anreiz, die 1000 Euro zu gewinnen, schreckt vor nichts zurck, und so kauft man des Kaufens Willen ein, aber die Altkleidersammlung schluckt notfalls alles.
Ob man Shoppingqueen wird und die 1000 Euro gewinnt, ist eher Zufall, denn es h„ngt von den oftmals launenbehafteten Bewertungen der Kandidatinnen ab. Nicht immer gewinnt das beste Outfit, manchmal gewinnt das sch”nste L„cheln oder die Dreiátigkeit der Punktevergabe.
Zumindest sollte man sich auf das Motto einstellen und es kreativ umsetzen. Das Standardoutfit k”nnte zu wenig aussagekr„ftig fr einen Sieg sein. Bei Shuhen sollte man aus der Reihe tanzen, da fast jeder den schwarzen Standardschuh w„hlt. Hte sind ein Hingucker, da sie fast niemand tr„gt. Ein neuer Haarschnitt kann punkten, weil sich kaum jemand traut, sich die Haare schneiden zu lassen. Ausgefallene Farben k”nnen gewinnen, weil viele Leute einfach in schwarz, weiss, grau und braun antanzen. Ausgefallene Taschen, die zu den Schuhen passen, k”nnen punkten, weil viele einfach nur die kleine Standardhandtasche kaufen. Wenn man im Second-Hand Laden einkauft, findet man oft ausgefallenere Dinge, als wenn man sich in einen Fast-Fashion Laden verirrt und irgendetwas zusammenkauft. So hat man wenigstens einen Hauch einer Chance, die 1000 Euro zu gewinnen, von denen man sich dann hoffentlich ein kluges Outfit kauft.
Guido Maria Krretschmer ist zweifels ohne der K”nig von Shoppingqueen. Er verk”rpert mit seinen Kommentaren den humorvollen, manchmal etwas bissigen Unterton des TV Formats. Er wird angehimmelt, von einigen Kandidatinnen bis zur Besinnungslosigkeit geliebt, auch wenn er in festen, m„nnlich dominierenden H„nden ist, und er kann zuckersss sein, wenn er seine Shoppingqueen kr”nt.
Normalerweise nehmen ausschliesslich Frauen an Shoppingqueen teil, aber vereinzelt verirrt sich hin und wieder ein Mann dorthin, womit dann neben Guido Maria Kretschmer ein zweiter K”nig den Laufsteg krt. Den H”hepunkt in jeder Woche bildet der Showroom von Guido Maria Kretschmer, in welchem seine Designermode ausgestellt ist und die Frauenherzen h”her schlagen l„sst. Wenn ein zweiter Mann den Showroom ausfllt, bekommt das Sendeformat einen ganz besonderen Touch, denn dann bewundern M„nneraugen die Designermode und stellen sich vor, das Kleid w„re fr einen Mann geschneidert worden.
Im Grunde br„uchte die Sendung nur ein einziges Motto, Shoppen, Kleider vom Leib reissen, neue Klamotten anziehen, in der Umkleidekabine verzweifeln und beim Friseur entspannen, bis der Laufsteg droht. Die Mottos sind jedoch so abgefahren, dass man im normalen Alltag kaum auf die Idee kommen wrde, sich derart zu kleiden. Und so stehen manche Kandidatinnen verzweifelt in den L„den, whlen sich durch Klamotten, die sie normalerweise nicht einmal mit der Nase anschauen wrden, verkriechen sich noch verzweifelter in die Umkleidekabine und beginnen zu heulen, wenn das Outfit keine Form annehmen will.
Die Umkleidekabine ist das eigentlich B”sartige in dieser Sendung. Wenn das grelle Licht und der Ganzk”rperspiegel alle Figurprobleme, Macken und Kanten einer Person zeigen, ist es schwer, ein passendes Outfit zu suchen. Wenn man dann noch ein Motto verk”rpern muss, in welchem man sich verkleidet vorkommt, muss man ja verzweifeln, aber die Chance auf die 1000 Euro h„lt die Kandidatinnen am Leben, und wenn alles scheitert, trinkt man Champagner, der beruhigt jede prickelnde Zunge.
Das Sendeformat ist bis zu den Prominenten vorgedrungen, denn Stars und Sternchen m”chten sehen und gesehen, pr„sentiert und bewertet werden. Fr den Zuschauer ist es oftmals eine richtige Augenweide, wenn er tiefere Einblicke in das Zuhause der Prominenten erhascht. Da sieht man, wie arm man selber haust, wenn man sich die teuren Villen und die begehbaren Kleiderschr„nke anschaut, welche man sich erst hart erarbeiten muss.
Prominente haben ebenfalls nur 500 Euro zur Verfgung, mit welchen sie haushalten mssen. Bitte, da geht man dann eher in den Second-Hand-Laden als in ein Standardgesch„ft, denn von der Stange zu konsumieren, liegt nicht jedem Prominenten. Die Promis bewerten sich untereinander eher harmonisch, vergeben gerne 10 Punkte, himmeln sich gegenseitig an und g”nnen sich den Sieg untereinander. Das liegt vielleicht daran, dass sie das Siegergeld von 3000 Euro fr einen guten Zweck spenden, oder daran, dass sie nach der Sendung weiterhin miteinander arbeiten mssen und sich m”gen wollen. Auf jeden Fall hat das Promi Shoppingqueen Format einen guten Hintergrund, denn man kleidet sich im Endeffekt fr einen guten Zweck.